Protest bei Hauptversammlung geplant

Vorwürfe gegen VW-Manager

Von Markus Bernhardt

Protestkundgebung:

14. Mai, 9 Uhr

CityCube Berlin

Messedamm 26

Am 14. Mai findet in Berlin die Hauptversammlung der Volkswagen-Aktionäre statt. Neben verschiedenen Umwelt- und Klimaschützern ruft auch „ethecon – Stiftung Ethik & Ökonomie“ zu Protesten auf. Mit dem von ihr verliehenen Schmähpreis, dem „Black Planet Award“, hatte „ethecon“ im vergangenen Jahr die Großaktionäre Wolfgang Porsche und den niedersächsischen Ministerpräsidenten und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil sowie die Manager Herbert Diess und Hans Dieter Pötsch an den internationalen Pranger gestellt. Zur Begründung für die Verleihung des Schmähpreises, der nun bei der Hauptversammlung übergeben werden soll, gab die Stiftung an, dass Volkswagen während des 2. Weltkriegs für die Wehrmacht produziert und tausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ausgebeutet habe. Auch nach dem Krieg habe der Konzern, der Stiftung zufolge, faschistische Regime unterstützt, „verhalf dem Militär in Brasilien 1964 zum Putsch und sorgte mit eigenem Werkschutz für die Ausspähung, Inhaftierung, Folterung und Ermordung von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern und kämpferischen Kolleginnen und Kollegen“ und habe seither eine angemessene Entschädigung der Opfer verweigert.

Hinzu komme, dass der Automobilhersteller an einem Modell der Mobilität festhalte, das auf Individualverkehr und Verbrennungsmotoren beruhe, „obwohl dieses Verkehrsmodells nachweislich Krankheit und Tod durch Schadstoffe und nicht zuletzt den Klimawandel mitverursacht“. „Mit der Installation von Betrugssoftware in seinen Dieselfahrzeugen und auch mit seiner Lobbyarbeit in der deutschen und europäischen Politik hat die Volkswagen-Spitze ein effektives gesetzliches Vorgehen gegen Luftverschmutzung und Klimawandel vorsätzlich umgangen und verhindert“, so der Vorwurf der Stiftung.

„Auf das Konto von Volkswagen gehen der Ruin der menschlichen Gesundheit und die Zerstörung der Umwelt im großen Stil sowie Not und Elend und der massenhafte Tod von Menschen. Die Verantwortlichen des Konzerns stellen nicht nur eine Gefahr für den Frieden und die Menschenrechte dar, sondern auch für die Demokratie, die Ökologie und die Menschheit insgesamt“, kritisierte Axel Köhler-Schnura, Vorstand der Stiftung „ethecon“ anlässlich der bevorstehenden VW-Hauptversammlung. „Für Porsche und Co. zählt nur der Profit, auch wenn dafür die Welt vor die Hunde geht“, monierte Stiftungs-Geschäftsführer Niklas Hoves. Nun dürfe man nicht locker lassen, „für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept, die Entschädigung der Betroffenen und ein solidarisches Wirtschaften“ zu kämpfen, so Hoves weiter.

Über den Autor

Markus Bernhardt (Jahrgang 1977) ist freier Journalist und Autor sowie studierter Sozialarbeiter. Er arbeitet für verschiedene Printmedien, unter anderem für die Tageszeitung „junge Welt“. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Themen Innen-, Gesundheits-  und Gleichstellungspolitik sowie Antifaschismus.

2012 veröffentlichte er das Buch „Das braune Netz: Naziterror – Hintergründe, Verharmloser, Förderer“ über das faschistische Terrornetzwerk „NSU“ im PapyRossa Verlag Köln.

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"Vorwürfe gegen VW-Manager", UZ vom 10. Mai 2019



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