Außenhandels-Lobbyist Anton Börner bereitet die Exportnation auf Wirtschaftskrieg mit den USA vor

Was erlauben Trump?

Von Klaus Wagener

Wer hierzulande auf sich hält, übt sich seit dem 20. Januar darin, den US-Präsidenten zu beschimpfen. Bei dieser erstaunlich großen Koalition der Trump – na, sagen wir einmal -Kritiker – möchte natürlich auch der Präsident des „Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen“ (BGA), Anton Börner, mitmachen. „Wir sprechen hier von einem von sich absolut überzeugten, machtbesessenen Familienunternehmer ohne Bindung zur sozialen Marktwirtschaft“, beschrieb der Ingolstädter Sanitärhändler Börner („Haustechnik mit Herz und Verstand“) den neuen US-Präsidenten in der letzten Woche in Berlin. Trump, der „die USA als sein Unternehmen“ betrachte, handle nach dem Motto: „Ich gewinne immer“. Daher hätten es „Vernunft, Logik und Kompromissbereitschaft“ schwer, mit ihm auszukommen. Wie auch, denn das Motto „Wir gewinnen immer“, hatte eigentlich der BGA für sich reserviert.

Für 2017 peilt der BGA bei den Ausfuhren wieder einen neuen Rekord von 1235 Mrd. Euro an. Das wären 2,5 Prozent mehr als 2016. 2015 hatten sich die deutschen Ausfuhren in die USA auf 113,7 Mrd. Euro gesteigert, was 9,5 Prozent der Gesamtexporte entsprach. Seit zwei Jahren Platz Eins im Ranking der deutschen Exportziele. Die Einfuhren aus den USA lagen in derselben Zeit bei 60,2 Mrd. Euro. Die Differenz müssen die USA bekanntlich durch Verschuldung ausgleichen. Ein Problem, das auch der US-Regierung – und nicht erst seit dem 20. Januar – bekannt ist. Nur Donald Trump hat als erster angekündigt, daraus ernsthafte Konsequenzen zu ziehen.

Das ruft naturgemäß den wackeren BGA-Chef auf den Plan. Nach dem bewährten Trappatoni-Motto: „Was erlauben Trump?“, will er nun dem US-Präsidenten zeigen, was eine deutsche Harke ist: „Wir müssen hart und ganz selbstbewusst auftreten. Das ist das Einzige, was einen Unternehmer Trump beeindruckt.“ Und als sei der US-Präsident ein störrischer kleiner Zulieferer, dem man mal kurz mit dem Ruin droht: „Du bekommst einen gnadenlosen Wettbewerb zu spüren.“ „Du wirst als Loser dein Unternehmen verlieren, denn du kannst deine Vorstellungen in einer komplexen Welt nicht mehr alleine durchsetzen, dazu bist du zu abhängig.“ Es müsse „klar herausgearbeitet werden, dass Trump noch viel mehr verlieren wird, wenn wir verlieren.“ Man hört den US-Präsidenten im Weißen Haus schon förmlich vor Angst schlottern.

Wenn es darum geht verbal aufzurüsten, ist auch die SPD nicht weit: „Wir werden dem neuen US-Präsidenten selbstbewusst und gesprächsbereit begegnen“, wirft sich die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries in Kampfpose. „Und wir werden ihm sagen, dass unsere Offenheit keine Einbahnstraße ist.“ Soll wohl heißen: Wenn die USA mit Zöllen und Steuern reagieren, macht die EU es ähnlich.

Was sowohl Börner als auch Zypies zu übersehen scheinen: Die USA sind nicht Griechenland. Nicht die Bundesrepublik ist der größte Kunde der USA, sondern umgekehrt. Die Klientel des Außenhandelslobbyisten Börner ist in hohem Maße vom Export in die USA abhängig. Auch die Bumerang-Effekte ihrer Russland-Sanktionen scheinen den deutschen Freihandelskämpfern nicht wirklich eine Lehre gewesen zu sein. Vielleicht mögen es ja die Kunden von Börners Klempnerladen, wenn man sie beschimpft und unter Druck zu setzen versucht, ob das in God‘s Own Country gut ankommt, ist doch sehr die Frage.

Die US-Regierung möchte sich den deutschen (und chinesischen) Merkantilismus nicht länger leisten. Und im Gegensatz zum Süden Europas hat sie auch die Mittel dazu. Imperialisten sind natürlich nur da wirtschaftsliberal, wo es ihnen nutzt. Wer aber an dem natürlichen Recht der deutschen Exportindustrie zweifelt, ihre Nachbarn gezielt zu verarmen, und dadurch auch noch ihre eigene Währung, den Euro, vorteilhafterweise gleich mit abzuwerten, ist natürlich der leibhaftige Gottseibeiuns, ein vormoderner Antiliberaler, der zurück will in die graue Vorzeit vor Adam Smith und David Ricardo. Entsprechen verbissen rüstet sich nicht nur Anton Börner für den neuen Kalten Handelskrieg mit dem ehemals so heiß geliebten Großen Bruder. Die Wirtschaftsredaktionen der Meanstream-Medien haben den Kampfauftrag der deutschen Exportindustrie im vorauseilenden Gehorsam natürlich längst verinnerlicht. „Gewerkschaftsnahe“ Ökonomen, wie Gustav Horn, stehen ihnen leider nicht viel nach.

Börners Kriegsgeschrei wird zu nichts Gutem führen. Wenn überhaupt etwas helfen könnte, wäre es die Rücknahme des mit der Agenda-Politik eingeleiteten Lohndumping, die Rücknahme der Hungerlöhne, der prekären Arbeitsverhältnisse, des Rentendiebstahls und der Steuergeschenke an Reiche und Großunternehmen. Dann hätten Bürger und Staat auch wieder Geld, um zu kaufen, was sie produzieren, und Deutschland bräuchte nicht andere Staaten in die Überschuldung zu treiben. Aber das ist natürlich eine Geschichte aus jenen fernen Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat.

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"Was erlauben Trump?", UZ vom 17. Februar 2017



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