Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft tagt in Berlin

Verkehrswende braucht Lohnerhöhungen

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat am Donnerstag ihren Gewerkschaftstag beendet. Unter dem Motto „Bewegen, was uns bewegt“ tagten in Berlin rund 600 Delegierte und Gäste. Mit Martin Burkert wählten sie einen neuen Vorsitzenden, der in der Organisation bekannt ist: Er war bisher stellvertretender Vorsitzender der EVG und seit 2008 Mitglied des geschäftsführenden Vorstands. Für die SPD war Burkert bis 2013 Bahnbeauftragter der Bundestagsfraktion. 90 Prozent der Delegierten wählten ihn zum neuen Vorsitzenden der EVG. Gegenkandidaten gab es nicht.

In seiner Grundsatzrede kritisierte Burkert Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Der aktuelle Haushalt könne auch von Dobrindt, Ramsauer oder Scheuer stammen. Wohin man blicke, fehle es an Kapazitäten und Reserven. „Die Betriebslage im Schienenverkehr ist so schlecht wie lange nicht. Was das einsatzfähige Personal angeht, wird es immer dramatischer – und zwar in allen Bereichen. Es muss dringend etwas geschehen. Es erreichen uns fast täglich eindringliche Warnungen unserer Kolleginnen und Kollegen, was das einsatzfähige Personal angeht“, so Burkert. „Bahn ohne Menschen: Das funktioniert nicht!“

Die EVG fordert eine Verkehrswende, die den Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene auf mindestens 25 Prozent Marktanteil erhöht. Dafür brauche es Investitionen, sagte Burkert. Stattdessen werde weiter gekürzt. Dagegen protestieren Delegierte des EVG-Gewerkschaftstags am Mittwoch vor dem Bundesverkehrsministerium.

Angesicht der Preissteigerungen kündigte der EVG-Vorstand auf dem Gewerkschaftstag an, dass es in der kommenden Tarifrunde wesentlich darum gehen werde, „den Kollegen mehr Geld in die Tasche zu bringen“. Auf die Frage, ob in der kommenden Tarifrunde mit Warnstreiks zu rechnen sei, sagte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch: „Ich würde den Arbeitskampf aktuell einplanen.“ „Wenn ein Arbeitgeber uns mit einer Einmalzahlung abspeisen will, wird er sehr schnell merken, dass so etwas nicht mit uns zu machen ist“, so Loroch weiter. Eine Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten sei das Ziel. Die Forderungen würden im Februar beschlossen, es gehe aber in Richtung „Inflationsausgleich + X“.



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