Finger weg!

„Wir wurden verarscht! Erst sollten die Musterungen im Juli 2027 starten und jetzt werden wir gezwungen. Wenn über 1.000 Jugendliche ohne Inte­resse zur Musterung geladen werden, zeigt das, dass wir kurz vor der Wehrpflicht stehen!“, das sagt der 17-jährige Schüler Shmuel Schatz aus Berlin.

An diesem Freitag streiken zum vierten Mal Schülerinnen und Schüler in mehr als 100 Städten gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Der Streik richtet sich auch gegen den Beginn von Musterungen. Wie das Verteidigungsministerium am 18. September bestätigte, werden seit Juli dieses Jahres 18-jährige Männer gemustert. Darunter auch über 1.000, die auf dem Fragebogen der Bundeswehr auf einer Skala von null bis zehn angegeben haben, null Inte­resse am Wehrdienst zu haben. Nun wurde bekannt, dass die Verpflichtung für Musterungen schon heute gilt, obwohl sie erst ab Juli 2027 angekündigt wurde.

Golo, ein 18-jähriger Schüler aus Kiel, beschreibt: „Wir hatten plötzlich alle einen Brief mit Musterungseinladung im Briefkasten, obwohl wir kein Inte­resse angegeben haben. Ob das freiwillig oder verpflichtend ist, wurde uns nicht gesagt. Einer ist hingegangen und wurde vier Stunden untersucht – inklusive Abtasten der Hoden und Fragen dazu, ob er auf andere Menschen schießen würde. Jetzt hat das Verteidigungsministerium zugegeben, dass das geplant ist und dass jetzt flächendeckend Musterungen beginnen. Wir wurden verarscht! Noch ein Grund mehr, am Freitag zu streiken!“

Die Bewegung „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ stellt sich gegen jeden Schritt zur Wiedereinführung einer Wehrpflicht und anderer Zwangsdienste. Sie fordert die Rücknahme des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes und einen sofortigen Stopp der Musterungen. Unter dem Motto „Nein zu Wehrpflicht, Zivildienst und Krieg“ richtet sich der vierte Schulstreik auch gegen einen potenziellen Zivil­dienst und die Bundeswehrübung „Red Storm Charlie“, die zeitgleich zum Streik in Hamburg stattfindet.

Informationen zu den geplanten Aktionen in den einzelnen Städten gibt es hier.

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"Finger weg!", UZ vom 25. September 2026



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