Konkrete Hinweise

Konkrete Hinweise gibt es laut Bundesregierung nicht. Denkbar seien drohende Angriffe auf Impfzentren, Impfstofftransporte und die Sitze und Produktionsstätten von Impfstoffherstellern aber schon. Deshalb müsse man sich vorbereiten auf eine „abstrakte Gefährdung“. Die „Bild“ brüllte dann auch direkt von der Titelseite nach Bundeswehrschutz für Altenheime. Nur die Frage, von wem die „abstrakte Gefährdung“ denn nun ausgehen soll, beantwortete keiner so genau. Damit es schön unübersichtlich bleibt, veröffentlichte das Innenministerium schon mal einen Rundumschlag: Impfgegner, Corona-Skeptiker, Verschwörungstheoretiker, Cyberangriffe aus wirtschaftlichen und staatlichen Interessen, Spionage und Sabotage durch fremde Geheimdienste und natürlich islamistischer Terror (weil es beim Impfen so schön voll sein wird). Kann man sich also aussuchen, vor wem man Angst hat. Aber Hauptsache, man hat Angst. Dann ist der Widerspruch vielleicht geringer, wenn die Bundeswehr tatsächlich demnächst mit MPs im Anschlag durchs Inland marschiert, um „unseren“ Impfstoff zu schützen. Vor wem auch immer.

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Über den Autor

Melina Deymann, geboren 1979, studierte Theaterwissenschaft und Anglistik und machte im Anschluss eine Ausbildung als Buchhändlerin. Dem Traumberuf machte der Aufstieg eines Online-Monopolisten ein jähes Ende. Der UZ kam es zugute.

Melina Deymann ist seit 2017 bei der Zeitung der DKP tätig, zuerst als Volontärin, heute als Redakteurin für internationale Politik und als Chefin vom Dienst. Ihre Liebe zum Schreiben entdeckte sie bei der Arbeit für die „Position“, dem Magazin der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend.

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"Konkrete Hinweise", UZ vom 29. Januar 2021



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