Webinar der Initiative „Russland ist nicht unser Feind“ informierte über die Folgen des faschistischen Überfalls auf die So­wjet­union und den Einfluss der USA auf Eurasien

Unvergessene Gräueltaten

Katja Schwarz

Vor einigen Wochen hat sich anlässlich des bevorstehenden 85. Jahrestages des Überfalls der faschistischen Wehrmacht auf die So­wjet­union die Kampagne „Russland ist nicht unser Feind“ gegründet. Den Friedensaktivisten ist es wichtig, dass die deutsche Gesellschaft ein besseres Verständnis der deutsch-russischen Geschichte und der daraus resultierenden aktuellen deutschen Kriegspolitik entwickelt. Zu diesem Zweck organisierte die freie Journalistin und Mitorganisatorin der Friedensinitiative Christiane Reymann bereits zwei Zoom-Konferenzen. Am 26. Februar nahmen rund 300 Zuschauerinnen und Zuschauer am Webinar „Frieden! Russland ist nicht unser Feind“ teil.

Im ersten Teil rief der russische Botschaftsrat in Deutschland, Alexander Milyutin, die vielfältigen Kriegsverbrechen und Gräueltaten der Deutschen an der sowjetischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg ins Gedächtnis. Der deutsche Überfall auf die So­wjet­union am 22. Juni 1941 sei das tragischste Datum in der tausendjährigen Geschichte des russischen Volkes. Anschließend ermordeten die Nazi-Invasoren 27 Millionen Sowjetbürger, zerstörten ungefähr 1.700 Städte und über 70.000 Dörfer. Einwohnerschaften ganzer Dörfer fielen Massenerschießungen zum Opfer. Außerdem vernichtete die Wehrmacht mehr als 30.000 Industriebetriebe, 40.000 Krankenhäuser, 80.000 Schulen, 40.000 Theater- und Kulturbetriebe, 2.000 orthodoxe und katholische Kirchen und plünderte mehr als 400 Museen. Es handelte sich um einen Genozid an der sowjetischen Bevölkerung, insbesondere auch während der Leningrader Hungerblockade. Immer noch sind die Grausamkeiten, die deutsche Nazis in Russland verübt haben, in russischen Familien präsent. Jede Familie in Russland sei davon betroffen – auch seine eigene, erklärte Mil­yutin. Die damals zugefügten Traumatisierungen prägten die Gesellschaft bis heute.

Der 22. Juni sei bereits vom früheren Präsidenten Boris Jelzin zum „Tag der Erinnerung und Trauer“ erklärt worden. Der russische Präsident Wladimir Putin habe ihn zum offiziellen staatlichen Gedenktag erhoben. Im vergangenen Jahr sei ein russisches Gesetz über die Verewigung des Andenkens der Opfer des Genozids verabschiedet worden. Jeweils am 19. April werde der Opfer gedacht. „Wir hoffen, dass die deutsche Bundesregierung auch irgendwann den Mut haben wird, dieser unvergleichlichen Gräueltaten zu gedenken“, gab Milyutin den Wunsch der Russen wieder.

Im zweiten Teil der Veranstaltung widmete sich der Publizist Werner Rügemer der Rolle der USA im 20. Jahrhundert. Rügemer ist im Beirat der World Association for Political Economy und Mitherausgeber der „World Marxist Review“. In seinem Vortrag trug er zahlreiche, heute weitgehend unbekannte Fakten vor.

Im Jahr 1912 habe der frühere US-Präsident Woodrow Wilson die Präsidentschaft mit dem „hochheiligen Versprechen bei Gott“ gewonnen, er würde sich nicht an einem bereits absehbaren europäischen Krieg beteiligen. Aber ab Kriegsbeginn im Jahr 1914 rüsteten US-Konzerne fleißig mit, finanziert mit Krediten der Wall Street. 1917 überzeugten die Banker und Konzernmanager Wilson, dass er gegen Ende doch in den Krieg einsteigen müsse. Denn schließlich sollte ein Verlierer bestimmt werden, der die Kredite zurückzahlen würde.

Von US-amerikanischen Interventionen zur Bekämpfung der russischen Revolution bis zum Versailler Vertrag zeichnete Rügemer die Versuche der USA nach, das Schicksal Europas und Asiens mitzubestimmen. Gleich nach dem Ersten Weltkrieg hätten die USA den neuen Hauptfeind in Europa ausgemacht: den Sozialismus, die Arbeiterbewegung – kurz: die eigentlichen Träger der Demokratie. Dieser Vorgabe folgend habe sich die vielfältige Unterstützung von aufkommenden faschistischen Regierungen und Putschisten in Europa durch das US-Kapital angeschlossen. Auch bei der Hochrüstung der Wehrmacht zur technisch am weitesten entwickelten Streitkraft der Welt mischten US-Konzerne mit, wie Rügemer nachzeichnete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten die USA ihren Kampf gegen Kommunismus, Sozialismus und antikoloniale Bewegungen fort – und weiteten ihren Einfluss in Eurasien aus. Ab 1995, nicht lange nach dem Zusammenbruch der So­wjet­union, begann die Aufrüstung der Ukraine für den US-Stellvertreterkrieg gegen Russland. Bislang habe die Ukraine diesen Stellvertreterkrieg mit hohen Profiten für die US-amerikanische Rüstungsindustrie geführt. Dabei sei von Anfang an klar gewesen, dass sie diesen Krieg nicht gewinnen würde.

Wie sie hinterher in der von Christiane Reymann moderierten Diskussion mitteilten, waren Webinar-Teilnehmer teilweise zutiefst erschüttert über die Rekapitulation der Gräueltaten der deutschen Wehrmacht in Russland und ihrer Folgen bis heute.

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"Unvergessene Gräueltaten", UZ vom 20. März 2026



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