In Gedenken an Willi Hoffmeister

Die Nachricht verbreitete sich in sogenannten sozialen Medien wie ein Lauffeuer: Willi Hoffmeister lebt nicht mehr. Der Friedensaktivist, Gewerkschafter, Antifaschist und Kommunist verstarb am Dienstag im Alter von 88 Jahren in Dortmund. Erst am vergangenen Freitag hatte der überzeugte Gegner von Militarisierung und Krieg das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten und war damit selbst von „offizieller Seite“ für sein lebenslanges politisches Engagement gewürdigt worden.

Der 1933 geborene Willi Hoffmeister wurde während seiner Kindheit von den Verbrechen der Nazibarbarei geprägt. Für ihn gehörten der Kampf für Frieden und Antifaschismus untrennbar zusammen. Solange es seine Gesundheit zuließ, nahm der Gewerkschafter an Protesten, Demonstrationen und Mahnwachen teil. Er engagierte sich gegen die in Büchel stationierten US-Atomwaffen, die Dortmunder Neonaziszene, Aufrüstung und Krieg und warb für Frieden mit Russland.

Vor allem aber der Ostermarsch Rhein Ruhr blieb stets seine Herzenssache. 1961 fand der erste Ostermarsch Ruhr von Duisburg nach Dortmund statt. Willi nahm daran teil und blieb ihm bis zuletzt treu. Wie auch in den Folgejahren bis er 1971 selbst einer der maßgeblichen Organisatoren des traditionellen Friedensmarsches wurde. Auch seiner Gewerkschaft, der IG Metall, blieb er bis zu seinem Lebensende treu und engagierte sich in deren Vertreterversammlung sowie im Dortmunder Bündnis gegen Rechts und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA).

Willi Hoffmeister war ein Mensch und Genosse, der nicht nur bei Linken aller Couleur ein überdurchschnittlich hohes Ansehen besaß. Das zeigte zuletzt die lange Liste der Gratulantinnen und Gratulanten anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Sie reichte von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, Mitgliedern seiner Partei – der DKP -, Aktivistinnen und Aktivisten aus Antifa-Gruppen und Initiativen der Friedensbewegung. Auch Klima- und Umweltschützer schätzen Hoffmeister. Warb dieser doch dafür die soziale Frage mit den notwendigen Korrekturen in der Umwelt- und Klimapolitik zusammen zu denken. Ihnen allen, uns allen, wird Willi nun schmerzlich fehlen. Als Freund, Ratgeber und Genosse mit Herz. Als Mann der leisen Töne. Einem der zusammenführen und nicht spalten wollte – und der wie kaum ein anderer von einer bemerkenswerten Geduld, Nachsichtigkeit, Güte und Freundlichkeit geprägt war. Die Lücke, die er hinterlässt wird nur schwer zu schließen sein.

Wir werden Willi stets in guter Erinnerung behalten und sein politisches Vermächtnis im Kampf für den Frieden und gegen alte und neue Nazis in seinem Sinne fortsetzen.

In der Ausgabe vom 6. August erschien eine ganze Seite über Willi.

Über den Autor

Markus Bernhardt (Jahrgang 1977) ist freier Journalist und Autor sowie studierter Sozialarbeiter. Er arbeitet für verschiedene Printmedien, unter anderem für die Tageszeitung „junge Welt“. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Themen Innen-, Gesundheits-  und Gleichstellungspolitik sowie Antifaschismus.

2012 veröffentlichte er das Buch „Das braune Netz: Naziterror – Hintergründe, Verharmloser, Förderer“ über das faschistische Terrornetzwerk „NSU“ im PapyRossa Verlag Köln.



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