Frankreich: Gegendemos und Verbote gegen Pro-Pegida-Aufmärsche

Rassismus mit Tradition

Von Georges Hallermayer

Während in Dresden, Prag, Warschau, Bratislava bis ins australische Canberra am vergangenen Samstag weniger Pegida-Anhänger als ursprünglich erwartet den Rattenfängern hinterherliefen, wollen sie in Frankreich unter dem Ausnahmezustand Flagge zeigen.

In Calais verbot Innenminister Cazeneuve jedoch die Zusammenrottung von „Pegida France“. Die Rassisten bedrohten das Camp von Flüchtlingen, die nach Großbritannien ausreisen wollen, aber daran gehindert werden. Ihr Zugpferd ist General Piquemal, der Kommandant der Fremdenlegion von 1994 bis 1999 und langjähriger Vorsitzenden des Falllschirmjägerverbandes UNP. Mit dem General suchten 800 Teilnehmer die Konfrontation mit der Polizei.

Die Pegida-Gegner mobilisierten in mehreren Städten trotz eines auch gegen sie verhängten Versammlungsverbots unter dem Slogan „Retten wir unser Land“.

Faschistische „Traditionspflege“ wie in Deutschland mit dem Gedenken am Grab von Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess in Wunsiedel findet nun auch in Frankreich ihre Öffentlichkeit. Die „Action Francaise“ (AF) versucht sie salonfähig zu machen. Aber als sich die AF am Samstag, 6. Februar in Roquevaire im Osten von Marseille zusammenrotten wollte, um am Grab des verurteilten Vichy-Kollaborateurs Charles Maurras (1868 bis 1952) ihre Hassparolen loszuwerden, riefen mehrere antifaschistische Assoziationen und Gewerkschaften zu einer Gegendemonstration. Dies nahm wiederum die Präfektur zum Anlass, die Veranstaltung der AF zu verbieten „in Anbetracht der kürzlichen Serie von Aggressionen, der Nähe beider Manifestationen und um die öffentliche Ordnung zu wahren.“

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"Rassismus mit Tradition", UZ vom 12. Februar 2016



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