Vorzeigedemokraten

„Demokratien können sich selbst heilen. Ungarn hat es gerade bewiesen“, überschreibt der „Spiegel“ seinen Leitartikel, und dem von tiefem Glück geschüttelten Publikum schießt die gesalzene Suppe durch den Tränenkanal. Endlich ist der olle Orbán weg, ersetzt durch Péter Magyar. Im Grunde teilen Magyar und Orbán eine rechtskonservative Agenda. Was beide unterscheidet und was die Herzen des EU-Establishments rührt, ist Magyars erhoffte Offenheit für den Krieg gegen Russland. Deswegen macht der westliche Blätterwald aus dem neuen Präsidenten einen Vorzeigedemokraten. Kaum ist er im Amt, weht auch schon der frische liberale Wind. Als erste Amtshandlung kündigte er an, die Nachrichtensendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abzuschalten. Und zwar so lange, bis eine „unvoreingenommene“ Berichterstattung garantiert werde. Die deutschen Medien, die sonst die „Tagesschau“ für das Hochamt des journalistischen Betriebes halten, feiern den „Kurswechsel“. Echte Demokraten brauchen ohnehin keine Nachrichten. Die wissen einfach, was richtig ist.

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"Vorzeigedemokraten", UZ vom 17. April 2026



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