Zu Bidens Amtseinführung

Mannschaftswechsel

Im Weißen Haus hat die Belegschaft gewechselt. Statt Donald Trump macht nun Joseph Biden den Frontmann. Man könnte auch sagen, ein rassistischer Kriegsverbrecher geht und ein anderer kommt. Biden ist der Mann der US-Kriegsmaschine und von Big Money. Natürlich auch von Big Tech, Big Oil, Big Pharma und den anderen Sektoren des US-Monopolkapitals. Wall Street wollte Biden, hat ihn finanziert und hat ihn bekommen. Soweit Business as usual.

Nicht so ganz nach Plan lief die Amtseinführung des mittlerweile 78-Jährigen. Die gewählten Laufburschen des Großen Geldes lieben es, wenn ihnen das Volk beim Schwur auf die Verfassung zujubelt. Das funktionierte diesmal nicht so richtig. Biden gab sich zwar große Mühe, bei seiner Inaugurationsrede seine Weisheiten in einem pastoral-getragenen Ton abzulesen. Er verkündete zum Beispiel, die Demokratie habe gesiegt. Nun ja, wenn er in diesem Moment von 25.000 Mann Nationalgarde bewacht werden muss und niemand auch nur in die Nähe kommen kann, um ihm zuzuhören, darf man so seine Zweifel haben.

Hart gegen Russland, China, Iran, Venezuela, Syrien, da ist der Joseph Biden ausnahmsweise einmal ehrlich. Die Kriege in Afghanistan, Irak und Syrien werden fortgeführt werden. Ebenso die nuklearen Machtdemonstrationen im Bogen von der Barentssee, der Ostsee, dem Schwarzen Meer, dem Persischen Golf, dem Südchinesischen Meer bis hinauf zum Ochotskischen Meer. Es geht darum, die Mächte der Eurasischen Integration in eine Art Belagerungszustand zu versetzen. Entsprechendes Personal ist berufen worden. Ihre Russland-Paranoia haben die Demokraten ja in den letzten vier Jahren mit „Russia Gate“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gut möglich, dass Berlin, sozusagen als Willkommensgeschenk an „Sleepy-Joe“, das Nord-Stream-2-Projekt cancelt.

Natürlich ist Biden ein Klimakämpfer. In China. Er will, so heißt es, das Keystone-XL-Pipeline-Projekt stoppen. Das schmerzt Kanada. Und dem Pariser Abkommen beitreten. Was faktisch bedeutungslos ist. Seit Kyoto sind die Klima-Gas-Emissionen, trotz aller wohlfeilen Erklärungen, um 40 Prozent gestiegen. Mit einer Unterschrift in Paris sieht das allerdings besser aus. Das Liefern von Fracking-Gas nach Europa als Ersatz für russisches Erdgas ist dann auch so ein Beitrag zum Klimaschutz.

Ach ja, Donald Trump ist erst einmal weg. Ein Konkurrent weniger für die „Dems“. Aber er oder etwas wie er wird wiederkommen. Da darf man sicher sein

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"Mannschaftswechsel", UZ vom 29. Januar 2021



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