Zur Nahost-Reise des US-Präsidenten

Biden of Arabia

Der US-Präsident, oder wer auch immer für seine Aktivitäten verantwortlich ist, lässt keine Möglichkeit aus, das von den USA verursachte Chaos weiter anzuheizen. Als reiche der US-provozierte Ukraine-Konflikt und der nach hinten losgegangene Sanktionskrieg nicht, ermutigte Joseph Biden bei seinem Besuch in Jerusalem die Apartheid-Zionisten, gegen Iran zu Felde zu ziehen. Bekanntlich ist das schon lange der Traum des israelischen Sicherheitsstaates, der sich ohnehin in einer Art De-facto-Krieg mit Teheran auf dem Gebiet der Syrischen Republik befindet. Den Zionisten zu signalisieren, dass Washington eine (potentielle?) iranische Atombombe als eine Art Casus Belli betrachtet, wie es Biden tat, bedeutet, ihnen für ihre Aggressionen einen Blankoscheck auszustellen. Sollte es tatsächlich zu einem US-israelischen Angriff auf Iran kommen, mag man sich die Folgen kaum ausmalen. Europa, und nicht nur Europa, droht ohnehin eine massive Energieknappheit. Was die Welt am wenigsten braucht ist ein zusätzlicher Militärkonflikt im Nahen/Mittleren Osten mit einem der wichtigsten Fossilenergieproduzenten der Welt.

Auch der anschließende Besuch des US-Präsidenten in Riad zeigte, wie sehr sich die Welt in den letzten Jahren verändert hat. Saudi-Arabien, seit einem Dreivierteljahrhundert ebenso abhängiger wie verlässlicher Vasall des US-Imperiums, geht zunehmend eigene Wege. Seine Hauptkunden sitzen in Asien und nicht mehr in Nordamerika oder Europa. Und was die US-Sicherheitsgarantien wert sind, konnte man in Afghanistan und nun in der Ukraine beobachten. Riad beginnt sich in Richtung BRICS, Shanghai-Kooperation und Belt-and-Road Initiative zu orientieren und macht aktuell gute Geschäfte, wofür es seine Heizölimporte aus Russland auf das Doppelte gesteigert hat. Der Versuch Bidens, den saudischen De-facto-Herrscher Mohammed bin Salman wieder zurück in den US-amerikanisch-zionistischen Orbit zu ziehen und auf eine Erhöhung der saudischen Ölförderung zur Senkung des Preises zu orientieren, konnte daher kaum erfolgreich sein. Die moralische Aufladung der US-Machtpolitik – Biden wollte Mohammed bin Salman zum „Paria der Welt“ degradieren – war dabei auch nicht hilfreich. Außer einem Faustgruß mit ihm war für den US-Präsidenten in Riad nicht viel zu holen.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Biden of Arabia", UZ vom 22. Juli 2022



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol LKW aus.