Extreme Rechte von „Zentrum Automobil“ denunzieren Gewerkschafter

Hetze im Betrieb

Von Christa Hourani

Seit Wochen betreibt die Zentrums-Fraktion – eine Liste der extremen Rechten, die bei Daimler im Werk Untertürkheim mit sechs Sitzen im Betriebsrat vertreten ist – mit Videos und Flugblättern eine neue skandalöse Hetzkampagne gegen die IG Metall, gegen einzelne Betriebsräte und Vertrauensleute. Im Zusammenhang mit zwei Kündigungsfällen werden einzelne IGM-Betriebsräte namentlich denunziert und die komplette IG Metall mit ihren über 600 Vertrauensleuten im Werk Untertürkheim der Korruption bezichtigt. So schreibt Zentrum Automobil: „Die Vertrauensleute sind unantastbar, völlig unkontrolliert. Sie sind die politischen Fußtruppen eines durch und durch korrupten Systems.“

Im vergangenen Jahr wurde zwei Beschäftigten von Daimler gekündigt, weil sie zuvor über mehrere Monate einem Arbeitskollegen mit türkischem Migrationshintergrund „WhatsApp“-Nachrichten und Videobotschaften mit eindeutig rassistischem und fremdenfeindlichem Inhalt zugeschickt hatten. Darunter waren auch zahlreiche Nachrichten mit nach Strafgesetzbuch eindeutig verbotenen Nazi-Symbolen. Irgendwann wurde dieses Verhalten für den Kollegen unerträglich. Als persönliche Beleidigungen hinzukamen – auch gegen seine Familie – hat der Kollege sich an seinen Vorgesetzten gewandt. Dieser hatte dann eine entsprechende Untersuchung eingeleitet und die Personalabteilung informiert. Im Juni 2018 schließlich kündigte Daimler den zwei Beschäftigten fristlos.

Da es sich bei dem türkischen Kollegen um einen IG-Metall-Vertrauensmann handelt, wird wieder einmal eine für Zentrum Automobil typische Legende gestrickt: Der türkische Vertrauensmann wird in Publikationen von Zentrum Automobil durch Verdrehung der Tatsachen vom Opfer zum Täter gemacht und die Täter zu Opfern erklärt. Von legalisierter Korruption im Unternehmen und mafiösen Strukturen der IG Metall ist da die Rede. Die Vorwürfe gegen die zwei Gekündigten werden als völlig absurd bezeichnet, die rassistischen Äußerungen verharmlost. Nur zwei Beispiele, worum es sich bei den verschickten Nachrichten handelt: Ein Bild mit einem Soldaten an der Schnellfeuerwaffe – dazu der Text: „Das schnellste deutsche Asylverfahren lehnt bis zu 2 400 Anträge in der Minute ab.“ Eine Bilderreihe zu „Wir bauen einen Muslim – Hirn raus, Scheiße rein, Verband drauf, Frei lassen.“ Also ganz klare rassistische Inhalte, die eine Kündigung rechtfertigen. So hatte es auch das Arbeitsgericht Stuttgart gesehen und die Klage der beiden Gekündigten gegen die Kündigung abgewiesen.

Die Kollegen der „Alternative“, einer linken Betriebszeitung bei Daimler Untertürkheim, schreiben in ihrer letzten Ausgabe folgendes zu diesen Vorfällen:

„Daimler UT ist ein Betrieb mit Beschäftigten aus vielen unterschiedlichen Nationen mit unterschiedlichen Kulturen, Lebensauffassungen und religiösen Ausrichtungen. Diese große Vielfalt war über viele Jahrzehnte von einem fairen, toleranten und friedlichen Miteinander geprägt. Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus dürfen bei uns keinen Platz haben. Die gesellschaftlichen Spannungsfelder sind uns durchaus bewusst. Umso mehr müssen wir allen Tendenzen, dieses Miteinander aufzukündigen, entschieden entgegen treten. Bitte helft alle mit, dass wir auch weiterhin gemeinsam stolz sein können, in einem multikulturellen Betrieb zu arbeiten.“

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"Hetze im Betrieb", UZ vom 2. August 2019



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