Trump gibt den Rassisten ein gemeinsames Ziel

White Supremacy in Charlottesville

Von Christoph Hentschel

Die „White Supremacy“ -Bewegung (dt.: Weiße Vorherrschaft) hatte vergangenen Samstag nach Charlottesville im US-Bundestaat Virginia geladen. Ergebnis des Tages waren drei Tote und mindestens 35 Verletzte. Zwei Polizisten starben bei einem Hubschrauber-Absturz und die Gegendemonstrantin Heather Heyer, als ein Neonazi mit seinem Auto in eine Gruppe von Antifaschisten raste. 16 weitere Menschen wurden dabei zum Teil schwer verletzt. Der Täter soll ein Zwanzigjähriger, James Alex Fields, sein.

Präsident Donald Trump sprach undeutlich von einem „ungeheuerlichen Ausbruch von Hass, Fanatismus und Gewalt auf vielen Seiten“. Eindeutiger benannte Virginias Gouverneur und Demokrat Terry McAuliffe die Schuldigen, sie seien „weiße Rassisten und Nazis“, die „Hass, Menschenverachtung und Gewalt“ verbreiteten.

Die „White Supremacy“-Bewegung hatte unter dem Motto „Unite the Right“ (dt.: „Vereinigt die Rechte“) aufgerufen, um gegen die Demontage einer Statue von Robert E. Lee (1807–1870) zu marschieren. Die Statue im Herzen von Charlottesville wurde 1924 dem Südstaaten-General, der während des amerikanischen Sezessionskrieges von 1861 bis 1865 auf Seiten der Sklavenhalter gekämpft hatte, gewidmet. Der Ku-Klux-Klan und andere neofaschistische, völkische und rassistische Organisationen, wie die League of the South, Daily Stormer, Identity Evropa oder Vanguard America stehen hinter „White Supremacy“. Sie eint die Überzeugung den Auftrag zu haben, Trumps Versprechen einzulösen, „unser Land“ zurückzuerobern, wie David Duke, führendes Ku-Klux-Klan Mitglied, verkündete.

Die verschiedenen Organisationen der „White Supremacy“-Bewegung wachsen in den USA seit dem Amtsantritt von Barack Obama 2009 wieder. Sie waren aber in sich und untereinander zerstritten – bis Trump und sein „Make America great again“ ihnen ein gemeinsames Ziel wies. Weite Teile des Ku-Klux-Klan lehnten bis dahin die Zusammenarbeit mit völkischen und neofaschistischen Gruppen ab, da diese das Andenken an ihre Väter und Großväter, die gegen Hitler-Deutschland gekämpft hatten, beflecken würden.

Im Präsidentschaftswahlkampf hatte Trump gezielt auf die Stimmen und die Unterstützung der extremen Rechte in den USA gesetzt. Deutlichstes Zeichen dafür ist die Benennung von Stephen Bannon von der rechten Webseite „Breitbart News Network“ zum Chefstrategen im Weißen Haus.

Die Kritik an Trumps aktuellen Äußerungen, die keinerlei Distanzierung von „White Supremacy“ erkennen lassen, reicht bis tief ins republikanische Lager. So twitterte der republikanische Senator Cory Gardner „Mr. President – wir müssen das Böse beim Namen nennen. Dies waren weiße Rassisten und dies war einheimischer Terrorismus.“ Der ehemalige Präsidentschaftskandidat und demokratische Senator Bernie Sanders schrieb auf Twitter „Jetzt müssen wir mehr denn je gegen diejenigen stehen, die unsere Brüder und Schwestern bedrohen.“ Das National Board (dt.: Parteivorstand) der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA) erklärte, dass die Ereignisse in Charlottesville durch die Politik der Trump-Regierung gefördert und verursacht wurden und von der „Bewegung einer vereinten multinationalen, antirassistischen, antifaschistischen Mehrheit“ abgelehnt wird. Die CPUSA fordert dazu auf, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und bei den Kongresswahlen 2018 die Trump-Regierung abzustrafen.

Über den Autor

Christoph Hentschel (Jahrgang 1980) ist Politikwissenschaftler und Redakteur für „Politik“. Er arbeitet seit 2017 bei der Zeitung der DKP.

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"White Supremacy in Charlottesville", UZ vom 18. August 2017



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