Zu Null-Covid in China

Querschreiber

Zwei Großereignisse stehen in China kurz bevor: Das Neujahrsfest, das am 1. Februar beginnt, und die Olympischen Winterspiele, die vom 4. bis zum 20. Februar in Peking stattfinden. Millionen Chinesinnen und Chinesen besuchen anlässlich des wichtigsten chinesischen Feiertages ihre Verwandten; tausende Athletinnen und Athleten sind nach Peking gereist oder werden dies noch tun. In den deutschen Medien erscheinen erste Vorberichte. Vor allem darüber, wie die VR China versucht, eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Behauptet wird, dass die Null-Covid-Strategie kurz vor dem Scheitern sei oder es bereits ist.

Nun ist es so, dass die Volksrepublik bisher erfolgreich eine Ausbreitung von Covid-19 verhindert hat – mit regionalen und zeitlich begrenzten Lockdowns, Massentests und einer umfassenden Impfstrategie. Diese Maßnahmen haben funktioniert, auch weil die Regierung sie konsequent durchzog und kontrollierte. Das Vorgehen ist nicht vergleichbar mit dem ermüdenden Hin und Her der Bundesregierung, die vor allem bemüht ist, dem deutschen Kapital auch bei hohen Infektionszahlen Arbeitskräfte zur Verfügung zu halten.

Teil des bisherigen chinesischen Erfolgs war allerdings, dass Einreisen aus dem Ausland stark beschränkt und kontrolliert wurden. Für die Olympischen Winterspiele wird davon eine Ausnahme gemacht. Zwar werden die Sportlerinnen und Sportler getestet und von der Außenwelt weitestgehend abgeschottet, aber auch chinesische Wissenschaftler wie Wu Zunyou vom „Chinesischen Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention“ gehen davon aus, dass das Virus wieder ins Land getragen werde. Für China ist es tatsächlich ein großes Problem, dass sich das Virus in den meisten anderen Ländern unkontrolliert ausbreiten darf.

Wir dürfen uns also auf hämische Geschichten aus Peking einstellen: Von genervten deutschen Athleten, die ständige Tests und Kontrollen über sich ergehen lassen müssen, und „Erfolgsmeldungen“ – für den Fall, dass es Omikron dennoch schafft, sich zumindest in der olympischen Blase auszubreiten.

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Über den Autor

Lars Mörking (Jahrgang 1977) ist Politikwissenschaftler. Er arbeitete nach seinem Studium in Peking und war dort Mitarbeiter der Zeitschrift „China heute“.

Mörking arbeitet seit 2011 bei der UZ, zunächst als Redakteur für „Wirtschaft & Soziales“, anschließend als Verantwortlicher für „Internationale Politik“ und zuletzt – bis Anfang 2020 – als Chefredakteur.

 

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"Querschreiber", UZ vom 28. Januar 2022



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