„Morning Star“ über die Hochwasser-Krise in Britannien

Zwei Krisen, zwei Systeme

China hat in sechs Tagen ein Isolationskrankenhaus für Corona-Virus-Patienten gebaut. Wie die Wetterereignisse am vergangenen Wochenende gezeigt haben, muss Britannien einen wirksamen Hochwasserschutz erst noch errichten.

China ist eine große Volkswirtschaft und kann sehr beträchtliche personelle und materielle Ressourcen mobilisieren. Aber Britannien ist im Vergleich dazu eine entwickelte Wirtschaft – die fünftgrößte der Welt. Zwei Krisen, zwei Systeme.

Es ist für Laien unmöglich, fundierte Urteile über die Machbarkeit oder die Kosten von Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung zu treffen. Der Ausgangspunkt für jedes Projekt und auch für die Modernisierung unserer Küsten- und Hochwasserschutzsysteme sind die menschlichen und sozialen Bedürfnisse die gegen ökologische und soziale Kosten abgewogen werden müssen.

Aus dem gleichen Grund müssen die mit dem medizinischen Notfall, wie er durch die Mutation des Corona-Virus eingetreten ist, verbundenen wesentlichen Aufgaben im Bereich der öffentlichen Gesundheit Ausgangspunkt jeglicher Reaktion darauf sein.

Es ist schwer vorstellbar, dass Britannien, das sich zunehmend auf ein privatisiertes Gesundheitssystem stützt und auf ein Bauwesen, dass von großen, kriminellen und häufig scheiternden Unternehmen dominiert wird, solche Projekte – geschweige denn nach einem so engen Zeitplan – durchführen kann.

Der Grund, warum China es kann, liegt nicht in irgendwelchen dem chinesischen Volk eigenen Merkmalen oder einer ungeklärten genetischen Veranlagung, sondern einfach in der Natur des tatsächlich existierenden Sozialsystems.

China kann diese enormen sozialen Kräfte mobilisieren, diese immensen menschlichen Ressourcen lenken und den Enthusiasmus wecken, weil die Kommandohöhen der Wirtschaft und die entscheidenden Machthebel im Wesentlichen in staatlicher Hand liegen.

Dies bedeutet nicht, dass jeder Aspekt der Vorgehensweise Chinas in Britannien besonders gut ankommen würde. Andererseits ist der Anteil der Bevölkerung, der ernsthaft chinesische Politik zur Erschießung korrupter Banker in Erwägung zieht, doch ziemlich groß.

Der Kapitalismus als System zur Führung komplexer moderner Volkswirtschaften und zur Verwaltung fortgeschrittener und moderner Staaten zeigt ständig, dass er überflüssig ist.

Übersetzung und Bearbeitung: Lars Mörking

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Über den Autor

Lars Mörking (Jahrgang 1977) ist Politikwissenschaftler und Chefredakteur der UZ. Er arbeitet seit 2011 bei der Zeitung der DKP, zunächst als Redakteur für „Wirtschaft & Soziales“, anschließend übernahm er das Ressort „Internationale Politik“.

Mörking arbeitete nach seinem Studium in Peking und war dort Mitarbeiter der Zeitschrift „China heute“, die in mehreren Sprachen von der staatseigenen China International Publishing Group herausgegeben wird.

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"Zwei Krisen, zwei Systeme", UZ vom 21. Februar 2020



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