Die Frage, die zu normalen Zeiten über das Wohl und Wehe von Regierungen entscheidet, ist recht einfach. Sie lautet: Geht es mir heute besser oder schlechter als vor dem Antritt dieser Regierung? Nach einem Jahr Friedrich Merz beantwortet die Mehrheit des Volkes diese Frage mit „schlechter“. Sie können sich für ihren Lohn, ihre Rente – oder gar ihre Lohnersatzleistung, wenn sie arbeitslos sind – weniger leisten als vor zwölf Monaten. Lebensmittel, Mieten, Energie – alles das ist stärker gestiegen als die Löhne.
Die Mehrheit des Volkes sieht sich einer Regierung gegenüber, die trotz dieser Lage die Taschen der Reichen weiter gefüllt hat. Und sie kann kaum glauben, dass dieses Jahr des sozialen Kahlschlags erst der Anfang sein soll. Der Kanzler kündigt die Kürzung der Renten an, das Kabinett beschließt die Verschlechterung der Gesundheitsversorgung und die Wirtschaftsministerin fordert eine Verlängerung der Wochen- und Lebensarbeitszeit.
Über allem hängt das Damoklesschwert eines dritten Weltkrieges. An dem wird mit dem größten Aufrüstungsprogramm in der Geschichte dieser Bundesrepublik geschmiedet. Kanzler, Außen- und Kriegsminister lassen keine Woche vergehen, ohne dass sie zum Krieg gegen Russland aufstacheln statt Wege der Kooperation mit unseren Nachbarn zu suchen.
Es entsteht der Eindruck, dass die Koalition des Niedergangs und der Kriegsvorbereitung kein zweites Jahr durchhalten wird. Im Volk wächst die Sehnsucht nach einer Alternative. Sie müsste von den arbeitenden Menschen kommen, die den Laden nicht wegen, sondern trotz der Berliner Versagertruppe am Laufen halten. Doch ohne kämpferische Gewerkschaften wird das schwierig.








