Abkommen mit Volumen von 5 Milliarden US-Dollar Venezuela wird Teil des „Neue Seidenstraße“-Projekts

China verschafft Venezuela Luft

Von Venezuelanalysis.com / UZ

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro bezeichnete seinen viertägigen Besuch in der VR China als „einen großen Erfolg“. Die Ergebnisse seiner Reise stimmten ihn „sehr optimistisch“,

die chinesische Regierung und die Banken stünden voll hinter den Wirtschaftsreformen der venezolanischen Regierung, die im Rahmen seines Programms „Wirtschaftliche Erholung, Wachstum und Wohlstand“ eingeführt wurden.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, sagte, dass die VR China Venezuela helfen wolle, wirtschaftliche Stabilität zu erreichen. Geng wies darauf hin, dass Peking das Schlimmste der Wirtschaftskrise in Venezuela für überstanden hält und sagte: „Die innere Situation verbessert sich und die Regierung von Venezuela fördert Wirtschafts- und Finanzreformen.“

Nicolás Maduro versucht, die Beziehungen zu asiatischen, europäischen und nahöstlichen Partnern zu stärken, um neue Kredite für Venezuela zu sichern. Ein von den USA verhängtes Finanzembargo verbietet US-amerikanischen Firmen eine Kreditvergabe nach Venezuela. „Ich musste die wirtschaftlichen Sanktionen der USA und Europas überwinden, die auf venezolanische Bankkonten zielen, Milliarden von Dollar, die auf internationalen Konten liegen, entwendet haben und den Handel blockieren“, sagte Maduro gegenüber dem chinesischen Staatsfernsehen.

Zu den Ergebnissen von Maduros China-Besuch gehört ein neues Darlehen in Höhe von 5 Milliarden US-Dollar, mit dem Venezuelas Ölindustrie angekurbelt werden soll. Die Ölproduktion leidet unter sinkender Produktion, internationalen Gerichtsverfahren und einer weitreichenden Anti-Korruptions-Untersuchung.

China ist Hauptgläubiger Venezuelas. Die neuen Kredite folgen auf die Zusage finanzieller Unterstützung durch die chinesische Entwicklungsbank aus dem Juli dieses Jahres. Zu einer möglichen Neuverhandlung der Konditionen früherer Kredite wurden bisher keine offiziellen Angaben gemacht.

Die neue Finanzierung verschafft der venezolanischen Regierung Maduro dringend benötigten Spielraum und soll in zahlreiche gemischte Unternehmen im Orinoco-Gürtel fließen. Das Ziel ist, 300 Ölquellen zu öffnen oder zu modernisieren. Im Orinoco-Gürtel lagern Vorkommen von 31,2 Milliarden Fässern schweren Rohöls.

Im Rahmen der Abkommen wird Venezuelas staatliches Ölunternehmen PDVSA 9,9 Prozent seiner Anteile an der gemischten venezolanisch-chinesischen Ölfirma SINOVENSA an das chinesische staatliche Petroleum Consortium (CNPC) abtreten, das bisher 40 Prozent des Unternehmens besaß. Im Orinoco-Gürtel produziert SINOVENSA 130 000 Fässer Öl pro Tag. Obwohl es sich bei der Unterzeichnung um einen Vertrag zwischen zwei staatlichen Ölkonzernen handelt, hat das Abkommen erneut Befürchtungen hervorgerufen, die venezolanische Regierung nehme derzeit eine Privatisierung der Erdölindustrie des Landes vor.

Venezuela will sich außerdem dem ehrgeizigen Projekt der Neuen Seidenstraße anschließen.

Das chinesische Projekt zielt darauf ab, Europa,  Asien und den Nahen Osten zu verbinden. Die Neue Seidenstraße wird 60 Länder, 75 Prozent der weltweiten Energiereserven und 70 Prozent der Bevölkerung umfassen. Venezuela ist das zweite lateinamerikanische Land nach Uruguay, das sich dazu entschlossen hat, sich an diesem Projekt zu beteiligen.

Nach seinem China-Besuch kündigte Maduro zudem 28 neue Abkommen zwischen China und Venezuela in den Bereichen Energie, Bergbau, Gold, Eisen, Technologie, Bildung, Gesundheit und Kultur an. Mit diesen Abkommen wurde der Bau eines neuen Satelliten bekanntgegeben, der nach einem venezolanischen indigenen Führer des 16. Jahrhunderts „Guaicaipuro“ benannt ist. Nach „Bolivar“, „Miranda“ und „Sucre“ ist dies der vierte Satellit Venezuelas, der mit venezolanisch-chinesischer Technologie entwickelt wurde. Ein Starttermin wurde bisher nicht bekannt gegeben.

Andere Abkommen sehen eine verstärkte Zusammenarbeit und Finanzierung zwischen venezolanischen und chinesischen Gasunternehmen sowie zwischen dem multinationalen Konzern der Yankuang-Gruppe und der venezolanischen Regierung im Goldbergbau vor.

Auch das chinesische Medizinunternehmen Meheco unterzeichnete eine Vereinbarung mit Maduros Regierung, um dringend benötigte Medikamente an das lateinamerikanische Land zu verkaufen. Venezuela hat wegen der US-Sanktionen kaum Zugang zu wichtigen Medikamenten wie Insulin.

Darüber hinaus unterzeichnete der venezolanische Staat Abkommen mit der chinesischen Eisenfirma CREC sowie mit dem chinesischen Telekommunikationskonzern ZTE. Das Unternehmen, das in Lateinamerika bereits einen bedeutenden Marktanteil hält, will die Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit, Kommunikationstechnologie und elektronische Bezahlsysteme ausbauen. Weitere Abkommen wurden bei der Verbrechensbekämpfung unterzeichnet.

Für die wirtschaftliche Zusammenarbeit chinesischer und venezolanischer Unternehmen wird ein bilaterales Geschäftskomitee gegründet, das aus 124 chinesischen und 49 venezolanischen Firmen besteht. Der Ausschuss werde, so erklärte Maduro, leitend und vermittelnd für den wirtschaftlichen Wohlstand, die Ausweitung der Investitionen und des Handels zwischen China und Venezuela tätig sein.

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"China verschafft Venezuela Luft", UZ vom 28. September 2018



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