Kuba feiert den 70. Jahrestag des Auftakts der Revolution

„Jeden Tag eine Moncada“

Der Moncada-Angriff vom 26. Juli 1953 war der Auftakt für eine Erhebung, deren Sieg fünf Jahre später dazu führte, dass Kuba zum ersten Mal seit Beginn der spanischen Kolonialherrschaft und der darauf folgenden Abhängigkeit von den USA unabhängig und souverän wurde. Heute sei die militärisch zunächst gescheiterte Aktion, die letztlich aber den Beginn der entscheidenden Etappe revolutionärer Veränderungen markierte, eine Ermutigung und ein Beispiel dafür, dass Rückschläge in Siege verwandelt werden könnten, sagte Präsident Miguel Díaz-Canel vor 10.000 Teilnehmern und Gästen aus 26 Nationen während des zentralen Festakts am Ort des damaligen Aufstands in Santiago de Cuba. Dem Hinweis folgte eine Aufforderung: Solange die US-Regierung daran festhalte, das kubanische Volk „mit ihrer völkerrechtswidrigen Blockade zu erdrosseln und versucht, uns daran zu hindern, den Wohlstand erreichen, den wir alle brauchen, werden wir jeden Tag, jede Stunde, jede Minute eine Moncada zu stürmen haben“, stellte der Staatschef eine Verbindung zu den aktuellen Schwierigkeiten seines Landes her.

Dann wurde er konkret. Die wie in anderen Teilen der Welt auch in Kuba viel zu hohe Inflation, gestiegene Preise nicht nur für importierte Waren und Nahrungsmittel, ein zu geringes Angebot und ein insgesamt komplexer wirtschaftlicher Kontext seien schwierige Herausforderungen, „die wir bewältigen müssen, um das Maß an sozialer Gerechtigkeit zu erreichen und zu bewahren, für das wir eintreten“, warnte er am Moncada-Jahrestag, der seit dem Sieg der jungen Rebellen über den US-freundlichen Diktator Fulgencio Batista in Kuba als „Tag der Nationalen Rebellion“ begangen wird. Die Geschichte handele von einer Zeit, in der jene jungen Leute sie verändert hätten, sagte Díaz-Canel. „Jetzt, 70 Jahre später, haben wir eine Kaserne betreten, die in eine Schule umgewandelt wurde“, so wie es die jugendlichen Rebellen gefordert hätten, als sie dafür kämpften, dass mehr staatliche Ressourcen in Bildung und Gesundheit statt in Waffen, Militär und Kasernen investiert würden. Er fügte hinzu, nun bestehe die Verantwortung der heutigen jungen Generation darin, „das Erkämpfte zu bewahren und weiter voranzuschreiten“. Der Sozialismus, erklärte Díaz-Canel, der auch Erster Sekretär des ZK der KP Kubas ist, sei für Kuba der einzige Weg, „eine sozial gerechtere Gesellschaft für alle“ zu erreichen. Deshalb, sagte er weiter, „sind wir ein Volk, das seine Revolution und den Sozialismus verteidigt“.

Genau dies sei den imperialistischen Gegnern eines unabhängigen und souveränen Kubas aber ein Dorn im Auge, warnte Díaz-Canel. Als aktuelles Beispiel nannte er fünf aggressive Maßnahmen, mit denen die US-Regierung versuche, das kubanische Volk auf die Knie zu zwingen. Konkret verwies er auf die Aufnahme des Landes in eine US-Liste von angeblichen staatlichen Sponsoren des Terrorismus, die Anwendung von Titel III des Helms-Burton-Gesetzes, mit dem die extraterritoriale Anwendung der Blockade verschärft wird, die Verfolgung der Brennstofflieferanten und Schiffseigner, die Kuba mit Treibstoff versorgen, die Verfolgung und Dämonisierung der medizinischen Dienstleistungen, die die Insel anderen Nationen zur Verfügung stellt, sowie eine Reihe von schikanösen Maßnahmen gegen den Tourismus, einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. All diese Maßnahmen, unter denen die Bevölkerung seit vielen Jahren leide, sollten der kubanischen Wirtschaft schaden und den Sozialismus diskreditieren.

Während der Moncada-Feiern auf der Insel und in zahlreichen anderen Ländern zeigte sich jedoch auch, dass Kuba nicht allein ist. Die Feierlichkeiten in aller Welt seien von der optimistischen Gewissheit geprägt gewesen, dass ein „kreativer Widerstand“ gegen die Auswirkungen der US-Blockade möglich sei, kommentierte Außenminister Bruno Rodríguez am vergangenen Sonntag auf Twitter. KP-Vorsitzender Díaz-Canel teilte den Optimismus. Ihre Sanktionen und die Feindseligkeit gegen andere Völker würden die USA zunehmend in der Welt isolieren, während Kuba von solidarischen Freunden in vielen Ländern unterstützt werde, erklärte er. „Wenn man die Solidaritätsbekundungen betrachtet, die unser Volk aus allen Teilen der Welt erhält, können wir uns glücklich schätzen, dass unsere Arbeit, unser Weg und unser Engagement von Bedeutung sind und internationale Anerkennung finden.“

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"„Jeden Tag eine Moncada“", UZ vom 4. August 2023



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