Arbeitszeitverkürzung in China

Keine Mehr­belastung

Von lmö

Konkrete Beschäftigungsziele gibt es keine, aber der Binnenkonsum soll angekurbelt werden, so die Begründung des Chinesischen Staatsrates in einem Rundschreiben aus dem August letzten Jahres, dass die Verkürzung der Arbeitswoche auf viereinhalb Tage empfiehlt.

Als Pilotprojekt haben nun die Städte Jinzhong (Provinz Shanxi) und Jian (Provinz Jiangxi) angefangen, dieses Vorhaben umzusetzen, nachdem im letzten Jahr bereits die Millionenstadt Shangrao (Provinz Jianxi) und der Kreis Ningxiang (Teil der Provinzhauptstadt Changsha, Hunan) die Umsetzung bekanntgegeben hatten.

Für den Öffentlichen Dienst dieser Städte bedeutet das Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich und – geht es nach den Vorgaben des Staatsrates – ohne höhere Arbeitsbelastung während der Arbeitszeit. Da auch der Service der öffentlichen Stellen nicht eingeschränkt werden darf, lässt das Projekt nur einen Schluss zu: es muss eingestellt werden.

Das wäre in der Kohleregion Shanxi auch dringend notwendig. Der geplante Abbau von Arbeitsplätzen in der Kohleindustrie wird von der chinesischen Regierung mit 1,3 Millionen  landesweit beziffert, hinzu kommen noch einmal 500 000 Stellen, die in der Stahlindustrie abgebaut werden sollen. Für Umschulungen und die Vermittlung in andere Bereiche sollen zwar 15,4 Mrd. US-Dollar bereitgestellt worden sein, da sich das Wirtschaftswachstum in China in den letzten Jahren nach und nach verringert hat, wird die Schaffung von Arbeitsplätzen im öffentlichen Sektor gerade dort eine große Bedeutung haben, wo „alte“ Industriezweige bisher dominierten.

Die Lokalregierung der häufig als größte Stadt der Welt bezeichneten Metropolregion Chongqing hatte zuvor bereits private Unternehmen angewiesen, eine Ausweitung des Wochenendes für ihre Beschäftigten um einen halben Tag vorzunehmen. Bisher scheint diesen Maßnahmen aber Freiwilligkeit zugrunde zu liegen, Berichte über Sanktionen im Falle, dass die Viereinhalbtagewoche nicht umgesetzt wird, sind nicht bekannt.

Neben Chongqing, Jinzhong und Jian sind auf Provinzebene in Hebei, Jiangxi, Gansu, Liaoning, Anhui, Shaanxi und Fujian Vorschläge zur Verkürzung der Arbeitswoche erarbeitet worden, die ebenfalls auf freiwilliger Basis umgesetzt werden sollen.

Erst in den 1990er Jahren wurde die 6-Tage-Arbeitswoche landesweit abgeschafft und die 5-Tage-Woche eingeführt.

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"Keine Mehr­belastung", UZ vom 29. April 2016



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