Aus dem rechten Blätterwald: „Deutschland-Kurier“

B-Promis machen Angst

Von Markus Bernhardt

Der breiten Öffentlichkeit dürfte der „Deutschland-Kurier“ noch unbekannt sein. In seiner Aufmachung ist das der völkisch-nationalen AfD nahestehende und einzig acht Seiten umfassende Blatt in seiner Aufmachung an Boulevardzeitungen wie den Berliner Kurier oder die Bild-Zeitung angelehnt.

Erstmalig wurde die besagte Rechtsaußenpostille im Juli 2017 mit einer angeblichen Auflage von 600000 Exemplaren kostenlos verteilt. Mittlerweile kann die selbsternannte Wochenzeitung gegen ein Entgelt abonniert oder auch im Internet gelesen werden. Als Chefredakteur fungiert David Bendels, zugleich Vorsitzender und Sprecher des „Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“, welcher das Blatt herausgibt. Der „Deutschland-Kurier“ sei „ebenso wie sein Trägerverein politisch und konfessionell unabhängig“, behaupten die Macher auf ihrer Internetseite.

Dass dem nicht so sein dürfte, wird bereits anhand des Aufmachers der jüngst erschienenen Ausgabe vom 17. Januar 2018 deutlich. Mit der Schlagzeile „Aus Angst vor Migranten – deutsche Frauen bewaffnen sich ‚Lade, ziele schieße!‘“ ist die Titelseite überschrieben, auf der auf einen „exklusiven Namensbeitrag“ des 25-jährigen Models Carolin Matthie hingewiesen wird. Dass es sich bei der besagten Überschrift nicht um ein Versehen, sondern um eine gezielte Provokation und das Spiel mit einem Aufruf zur Gewalt handeln dürfte, kann vorausgesetzt werden.

Auf diesem Niveau geht es auch im Innenteil der „Zeitung“ weiter. Auf zwei Seiten wird versucht nachzuweisen, dass Papst Franziskus, der in dem Blatt als „Multikulti-Papst“ zu diffamieren versucht wird, die katholische Kirche zu einer „linken Sekte“ umbauen wolle. Darüber hinaus finden sich reißerische und nahezu faktenfreie Beiträge etwa über „Drogen, Prügeleien, versiffte Klassen“ und ein sogenanntes „Irrenhaus-Tagebuch“. Dieses wird mit den Worten „Masseneinwanderung, Multikulti, Gender-Gaga: Im 13. Jahr der Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) ist Deutschland reif für die Klapse“ eingeleitet und mit einem Bild der amtierenden Bundeskanzlerin in Zwangsjacke und mit linkem blauen Auge bebildert.

Regelmäßig sollen Nicolaus Fest, bis 2014 stellvertretender Chefredakteur der „Bild am Sonntag“, und Michael Klonovsky, der bis 2016 in verschiedenen „leitenden Positionen beim ‚Focus‘ tätig war“, regelmäßig für das rechte Blatt schreiben. Gleiches gilt, dem „Deutschland-Kurier“ zufolge für „namhafte Autoren“ wie die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Vorsitzende des „Bundes der Vertriebenen“, Erika Steinbach, „den ehemaligen Chefredakteur der Bild-Zeitung Peter Bartels, den ehemaligen FAZ-Redakteur Konrad Adam, Dr. Bruno Bandulet sowie bekannte Autoren aus europäischen Nachbarländern wie beispielsweise die FPÖ-Nationalrätin Barbara Rosenkranz“.

Der „Deutschland-Kurier“ ist keinesfalls ungefährlich. Es ist leicht verständlich, spricht damit gewisse Bevölkerungsteile an und dürfte aufgrund der Bekanntheit der angeblich „namhaften“ Autorinnen und Autoren, die allesamt aus dem Establishment stammen, auf gewisse politische Kreise ansprechend wirken. Nicht nur aufgrund des Bundestagseinzugs der AfD dürfte das Projekt zudem finanziell abgesichert sein. Was die deutsche Medienlandschaft nunmehr zu bieten hat, ist eine weitere extrem rechte Publikation, die sich der Angstmache, rassistischen Stimmungsmache und Hetze verschrieben hat. Das Blatt fungiert als Schnittstelle zwischen Rassisten, extremen Rechten und einstigen B-Klasse-Promis aus den Reihen der sogenannten Demokratie.

Über den Autor

Markus Bernhardt (Jahrgang 1977) ist freier Journalist und Autor sowie studierter Sozialarbeiter. Er arbeitet für verschiedene Printmedien, unter anderem für die Tageszeitung „junge Welt“. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Themen Innen-, Gesundheits-  und Gleichstellungspolitik sowie Antifaschismus.

2012 veröffentlichte er das Buch „Das braune Netz: Naziterror – Hintergründe, Verharmloser, Förderer“ über das faschistische Terrornetzwerk „NSU“ im PapyRossa Verlag Köln.

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"B-Promis machen Angst", UZ vom 2. Februar 2018



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