Bürgerverarsche

Am vergangenen Wochenende gab es bei der Berliner Linkspartei Medaillen für sechseinhalb Jahre Bürgerverarsche – Missachtung des Volksentscheids zur Enteignung großer Wohnungskonzerne inklusive. Insgesamt hatte die Partei mit Unterbrechung 17 Jahre Regierungsverantwortung in der Hauptstadt. Das neugewählte Spitzenduo aus der zweiten Reihe, Franziska Brychcy und Maximilian Schirmer, muss nun Ungewohntes tun: Oppositionsarbeit. „Jede Plenarsitzung wird für uns ein Fest“, freut sich Brychcy und will Druck für Enteignung machen – möglicherweise mit einem zweiten Volksentscheid. Schirmer sieht die Kommunalpolitik als „Herzstück“ linker Politik und will künftig mit der Stadtgesellschaft, mit Gewerkschaften, Initiativen und Vereinen auf Augenhöhe reden – und dabei „öfter mal zuhören und nicht immer nur überzeugen“. Aber allzulange wollen sie sich mit Pöbel und Klein-klein nicht abgeben. Das Ziel ist klar: Anlauf nehmen für die nächste Wahl. 2026 wollen die beiden „angreifen, die Machtfrage stellen“ (Brychcy) und „wieder Verantwortung übernehmen“ (Schirmer). Die Nach-Lederers-und-Schuberts wollen dann „rebellisch regieren“.

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Über die Autorin

Wera Richter, geboren 1969, ist stellvertretende Parteivorsitzende der DKP und Chefredakteurin der UZ. Die journalistische Laufbahn begann in jungen Jahren mit einem Praktikum bei der UZ mit Rolf Priemer als Chefredakteur. Damals wurde die UZ wieder Wochenzeitung. Später arbeitete die gelernte Gärtnerin im Ressort Innenpolitik der Tageszeitung junge Welt. Auf dem 20. Parteitag der DKP 2013 wurde Wera Richter zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt und übernahm die Verantwortung für die Organisationspolitik. Ein Job, den sie in der SDAJ kennen und lieben gelernt hatte. 2020 löste sie Lars Mörking als UZ-Chefredakteur ab.

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"Bürgerverarsche", UZ vom 19. Mai 2023



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