Engie-Konzern steigt aus Tarifverträgen aus

Warnstreiks in Lindau

Von Karl Schweizer

Etwa 70 Kolleginnen und Kollegen aus Verwaltung und Produktion der rund 180-köpfigen Belegschaft des Lindauer Werkes von Engie-Refrigeration traten am 6. Juni zu Beginn der Normalschicht in einen dreistündigen Warnstreik.

Sie trafen sich vor dem Werkstor, um zusammen zum Hotel Kaiserstrand im fünf Kilometer entfernten Lochau bei Bregenz am Bodensee zu fahren und dort vor der Frühstücksterrasse zu demonstrieren. Formell angemeldet hatte diese Kundgebung der Österreichische Gewerkschaftsbund ÖGB in Bregenz.

Im Hotel wartete ab 9.00 Uhr das Konzernmanagement, um mit einer sechsköpfigen Belegschaftsvertretung aus Betriebsrat, Gewerkschaftsspitze der regionalen IG-Metall Allgäu und einfachen Gewerkschaftsmitgliedern über die von Betriebsrat und Gewerkschaft massiv geforderte Rückkehr des Engie-Konzerns zu den gültigen Lohn- und Rahmentarifverträgen mit rund 3 000 Beschäftigten bundesweit zu verhandeln. Der Kältemaschinenhersteller Engie mit Sitz in Köln ist Bestandteil des weltweit operierenden französischen Suez-Konzerns, jetzt Engie und dessen Tochter Cofely.

Am nächsten Tag beteiligten sich gut 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter rund 50 aus dem Außendienst von Hamburg, Leipzig usw., an einem zweistündigen Warnstreik. Die vorhergehende Betriebsversammlung mit heftigen Diskussionen wurde dann auf der „Bahlsenbrücke“ über dem Lindauer Autobahnzubringer durch zwei Stunden Warnstreik verlängert.

Anfang März 2018 hatte die Geschäftsleitung erklärt, sie sei nun aus der Bindung an die gültigen bayerischen Metallindustrie-Tarifverträge ausgetreten, da das Ergebnis der gerade abgeschlossenen Metall-Lohntarifrunde für die Firma zu teuer sei. Wenig später erfuhr der Betriebsrat, dass das Management bereits im November 2017 aus jenem Teil des bayerischen Metallarbeitgeberverbandes ausgetreten war, welcher zur Einhaltung der Tarifverträge verpflichtet ist.

Die Belegschaft protestiert nun seit dem 1. Mai 2018 öffentlich gegen die Pläne der Firmenleitung, beispielsweise die wöchentliche Arbeitszeit ohne Lohnausgleich auf 40 Stunden heraufzusetzen, den Samstag zum Regelarbeitstag ohne Lohnzuschläge zu erklären, den Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer, wie er im Rahmentarifvertrag geregelt ist, ersatzlos zu streichen und die Entgelttabellen für Neueinsteiger im Betrieb um bis zu 20 Prozent herabzusetzen sowie für die Kolleginnen und Kollegen in den „neuen“ Bundesländern nochmals zusätzlich zu reduzieren.

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"Warnstreiks in Lindau", UZ vom 15. Juni 2018



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