Gefahr einer Atomkatastrophe in Saporoschje bleibt. IAEA-Experten vor Ort erwartet

Vor Inspektion: Kiew beschießt AKW

Am Mittwoch machte sich eine 14-köpfige Expertengruppe der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) unter Leitung des argentinischen IAEA-Chefs Rafael Grossi von Kiew auf den Weg in die Stadt Energodar, auf deren Territorium das AKW Saporoschje, das größte Europas, liegt. Die Vertreter von zehn Ländern – Albanien, China, Frankreich, Italien, Jordanien, Litauen, Mexiko, Polen, Serbien und Nordmazedonien – sollten dort am Donnerstag eintreffen.

Die ukrainischen Streitkräfte setzten allerdings noch am Mittwoch ihren seit Wochen anhaltenden Beschuss des AKW Saporoschje fort, beschuldigten aber erneut die russischen Truppen, sich selbst anzugreifen. Angeblich nutzten die russischen Truppen die Anlage zur Lagerung schwerer Waffen und hätten dort 500 Soldaten stationiert. Laut Moskauer Angaben ist aber lediglich russisches Sicherheitspersonal vor Ort.

Ein Sprecher der russischen Regionalverwaltung teilte am selben Tag auf Telegram mit, es habe mehr als 60 Einschläge durch Drohnenangriffe und Artilleriebeschuss auf dem Kraftwerksgelände und in der Umgebung gegeben, aber keine Opfer. Seinen Angaben zufolge wurde unter anderem das Gebäude der Stadtverwaltung von Energodar beschädigt. Ein veröffentlichtes Video zeigte entglaste Fenster. Sprecher des Verteidigungs- und des Außenministeriums in Moskau erklärten, Kiew setze NATO-Waffen und -Munition ein, um das AKW zu beschießen. Mit den Attacken solle die IAEA-Mission gestört werden.

Am 25. August war es nach Beschuss zu einem schweren Zwischenfall gekommen: Aschegruben eines nahe gelegenen Wärmekraftwerks, von dem Leitungen zum AKW führen, gerieten in Brand. Das AKW wurde daraufhin aus Sicherheitsgründen zum ersten Mal in seiner knapp 40-jährigen Geschichte vom Netz genommen. Die zwei verbleibenden aktiven Reaktoren wurden vorübergehend heruntergefahren, liefern aber mittlerweile wieder Strom.

Grossi hatte wegen des Beschusses von einer „sehr realen Gefahr einer nuklearen Katastrophe“ gesprochen. Die IAEA-Delegation soll nun vier Aufgaben erfüllen: die Schäden auf dem AKW-Gelände beurteilen, die Sicherheitssysteme kontrollieren, die Arbeitsumstände für das ukrainische Personal bewerten und dringende Sicherheitsmaßnahmen durchführen. Hierbei soll vor allem geklärt werden, dass das atomare Material nur für friedliche Zwecke eingesetzt wird.

Ebenfalls am Mittwoch erklärte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, General Igor Konaschenkow, der Versuch Kiews, eine Offensive im Süden der Ukraine wieder aufzunehmen, sei gescheitert.

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"Vor Inspektion: Kiew beschießt AKW", UZ vom 2. September 2022



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