Zum Tod von Eberhard Panitz

Seine Bücher lesen!

Wiljo Heinen

Am 1. Oktober starb unser Freund und Genosse, der Schriftsteller Eberhard Panitz.
Das Beste an ihm? Seine Ehrlichkeit. Auf die Frage nach einer Lesung, ob seine Geschichten „wahr“ seien, antwortet Eberhard: „Das ist alles so passiert. Nur eben nicht genau so. Es ist alles erst durch meinen Kopf gegangen.“

Nationalpreisträger und ausgezeichnet mit dem Vaterländischen Verdienstorden des sozialistischen Deutschland, wird er von den Bourgeois gerne als „Staatsdichter“ bezeichnet. Er empfand das als Lob und durchaus treffend. Die DDR war „sein“ Staat. Auch nach 1990 konnten ihn Geldtöpfe nicht dazu bringen, anderes zu behaupten.

Er liebte das Leben und also die Menschen. In seinen Romanen, Erzählungen, Drehbüchern leben Menschen mit Leidenschaften, Zielen; Menschen, die irren, auch wenn sie das Gute wollen, auch Menschen, die an eigenen oder fremden Ansprüchen scheitern.

So sind seine Bücher unterhaltsam, sie erreichen ihr Publikum, denn er versteht die Leserinnen. Er weiß, der Sozialismus ist der Weg aus Unterdrückung und Elend, gleichwohl wissend, dass es den einen geraden, dogmatischen Weg dahin nicht gibt, dass das Streben der Menschen nach einem besseren Leben und die Entwicklung des Sozialismus eine dialektische Einheit bilden. Aber: So hätte er das nie gesagt! Eher so wie Manfred Wekwerth zur Aufführung der „Unheiligen Sophia“ im DDR-Fernsehen: „Das Abenteuer ist nicht das Gegenteil der Vernunft, sondern auch ihre Quelle.“

Starke Frauenpersönlichkeiten prägen viele seiner Bücher, „aufmüpfig und erotisch selbstbewusst“ (so Irmtraud Gutschke im „ND“). „Die unheilige Sophia“ ist ein Roman über eine solche Frau und über die Schwierigkeiten beim Aufbau des Sozialismus. Oder „Die sieben Affären der Doña Juanita“, über Anspruch und Wirklichkeit der Emanzipation in der DDR. Beide Romane wurden in der DDR verfilmt, die „Sophia“ ist nach langer, langer Zeit nun endlich auch auf West-DVD erhältlich. Empfohlen jedem, der davon schwafelt, dass „solche kritischen Bücher“ in der DDR „nicht möglich“ gewesen seien – wie auch „Meines Vaters Straßenbahn“. Im Juli 1961, kurz nach der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht, bereiste Panitz Kuba und begegnete dem Che in Playa Gíron. Kuba war fortan immer wieder ein Thema für Panitz. 1997 widmete er dem Revolutionsführer eine Biografie („Comandante Che“), in solidarischer Verbundenheit.

In einem Interview mit der „Deutschen Welle“ (2007) antwortet Eberhard auf die Frage, was für ihn das Faszinierende an Che Guevara war: „Sein Leben, seine Gesinnung, die Identität von Wort und Tat und die Menschlichkeit bei aller Härte und Kampfesbereitschaft, wenn es keinen anderen Ausweg als Kampf und Härte gab.“ Das könnte man auch über Eberhard Panitz selbst sagen.

Es müsste noch Wochen, Tage und Stunden (sic) über Eberhard erzählt werden. Wer seine Bücher nicht kennt, dem seien sie empfohlen. Wer die DDR nicht kennt: Lest Panitz! Und wer DDR-Bürger war, aber beginnt an seiner Erinnerung zu zweifeln: Unbedingt nochmal Panitz lesen.

Er hat einfach geschrieben, wie es wirklich war.

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"Seine Bücher lesen!", UZ vom 15. Oktober 2021



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