Denkmal niedergerissen

„Weil sie die Völker vereint, damit bald den Kindern in aller Welt immer die Sonne scheint“, erinnerte die Thälmann-Pionierin Steffi Tschucke 1985 anlässlich der Feier zum 40. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus in Kienitz an der Oder an die Befreier der Roten Armee. Zum 75. Jahrestag sieht es düster aus. In Kienitz herrscht der Kapitalismus, das heißt Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne bei steigenden Mieten und maroder Infrastruktur. Was aus Steffi Tschucke geworden ist, ist nicht bekannt. Vielleicht hat sie ihr „Glück“ im Westen gesucht oder schlägt sich in Kienitz durch.

Aber eines ist gewiss, an den Sieg über den Faschismus und an die damit verbundenen und erkämpften Errungenschaften möchten die Nutznießer des Kapitalismus heute nicht mehr erinnert werden. So schleift man die Denkmäler, die an Befreiung, Fortschritt und soziale Sicherheit erinnern. Zuletzt nicht in Kienitz, sondern in Prag – dort wird das Denkmal niedergerissen, das an Iwan Stepanowitsch Konew, Marschall der Sowjetunion und Befreier Prags, erinnert. Stattdessen soll ein Denkmal für Nazi-Kollaborateure an gleicher Stelle entstehen.

Eines sollte aber den Nutznießern des Kapitalismus gewiss sein: Auch ohne Denkmäler wird die Erinnerung an die Befreiung und wem man sie zu verdanken hat, hell erscheinen.

Über den Autor

Christoph Hentschel (Jahrgang 1980) ist Politikwissenschaftler und Redakteur für „Politik“. Er arbeitet seit 2017 bei der Zeitung der DKP.

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"Denkmal niedergerissen", UZ vom 17. April 2020



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