Warnung des Weltklimarats verpufft

Geschenk für die Autolobby

Von Tina Sanders

In der vergangenen Woche hat der Weltklimarat der Vereinten Nationen eindringlich zum Handeln aufgefordert, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Damit wäre das Leben auf der Erde auch in den nächsten Jahren noch einigermaßen erträglich – zumindest in Europa und Nordamerika. Der Weltklimarat ist der Meinung, das Ziel sei noch zu schaffen, wenn sich „alle“ anstrengen. Bis 2020 müssten demnach 40 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden, bis 2050 dürfe es keine zusätzlichen CO2-Emissionen mehr geben.

Gleichzeitig wird in der EU die Umsetzung dieser Richtlinie für Neuwagen diskutiert. Dank Bundesregierung und Autolobby á la VW und Daimler wurde die angestrebte Reduzierung auf 40-Prozent-CO2-Austoß kassiert und auf eine Reduzierung von 35 Prozent festgeschrieben. Die Autohersteller wollten sich sogar nur auf 30 Prozent einlassen.

So wird die Entwicklung im Elektroautobereich gepusht. Es wird aber kein Wort darüber verloren, dass sich auch Autos mit geringem Verbrauch bauen lassen, dass die sogenannten SUV, Gelände- und Sportwagen verboten werden könnten. Seit Jahren steigt der Absatz der Spritschlucker, während die lang diskutierten Drei-Liter-Autos aus dem Bewusstsein verschwinden. Sie haben angeblich keine Käufergruppe.

Die Strategie der Autoherstellerlobby geht auch in eine andere Richtung, ihre Orientierung für die Autofahrer sieht folgendermaßen aus: Verkauft eure alten Diesel – am besten nach Afrika – und kauft euch Elektroautos – auch wenn deren Technologie noch nicht ausgereift ist. Dann wird alles gut: CO2 wird eingespart, während Millionenprofite in die Kassen von Daimler, BMW und VW gespült werden. Wie der Strom erzeugt wird, wo und wie die Akkus entsorgt werden, interessiert nicht.

Doch zunächst hat die Bundesregierung nochmal 5 Prozent CO2 für die Autolobby herausgeholt. Dass das sehr wahrscheinlich eine Klimaerwärmung von mehr als 2 Grad bedeutet, fällt unter den Tisch. Selbst Professor Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Mitglied des Weltklimarats sieht die Verantwortung nicht bei den Konzernen. Er ist davon überzeugt, dass der Klimawandel verhindert werden kann, wenn alle Menschen ihre individuellen Verhaltensweisen verändern. Wenn alle weniger Auto führen, weniger in den Urlaub flögen, weniger Fleisch äßen. Allein dadurch ließe sich die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen. Frei nach dem Motto: Soll doch die Arbeiterklasse weniger in den Urlaub fahren. So teure Mitarbeiter wie bei VW oder Daimler können wir uns im Kampf gegen die Klimawandel eh nicht leisten.

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"Geschenk für die Autolobby", UZ vom 19. Oktober 2018



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