Innerhalb weniger Monate des Jahres 1976 verlor die Volksrepublik China drei ihrer prägenden Genossen: Zhou Enlai, Zhu De und Mao Zedong. Welch ein Verlust, umso mehr als diese drei bis zuletzt in führenden Positionen in Staat, Partei und Militär dienten, statt einen hochverdienten Ruhestand zu genießen. Sie waren als „Banditen“ verschrien, hatten als Revolutionäre gekämpft, wurden und werden in der Volksrepublik China als Helden verehrt.
Große Führungspersönlichkeiten
Wir wissen, dass die Massen die Geschichte machen. Aber wir wissen auch, wie viele Opfer uns erspart bleiben im Kampf um eine sozialistische Zukunft, wenn wir Führer (selbstverständlich auch Führerinnen) haben, die den Weg der Revolution überblicken. Führer, Wegzeiger, Wegfinder, die Orientierung geben können in unbekanntem Terrain, in unübersichtlichen Lagen, in langsamen dunklen Zeiten und in rasanten revolutionären Abschnitten, die Kühnheit und schnellen Entschluss verlangen. Führer, die Vormarsch und Rückzug beherrschen. Viel ist gesagt worden gegen den Personenkult und was er Nachteiliges mit sich bringen kann – und wie alle Anbetung selbstverständlich auch Götzendienst ist, den Revolutionäre verachten. Es gilt, ein richtiges Verhältnis zu gewinnen, wie es etwa Georgi Plechanow, einer der Mitbegründer der modernen russischen Arbeiterbewegung, in seiner „Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte“ erörtert hat:
„Ein großer Mann ist nicht dadurch groß, dass seine persönlichen Besonderheiten den großen geschichtlichen Geschehnissen ein individuelles Gepräge verleihen, sondern dadurch, dass er Besonderheiten besitzt, die ihn am fähigsten machen, den großen gesellschaftlichen Bedürfnissen seiner Zeit zu dienen, die unter dem Einfluss der allgemeinen und besonderen Ursachen entstanden sind. In seinem bekannten Werk über die Helden nennt Carlyle die großen Männer Beginner (Beginners). Das ist eine sehr gelungene Bezeichnung. Der große Mann ist eben ein Beginner, denn er blickt weiter als die anderen und will stärker als die anderen. Er löst die wissenschaftlichen Aufgaben, die der vorhergegangene Verlauf der geistigen Entwicklung der Gesellschaft auf die Tagesordnung gesetzt hat; er weist die neuen gesellschaftlichen Bedürfnisse auf, die durch die vorhergegangene Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse erzeugt worden sind; er ergreift die Initiative zur Befriedigung dieser Bedürfnisse. Er ist ein Held. Held nicht in dem Sinne etwa, dass er den natürlichen Gang der Dinge aufhalten oder ändern könnte, sondern in dem Sinne, dass seine Tätigkeit der bewusste und freie Ausdruck dieses notwendigen und unbewussten Ganges ist. Darin liegt seine ganze Bedeutung, darin seine ganze Kraft. Das ist aber eine gewaltige Bedeutung, eine ungeheure Kraft.“
Steuermann
Mao Zedong, der „Große Steuermann“, wie er in der Volksrepublik China genannt wurde, starb am 9. September 1976. Er ist unter den drei Genossen derjenige, der sich selbst am meisten gebildet hat, der die bedeutendsten Beiträge zur Bereicherung der marxistisch-leninistischen Theorie geleistet hat und dem es am besten gelungen ist, die Theorie auf die besonderen chinesischen Verhältnisse anzuwenden. Denn es galt ja nachzuweisen, dass die Marxsche Theorie, die ursprünglich aus der Analyse ökonomisch hoch entwickelter kapitalistischer Länder entstanden war, auch auf Länder angewandt werden kann, die in der Entwicklung der Produktivkräfte massiv gehemmt wurden und zurückgeblieben sind. Auf Länder also, deren Proletariat nur einen ganz geringen Teil der Bevölkerung ausmachte, bei einem überwältigenden Anteil der Bauernschaft. Oder anders ausgedrückt: Dass unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei sozialistische Revolutionen auch in rückständigen Verhältnissen möglich und notwendig sind. Und dies war keine abstrakte Erkenntnis des Möglichen. Denn von Mao Zedong wurde erkannt und er hielt gegen alle Widerstände daran fest, dass China konkret zum schwächsten Glied in der imperialistischen Kette geworden war, zu dem Glied, an dem die Kette zerrissen werden konnte. Mit der Befreiung Chinas vom Joch des Imperialismus und seiner Stützen war dem alten Kolonialismus das Rückgrat gebrochen: Neue Völker betraten die Bühne der Weltgeschichte und alte Völker atmeten auf und erneuerten sich. Allein dafür gebührt Mao Zedong höchste Anerkennung als unumstrittener Anführer dieser Revolution in China und der ganzen Welt.
Revolutionäre Anfänge
Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Lage in China prekär. Seit den Niederlagen in den Opiumkriegen haben die Imperialisten die Küstenregionen fest im Griff und saugen das Land aus. Das Kaiserreich liegt in Trümmern und die zentrale Staatsgewalt ist zerfallen. Gleichzeitig entwickelt sich Widerstand – sowohl gegen die Kolonialherren als auch gegen den Feudalismus. 1912 ruft Sun Yat-sen die Republik aus. Doch es gelingt nicht, eine stabile Regierung für das Riesenland zu etablieren. So kommt es dazu, dass in den einzelnen Regionen Warlords die Macht übernehmen, die von Großgrundbesitzern, Kompradorenbourgeoisie und den unterschiedlichen imperialistischen Mächten zum jeweils eigenen Vorteil gestützt werden.

Inspiriert durch die Oktoberrevolution und beeinflusst durch die Kräfteverschiebung als Ergebnis des Ersten Weltkriegs beginnt Anfang der 1920er Jahre der „Erste revolutionäre Bürgerkrieg“. Er hatte mit der „Bewegung 4. Mai“ begonnen, mit der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) 1921 eine neue Grundlage erhalten und mit Sun Yat-sen an der Spitze einen Kampf in Gang gesetzt um ein geeintes, fortschrittliches und demokratisches China. Kennzeichnend für diesen Kampfabschnitt ist, dass die nationale Bourgeoisie sich auf die Seite des Volkes stellte und sich – mit Schwankungen – mit den anderen Volksklassen verbündete. Ausdruck dessen war es auch, dass Kommunisten Mitglieder in der Guomindang wurden, die damals vor allem die nationale Bourgeoisie und das städtische Kleinbürgertum vertrat. Zudem hatte Sun Yat-sen seine drei alten Volksprinzipien Nationalismus, Demokratie, Volkswohl präzisiert und erweitert um: Bündnis mit der Sowjetunion, Zusammenschluss mit der KPCh, Unterstützung der Arbeiter und Bauern. Dies war mit dem Manifest des 1. Nationalkongresses der Guomindang im Januar 1924 festgehalten worden. Auf diesem Kongress wurden Li Dazhao (marxistischer Theoretiker und Mitbegründer der KPCh) und Mao Zedong in die Führungsgremien gewählt. Von der Sowjetunion wurden Berater angefordert.
Am 12. März 1925 starb Sun Yat-sen, was zu einer Änderung der Kräfteverhältnisse in der Guomindang führte. Dennoch wurde Zhou Enlai im Mai 1925 noch zum Politischen Leiter der Militärakademie Huangpu bei Kanton ernannt, während Chiang Kai-shek deren Leiter war. Am 1. Juli 1925 wurde in Guangzhou (Kanton) die Nationalregierung gebildet unter dem damals zum linken Flügel der Guomindang zählenden Ministerpräsidenten Wang Jingwei (1883 – 1944).
Wachsende Spannungen
Im selben Jahr wurde der „Nordfeldzug“ vorbereitet, um China zu einigen und die Regierung der Warlords in Peking abzusetzen. Die Spannungen zwischen den bürgerlichen Teilen der Guomindang und den Kommunisten stiegen – vor allem, weil die Arbeiterbewegung erstarkte, der Allchinesische Gewerkschaftsbund gegründet wurde und die KPCh an Mitgliedern und Einfluss gewann. Mit der Bewegung vom 30. Mai spitzte sich die Lage zu. In Schanghai hatte die von den Briten kontrollierte Polizei das Feuer auf Studenten eröffnet, die gegen die Kolonialmächte demonstrierten. Der Vorfall löste in ganz China Empörung aus und gipfelte in monatelangen Streiks in Kanton.
Damit war die Führung der Einheitsfront durch die Guomindang, also durch die nationale Bourgeoisie, natürlich infrage gestellt. In ihrer Machtstellung bedroht, suchten Teile der Guomindang Anlehnung an die halbfeudalen Großgrundbesitzer und die Kompradorenbourgeoisie. Sie erkoren schließlich Chiang Kai-shek zu ihrem Anführer. Der brauchte aber die Kommunisten noch für den Nordfeldzug, bei dem 100.000 Kämpfer der revolutionären Nationalarmee 700.000 Soldaten der Regierung in Peking gegenüberstanden. Der Feldzug, der von der Sowjetunion auch mit Beratern und materiell unterstützt wurde, begann am 1. Juli 1926.
Spaltung
Während die revolutionäre Nationalarmee in weniger als sechs Monaten halb China in blutigen Schlachten erobert, während Zhou Enlai in Schanghai den bewaffneten Aufstand vorbereitet, während die Bauernbewegung unter Mao Zedong sich in Hunan stürmisch entwickelt, bereitet Chiang Kai-shek die Zerschlagung der KPCh vor. Die Parteiführung versucht noch im Dezember 1926, die drohende Spaltung der Einheitsfront durch Stillhalten zu vermeiden. Sie verpasst dadurch die Gelegenheit, sich gegen die Vorbereitung des offenen Verrats der Guomindang-Führung zu wappnen.
Der siegreiche Vormarsch im Nordfeldzug und die ungestüme Entwicklung der Bauern- und Arbeiterbewegung erschütterten die Herrschaft des Imperialismus in China. Am Abend des 24. März 1927 beschossen Kriegsschiffe Britanniens, der USA, Frankreichs, Japans und Italiens die von der Nordfeldzugsarmee befreite Stadt Nanjing. Dabei wurden über 2.000 Menschen getötet oder verwundet. Dies war ein Zeichen dafür, dass die Imperialisten die chinesische Revolution mit Waffengewalt zu verhindern suchten. Sie wählten Chiang Kai-shek als ihren neuen Agenten.
Im befreiten Schanghai schlug Chiang Kai-shek am 12. April 1927 gegen die Aufständischen los – viele Kommunisten wurden ermordet. In Nanjing errichtete er seine „Nationalregierung“. Dies bedeutete nicht nur Unterdrückung der Kommunisten, sondern auch Spaltung der Guomindang und ihres in Wuhan regierenden Flügels unter Wang Jingwei. Gegen den Widerstand Mao Zedongs setzte die KP-Führung auf die Fortsetzung der Einheitsfront, bis im Juli 1927 derselbe Wang offen erklärte: „Lieber 1.000 Menschen irrtümlich töten, als einen Kommunisten entkommen lassen.“
Neue Strategie
Auf der Geheimkonferenz vom 18. Juli 1927 bei Nanchang (Provinz Jiangxi) treffen Zhu De, Zhou Enlai und Mao Zedong erstmals zusammen. Es wird beschlossen: Fortsetzung des antiimperialistischen und antimilitaristischen Kampfes, Kampf gegen Nanjing, Kampf gegen Chiang Kai-shek. Beginnt die Agrarrevolution! Bewaffnet das Volk! Während Mao Zedong über Wuhan nach Hunan ziehen soll, richtet sich der direkte Angriff auf Nanchang.
Am 1. August 1927 begannen über 20.000 Mann der Nordfeldzugsarmee unter der Führung von Zhou Enlai und Zhu De den Aufstand. Nach etwa fünf Stunden harter Kämpfe hatten sie die Garnisonstruppen der Guomindang besiegt und nahmen die Stadt ein. Anschließend marschierten sie südwärts, um Guangdong einzunehmen und das revolutionäre Stützpunktgebiet dort wieder aufzubauen. Dabei wurden die Aufständischen allerdings von überlegenen Truppen zurückgeschlagen und mussten sich nach Hunan zurückziehen. Kurz darauf wählte die Partei eine neue Führung. Sie beschloss, während der Herbsterntezeit Aufstände in Hunan, Hubei, Jiangxi und Guangdong zu beginnen. Dazu wurden auch Schritte zur Agrarrevolution beschlossen.
Die Kommune von Guangzhou (Kanton) im Dezember war ein letzter Höhepunkt dieser Phase des Befreiungskampfs des chinesischen Volkes, dieses ersten revolutionären Bürgerkriegs. Die Niederlage bestätigte, dass in China die Revolution nicht – wie 1917 in Russland – von den Städten ausgehen würde, sondern die Städte von den Dörfern her umzingelt werden mussten.
Damit beginnt der zweite revolutionäre Bürgerkrieg, der bis 1937 dauern sollte. Diese Etappe ist dadurch gekennzeichnet, dass die nationale Bourgeoisie, politisch organisiert vor allem in der Guomindang, ins Lager der Kompradoren und der halbfeudalen Großgrundbesitzer übergeht, der Stützen der imperialistischen Mächte, die China unter sich aufteilen wollen.
Nachdem die drei „Einkreisungs- und Ausrottungsfeldzüge“ der Guomindang von der Roten Arbeiter-und-Bauern-Armee zurückgeschlagen worden waren, verfügten die revolutionären Stützpunktgebiete ganz Chinas über mehr als 300 Kreise, in denen man bereits die Volksmacht mit ihren Organen errichtet hatte. Am 7. November 1931 berief die KPCh den Ersten Nationalen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenkongress in Ruijin, Provinz Jiangxi, ein. Hier wurde die zentrale Demokratische Arbeiter- und Bauernregierung mit Mao Zedong als Vorsitzendem und Zhu De als Oberkommandierendem der Roten Armee gebildet. Ruijin wurde zur Hauptstadt des Roten China bestimmt.
Ende 1934 startete die Guomindang einen erneuten Vernichtungsfeldzug. Aus den vorherigen Niederlagen hatte Chiang Kai-shek gelernt und so drohte den chinesischen Sowjetgebieten die Umzingelung. Die Kommunisten waren zum Rückzug gezwungen. Nach verlustreichen Fehlern wurde Mao Zedong auf der Konferenz von Zunyi im Januar 1935 mit Zhu Des Unterstützung als Parteivorsitzender durchgesetzt. Unter seiner Führung gelang der Durchbruch der Einkesselung, bekannt als der Lange Marsch.
Zurück zur Einheitsfront
Auch die japanische Besetzung der Mandschurei und die dortigen Massaker an Chinesen hielten Chiang Kai-shek nicht davon ab, den Hauptfeind in den Kommunisten zu sehen. Seine unterwürfige Haltung gegenüber den Japanern stieß nicht nur im Volk auf Widerstand, sondern vermehrt auch in der Führung der Guomindang. Im Dezember 1936 meuterten zwei Generäle in Xi’an und nahmen ihn gefangen. Als bevollmächtigter Vertreter des Zentralkomitees der KPCh verhandelte Zhou Enlai mit Chiang Kai-shek und zwang ihn, den Vorschlag der KPCh zum Kampf gegen die japanische Aggression anzunehmen. Das war auch die Probe auf die Ernsthaftigkeit der „antiimperialistischen Einheitsfront“, wie sie Georgi Dimitroff auf dem VII. Weltkongress der Komintern 1935 proklamiert hatte. Das war gerade noch rechtzeitig. Im Juli 1937 begann Japan seinen mit unvorstellbarer Grausamkeit geführten Eroberungsfeldzug in China. Der Bürgerkrieg hatte die chinesische Seite geschwächt und so konnten die Japaner anfänglich in weite Gebiete Chinas vordringen.
Bruch und Sieg
Auch wenn es immer wieder zu blutigen Zwischenfällen kam, konnten die Invasoren gestoppt werden. Gerade die Rote Armee mit ihrer Guerillataktik konnte der japanischen Armee empfindliche Verluste zufügen und gleichzeitig eigene minimieren. Zugleich gelang es ihr, durch ihre Agrarpolitik ihre Position unter der ländlichen Bevölkerung zu stärken. Chiang Kai-shek neigte nach Pearl Harbor 1941 vorübergehend zu Japan hin, schlug sich nach der Wende im Krieg 1942/43 (Midway und Stalingrad) aber auf die Seite der USA.

Nach dem Sieg über die japanischen Invasoren konnte die Einheitsfront noch kurzzeitig aufrechterhalten werden. Doch die Kräfteverhältnisse hatten sich entscheidend verändert. Mit ihrer Agrarpolitik hatte sich die KPCh eine feste Basis auf dem Land geschaffen. Ihre Rote Armee war gestärkt aus den Kämpfen gegen Japan hervorgegangen und mit dem Eingreifen der Sowjetunion gegen Japan in der Mandschurei war ein starker Verbündeter auf den Plan getreten.
Chiang Kai-shek holte mit zunächst weit zahlreicheren und besser gerüsteten Armeen und mit Unterstützung der USA zum Schlag gegen die von den Kommunisten geführten Volkskräfte aus. Im Juli 1946 brach er erneut die Einheitsfront und überfiel die befreiten Gebiete in Nordchina. Doch die Verankerung und Erfahrung der Kommunisten unter Führung von Mao Zedong, Zhou Enlai und Zhu De war zu stark. Innerhalb von drei Jahren befreiten sie das Land. Mit der Ausrufung der Volksrepublik China durch Mao Zedong am 1. Oktober 1949 beginnt eine neue Phase des Aufbaus. Das Jahrhundert der Demütigung wird beendet, der einheitliche Staat mit einer Zentralmacht wiederhergestellt, die Weichen werden in Richtung eigenständiger Entwicklung und nationaler Souveränität gestellt – Voraussetzungen für den sozialistischen Aufbau.
Mao Zedong war (im besten Plechanowschen Sinn) ein „Beginner“! Dass er hervorragende Fortsetzer gefunden hat, spricht für die Lebenskraft seiner Ideen, für die Anpassungsfähigkeit und damit Stärke der von ihm mitbegründeten Kommunistischen Partei und der seit 1949 erweckten chinesischen Nation und spricht für den Riesen, das unbesiegbare chinesische Volk. Sein Aufstehen gegen den Imperialismus und für den Sozialismus ist Ermutigung und Stärkung für unseren eigenen Kampf gegen die heute wieder drohenden Gefahren von Krieg und Faschismus.
Der Text entstand auf Grundlage einer dreiteiligen Reihe in der „Kommunistischen Arbeiterzeitung“ (KAZ) – Ausgaben 395 – 397. Die Reihe kann auf kaz-online.de nachgelesen werden.
Zhou Enlai
Zhou Enlai wuchs in einem großbürgerlichen Elternhaus in der Provinz Jiangsu auf, deren Hauptstadt Nanjing ist. Sein Großvater war hoher Staatsbeamter. Für seine Erziehung verantwortlich war vor allem seine Adoptivmutter Chen, die sehr gebildete Frau seines Onkels Zhou Yigan. Sie weckte früh seine Leidenschaft für Literatur und Kunst. Zhou Enlai besuchte eine vom US-amerikanischen Erziehungsmodell inspirierte Mittelschule und schloss die Schule mit hervorragenden Ergebnissen ab.
Er studierte zwei Jahre in Japan. Das Land, das damals von vielen Chinesen als Vorbild in ökonomischer, politischer und kultureller Hinsicht gesehen wurde, missfiel ihm. Besonders verhasst waren ihm das elitäre Standesdenken und der Militarismus. In Japan lernte er aber auch den Marxismus näher kennen, begann, den chinesischen Marxisten Chen Duxiu zu lesen, und erlebte mit Begeisterung die russischen Revolutionen des Jahres 1917.
Zurückgekehrt 1919, unterstützte er in Tianjin die „Bewegung 4. Mai“. Er gründete die „Awakening Society“, die aufräumen wollte „mit allem, was mit dem Fortschritt in der heutigen Zeit unvereinbar ist, wie Militarismus, Bourgeoisie, Parteifunktionäre, Bürokraten, Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, verhärtete Ideen, überholte Moralvorstellungen und alte Ethik“. In diesem Zirkel lernte Zhou Enlai seine spätere Frau Deng Yingchao (1904 – 1992) kennen. Sie wird führende Genossin der patriotischen und kommunistischen Frauenbewegung in China, war Kämpferin auf dem Langen Marsch, Mitglied des Politbüros der KPCh und Vorsitzende des Frauenverbands.
Zhou Enlai wurde in den Kämpfen des Jahres 1920 das erste Mal verhaftet und für sechs Monate eingesperrt. Von der Universität in Tianjin ausgestoßen, entschied er sich, ein Werkstudium in Frankreich zu beginnen. Ab März 1922 ist er in Berlin, bereits als Mitglied der KPCh und ihrer Organisation in Westeuropa. Zu seinen Tätigkeiten gehört der Kontakt zur in Moskau neugegründeten Universität der Werktätigen des Ostens und der Aufbau der Guomindang in Europa.
Im Spätsommer 1924 kehrt Zhou Enlai nach China zurück. Mit Zhu De und Mao Zedong ist er ab da für mehr als 20 Jahre im bewaffneten Kampf.
In höchsten Parteifunktionen und als Ministerpräsident der VR China wird er zum weltweit anerkannten Fürsprecher der um ihre Befreiung kämpfenden Völker und der um Unabhängigkeit vom Imperialismus ringenden Nationen, zum Mittler zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung und zum Vermittler bei gegensätzlichen Interessen.
Mao Zedong
Mao Zedong wurde am 26. Dezember 1893 in eine Bauernfamilie geboren. Sein Geburtsort ist Shaoshan in der Provinz Hunan. Sein Vater war ein hart arbeitender Bauer, der zu bescheidenem Wohlstand gekommen war. Er war streng und schlug seine drei Söhne und die Adoptivtochter. Mao Zedong „lernte ihn hassen“. Die Mutter, die er stets in Ehren hielt, war Buddhistin. Seine beiden jüngeren Brüder Zetan und Zemin und die Adoptivschwester Zejian wurden in späteren Jahren Aktivisten der KPCh; sie gerieten in den Kämpfen unter unterschiedlichen Umständen in die Fänge der Guomindang und wurden ermordet (Zejian 1929, Zetan 1935, Zemin 1943). Mit 13 Jahren wurde Mao Zedong zwangsverheiratet. Er war noch dreimal verheiratet. Mit seiner zweiten Frau Yang Kaihui, Tochter seines verehrten Lehrers Yang Changji, hatte er drei Söhne. Yang Kaihui wurde als kommunistische Aktivistin – Mitglied der KPCh bereits seit 1922 – von der Guomindang im Jahr 1930 exekutiert. Mao Zedongs ältester Sohn Anying (* 1922), der in Moskau studieren konnte, absolvierte die W.-I.-Lenin-Militärpolitische Akademie und die Frunse-Akademie. Er hatte als junger Offizier der Roten Armee 1945 an der Schlacht um Berlin und dann an der Befreiung der Mandschurei durch sowjetische Truppen teilgenommen. Anying fiel 1950 im Koreakrieg als chinesischer Kriegsfreiwilliger einem Napalm-Angriff der US Army zum Opfer. Mit He Zizhen (1910 – 1984) war Mao Zedong seit 1928 zusammen. Sie wurde während des Langen Marschs mehrfach schwer verwundet. Mit ihr hatte Mao Zedong sechs Kinder, von denen nur die Tochter Li Min (* 1936) überlebte. Nach der Scheidung von He Zizhen war er seit 1938 mit Jiang Qing (1914 – 1991) verheiratet und hatte mit ihr die Tochter Li Na (* 1940). Sie ist seit 2003 Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes, dem Organ der Antiimperialistischen Einheitsfront in China.
Unvergessen sind die besonderen Leistungen Mao Zedongs:
Von großer Bedeutung ist sein philosophisches Werk, wie es in den Schriften „Über den Widerspruch“ und „Über die Praxis“ niedergelegt ist und das von solchen Persönlichkeiten wie Bertolt Brecht oder dem großen marxistischen Philosophen Hans Heinz Holz gewürdigt wurde – besonders das Herausarbeiten der Allgemeinheit und der Besonderheit des Widerspruchs sowie der Haupt- und Nebenwidersprüche mit der Hauptseite des Widerspruchs und der Möglichkeiten des Platzwechsels im Widerspruch. Dort sind Grundlagen gelegt für das Herangehen an Fragen der Bündnispolitik – etwa hinsichtlich des Verhältnisses von Einheit und Kampf in der Zusammenarbeit auf der Grundlage der Klassenanalyse/des Klassenkampfs auch in den neuen Staatsformen der Neuen Demokratie, der demokratischen Diktatur des Volkes. Darin wie auch in der Schrift „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volk“ findet sich eine der wenigen marxistischen Kritiken an Josef Stalin. Hilfreich auch solche Erkenntnisse wie: Die Krankheit bekämpfen, um den Patienten zu retten! Von negativen Lehrern lernen! Das Neue nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung begreifen! Bei Lösung von Problemen nicht auf das Kopieren alter Rezepte vertrauen, sondern sie mit Mut zum Experiment auch in der Machtfrage und der Eigentumsfrage angehen!
Zhu De
Zur Welt kam Zhu De am 1. Dezember 1886 in Hung im südwestchinesischen Sichuan. Er starb am 6. Juli 1976.
Als Sohn armer Bauern in einer Familie mit 15 Kindern geboren, erhielt Zhu De durch einen wohlhabenden Onkel die Möglichkeit zu einer höheren Schulbildung, die ihm den Zugang zu einer militärischen Karriere im kaiserlichen China eröffnete. 1911 im Rang eines Leutnants, schließt sich Zhu De in der bürgerlich-demokratischen Revolution den revolutionären Kräften an, welche die kaiserlichen Truppen in Sichuan zerschlagen. Er wird Regimentskommandeur und schließlich Chef einer Brigade im Rang eines Generals. 1916 wird Zhu opiumsüchtig und gerät in das Milieu der Warlords, die versuchen, China unter sich aufzuteilen. Enttäuscht von der Entwicklung Chinas nach dem Ersten Weltkrieg nimmt er seinen Abschied von der Armee. Es festigt sich sein Entschluss, nach Auswegen zu suchen und in Europa zu studieren und neue Möglichkeiten kennenzulernen. Er macht einen kalten Opium-Entzug.
Zhu De lernt Sun Yat-sen persönlich kennen, will aber bereits mehr. Er will Mitglied der 1921 gegründeten KPCh werden, wird jedoch von Chen Duxiu, einem der Parteigründer, aufgrund seiner Vergangenheit abgewiesen und vertröstet. Im September 1922 reist er nach Marseille. Von dort führt ihn sein Weg nach Berlin, wo er bald Zhou Enlai kennenlernt, der dort bereits eine Gruppe der KPCh anleitet.
Unter strenger Geheimhaltung wird er 1923 als Kandidat in die Partei aufgenommen. Er nimmt an Schulungen teil – und er wird Beethoven-Verehrer. Aus Deutschland reist er in die Sowjetunion und studiert an der Universität der Werktätigen des Ostens in Moskau.
Im Juli 1926 ist Zhu De wieder in Shanghai. In den Jahren bis 1949 ist er mit Mao Zedong zusammen der militärische Führer im Guerillakrieg gegen Chiang Kai-shek, in Befreiungskrieg gegen das imperialistische Japan und schließlich in den großen Feldzügen des Bürgerkriegs. Er wird nach 1949 Marschall und schließlich Staatsoberhaupt der VR China.








