Neuer Rahmentarifvertrag für 650000 Gebäudereiniger

Verbesserungen – aber ohne Weihnachtsgeld

Von Peter Köster

Nach sechs ergebnislosen Verhandlungsrunden einigte sich die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) mit dem Bundesverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) auf einen neuen Rahmentarifvertrag für die Beschäftigten in einer der größten Handwerksbranchen der Republik.

Der schwierigen Einigung gingen hunderte von größeren und kleineren betrieblichen Aktionen und Warnstreiks voraus. Drei Wochen lang hatten die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in ganz Deutschland für einen Abschluss gekämpft.

Im Sommer des Jahres hatte der Bundesverband überraschend den Rahmentarifvertrag gekündigt mit der Absicht, den bestehenden Tarifvertrag deutlich zu verschlechtern. Den Kolleginnen und Kollegen sollten unter anderem Überstundenzuschläge und Urlaubstage genommen werden.

Nach dem ersten Schock war die Reaktion der Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern ein wütendes „Nicht mit uns!“. Die IG BAU mobilisierte in den Betrieben und warb unter den Beschäftigten für Unterstützung für einen neuen, besseren Rahmentarif. Hunderte organisierte waren aktiv dabei. Viele sind in dieser Auseinandersetzung der Gewerkschaft beigetreten. Der Bundesvorsitzende der IG BAU, Robert Feiger, konnte am Morgen des 18. Oktober in den Medien verkünden, dass sich die Kolleginnen und Kollegen, die in den Bereichen Gebäude-, Glas- und Industriereinigung arbeiten, auf mehr Geld im Portemonnaie und auf mehr Urlaub freuen können.

So sollen Teilzeitbeschäftigte, die über fünf Monate hinweg kontinuierlich ein Überstundenpensum von mindestens 15 Prozent leisten, einen Anspruch darauf bekommen, dass ihr Arbeitsvertrag auf die tatsächlich geleistete, höhere Wochenstundenzahl angepasst wird. Überstunden werden künftig ab der neunten Arbeitsstunde mit einem Zuschlag von 25 Prozent vom Stundenlohn bezahlt. Einen Nachtzuschlag von 30 Prozent (plus 5 Prozent), Sonn- und Feiertagszuschlag auf 80 Prozent (bisher 75 Prozent) soll es geben. Industriereiniger erhalten 75 Cent pro Stunde zusätzlich.

Ihre Forderung nach einem Weihnachtsgeld konnten die Kolleginnen und Kollegen auch mit diesem Abschluss nicht durchsetzen. Allerdings ist ein Weihnachts-Bonus vereinbart worden. Wahlweise kann in den nächsten zwei Jahren der Heiligabend oder der Silvestertag als bezahlter Arbeitstag genommen werden. Sollte an diesem Tag doch gearbeitet werden, ist eine 150-prozentige Weihnachtsprämie fällig. Ab 2021 haben alle Beschäftigten auf Vollzeitbasis einen Anspruch auf 30 Tage Urlaub unabhängig davon, wie lange sie in der Branche beschäftigt sind. Ab 2020 haben die Neuangestellten Anspruch auf 29 Tage.

Diese Vereinbarungen müssen von den organisierten Kolleginnen über ihre Ortsfachgruppen beraten werden. Die Branchenfachgruppe Gebäudereinigerhandwerk hat das Ergebnis diskutiert. Dass die langjährige Forderung nach einem Weihnachtsgeld erst mit den nächsten Lohnverhandlungen im kommenden Jahr als Verhandlungszusage seitens des Arbeitgeberverbandes aufgenommen wurde, hat einen Großteil der Aktiven eher missmutig gestimmt. Die Kampfbedingungen in der Branche sind äußerst kompliziert. Die jetzt getroffenen Vereinbarungen werden von den Kolleginnen und Kollegen trotzdem als Schritte in Richtung einer notwendigen Verbesserung der Lohn- und Rahmenbedingungen in dem Handwerk gesehen. Die Kampfkraft erhöhen durch mehr Gewerkschaftsmitglieder unter den 650 000 Beschäftigten ist die konsequente Antwort auf die Provokationen der Unternehmer.

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"Verbesserungen – aber ohne Weihnachtsgeld", UZ vom 1. November 2019



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