„The People‘s Fighters“ thematisiert das kubanische Boxen

Kämpfer aus dem Volk

Nur die Vereinigten Staaten haben mehr olympische Boxmedaillen (114) gewonnen als Kuba (73). Beeindruckend, denn die kubanische Bevölkerung liegt unter 12 Millionen Menschen. Noch beeindruckender ist es, wenn berücksichtigt wird, dass Kuba überhaupt erst seit der sozialistischen Revolution an olympischen Boxwettbewerben teilnimmt, während die USA bei den Olympischen Spielen 1960 bereits an neun Olympischen Spielen teilgenommen hatten.

Der „Olympic Channel“ veröffentlicht in der Reihe „Five Rings Films“ seit einigen Jahren Sportdokumentationen, „The People‘s Fighters“ stammt aus dem Jahr 2018 und ist der zweite Film dieser Reihe. Regisseur Peter Berg und Mike Tollin produzierten die Dokumentation gemeinsam mit Frank Marshall („Jurassic World“). Berg, Tollin und Marshall erzählen mithilfe von Interviews mit Legenden des kubanischen Boxsports und anhand von Archivmaterial die Geschichte von Teófilo Stevenson und vom kubanischen Sportsystem, das vor allem im Boxsport seit 50 Jahren so erfolgreich ist.

Teófilo Stevenson, der 1972, 1976 und 1980 die Goldmedaille im Schwergewicht gewann, ist einer von nur drei Männern, die diese Leistung vollbracht haben. Es hätten vier Goldmedaillen sein können, aber Kuba nahm als Antwort auf den US-Boykott der Spiele in Moskau nicht an den Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles teil.

Die besondere Stärke dieser Dokumentation liegt darin, dass kubanische Boxer selbst zu Wort kommen. So sitzen zu Beginn und zum Ende von „The People‘s Fighters“ Armando Martinez und José Gomez (Goldmedaillengewinner in Moskau 1980), Jorge Hernandez (Goldmedaillengewinner in Montreal 1976), Rolando Garbey (Medaillengewinner 1968 und 1976) und Emilio Correa (Goldmedaillengewinner in München 1972) in Havanna am Meer, spielen Domino und reden über Stevenson, das kubanische Boxen, den Sozialismus und auch über jene, die Kuba verlassen haben, um mit ihrem in Kuba erworbenen Können das große Geld in den USA zu machen. In Kuba hätten sie als Olympiasieger zur Belohnung vom Staat ein „Wrack“ Marke Lada als Auto und eine Wohnung bekommen, in denen ihnen die Decke buchstäblich auf den Kopf fällt. Sie beklagen sich sehr kubanisch über die Zustände und heben gleichzeitig die Vorteile hervor, die sie gegenüber Profi-Boxern im Kapitalismus haben. Wenn man sich in den USA als Profi verletze, dann sei die Karriere vorbei, sagt Julio Cesar La Cruz, Olympiasieger in Rio 2016. In Kuba passiere das nicht.

Die Dokumentation thematisiert, mit welchen Methoden und welcher Aggressivität versucht wurde und wird, kubanischer Boxer dazu zu bewegen, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren und welche Konsequenzen diejenigen erwarten, die der Versuchung des Geldes erliegen. Interessant ist, wie kubanische Boxer heute darauf reagieren, wenn sie nach denen gefragt werden, die sich haben kaufen lassen: Die Antworten reichen von „In jedem Krieg gibt es Verräter“ über „So ist das Leben“ bis hin zu Verständnis für diese schwerwiegende Entscheidung.

Die Dokumentation ist gut gemacht. Noch besser wäre sie gewesen, wenn sie beispielhaft auch die Geschichte derer erzählen würde, die durch Verletzungen oder mangelnden Erfolg von ihren Anwerbern schnell wieder fallen gelassen wurden. Von ihnen gibt es einige.

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"Kämpfer aus dem Volk", UZ vom 7. August 2020



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