Zu einer lakonischen Richtigstellung der Kriegsberichterstatter

BBC sagt leise „Sorry“

„Wir machen die Wahrheit …“ sagt eine US-Geheimagentin einem deutschen Waffenkontrolleur in dem Film „Curveball“ über die Vorbereitung des Irakkrieges. Die Wahrheit selbst zu definieren war schon immer das Ziel von Regierungen und Geheimdiensten in der Vorbereitung und Rechtfertigung von Kriegen. Unterstützung finden sie in den Medien, wie im Falle der Aus­einandersetzungen um einen Bericht der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) über einen angeblichen Chemiewaffeneinsatz der syrischen Regierung vor drei Jahren.
Damals hyperventilierten Medien über einen brutalen Chemiewaffeneinsatz in Syrien durch „Assad“. Sogleich griffen die USA, Frankreich und Britannien mit unzähligen Raketen Ziele in Syrien an. Allerdings, dank russischer Raketenabwehr, mit wenig Erfolg.

Später gab es eine Untersuchung durch die OPCW, die offiziell zu einem klaren Ergebnis kam: „Assad hatte Chemiewaffen eingesetzt“. Doch viele Wissenschaftler, ehemalige und aktive Mitarbeiter und Waffenkontrolleure der OPCW äußerten massive Kritik am offiziellen Bericht, der nicht die tatsächlichen Untersuchungsergebnisse wiedergebe.

Die Kritik wurde von Whistleblowern in die Öffentlichkeit getragen, von den Medien aber fast völlig totgeschwiegen. Allerdings gab es in britischen Medien einige Berichte darüber, die so brisant waren, dass die BBC sich genötigt sah, der Kritik entgegenzutreten, mit einem diffamierenden Podcast von Chloe Hadjimatheou.

In einem der Tiefpunkte ihres Podcasts geht es um einen Waffeninspektor „Alex“, der der offiziellen Darstellung der OPCW widerspricht. An der fachlichen Expertise von „Alex“ gibt es keinen Zweifel – und gerade das macht Hadjimatheou ihm zum Vorwurf. Rhetorisch fragt sie: „Wieso zweifelt jemand, der fachlich so kompetent ist, das offizielle Ergebnis an?“ Um dann selbst die Antwort zu geben: Es ging ihm um Geld, das von Wikipedia ausgelobt worden sei.

Das ging selbst der BBC zu weit. Dem britischen Journalisten Peter Hitchens, der auch von ihr angegriffen worden war, gelang es, die BBC zu einem Widerruf zu bringen. Der Podcast habe in einigen wenigen Punkten nicht den Standards der BBC entsprochen, hieß es lakonisch.

Warum erkennen so viele Wissenschaftler und Experten das offizielle Ergebnis der OPCW nicht an? Weil es keine gottgegebene Wahrheit ist, sondern offensichtlich manipuliert wurde, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Es ist die selbstdefinierte Wahrheit der Regierungen, die Syrien angreifen ließen.

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"BBC sagt leise „Sorry“", UZ vom 24. September 2021



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