Kommen zur Transformation unter kapitalistischen Vorzeichen auch noch fatale Managemententscheidungen hinzu, dann ist die logische Folge die aktuell zu beobachtende gigantische Arbeitsplatzvernichtung. Laut einer Studie des Ifo-Instituts, die letzte Woche veröffentlicht wurde, arbeiteten Ende 2025 rund 496.000 Menschen weniger in deutschen Industrieunternehmen als noch zu Beginn des Jahres 2019, was einem Minus von 7,1 Prozent entspricht. 60 Prozent des Stellenabbaus entfallen allein auf die drei Branchen Automobilindustrie und ihre Zulieferer mit einem Minus von 123.500 Stellen sowie auf Hersteller von Metallerzeugnissen und den Maschinenbau mit dem Verlust von 115.600 beziehungsweise 64.500 Stellen.
Ein Ende des Arbeitsplatzabbaus ist nicht in Sicht. Die Ankündigung der Konzernspitze bei VW, zu den bereits beschlossenen 50.000 weitere 50.000 Stellen zu streichen, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Ob bei Mercedes, Bosch, Mahle oder Thyssen-Steel – überall reduziert sich die Strategie der Bosse auf Arbeitsplatzabbau, Werksschließungen und Verlagerungen ins Ausland.
In der Vergangenheit bemühte sich die Politik zumindest, den Eindruck zu vermitteln, den industriellen Wandel „sozialverträglich“ zu gestalten. Die aktuelle Bundesregierung reißt hingegen rücksichtslos die letzten verlässlichen Brücken in einen würdigen Ruhestand für die betroffenen Beschäftigten ein. Dazu gehört nicht nur die vieldiskutierte Anhebung des Renteneintrittsalters und die Streichung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, sondern auch die geplante Abschaffung der Altersteilzeit im Blockmodell. Bei diesem Modell wird die Altersteilzeit in zwei gleich lange Phasen unterteilt. In der ersten, der Arbeitsphase wird regulär weitergearbeitet, in der zweiten Phase erfolgt die Freistellung.
„Man kann nicht Transformation fordern und zugleich die Instrumente abschaffen, die sie sozialverträglich machen. Man nimmt uns das sozialste Instrument, das wir haben, ausgerechnet in dem Moment weg, in dem wir es am dringendsten brauchen“, kommentierte die IG Metall jüngst die Regierungspläne. Die Abschaffung wird damit begründet, vermeintliche Frühverrentungsanreize zu verringern und zusätzliche Beschäftigungspotenziale von Älteren zu sichern. Laut der Kommission handele es sich beim Blockmodell nämlich nicht um eine echte Teilzeitbeschäftigung, sondern um eine „arbeitsrechtlich ermöglichte Form der Frühverrentung“.
Aus Sicht der Gewerkschaften ist die Altersteilzeit jedoch kein Frühverrentungsprogramm, sondern sie erfüllt einen wichtigen sozialpolitischen, arbeitsmarktpolitischen und tarifpolitischen Zweck. Sie ist ein unverzichtbares Instrument für einen gerechten und würdevollen Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand. Tatsächlich gehört die Altersteilzeit seit Jahrzehnten zu den tarifpolitischen Kerninstrumenten. So ermöglichen Tarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie den Beschäftigten ab dem 55. Lebensjahr einen gleitenden und sozial abgesicherten Übergang in die Rente, indem finanzielle Nachteile durch tarifliche Aufstockungsbeträge und erhöhte Rentenbeiträge deutlich reduziert werden.
Gerade im Organisationsbereich der IG Metall, in dem viele Kolleginnen und Kollegen über Jahrzehnte hinweg Schichtarbeit, Nachtarbeit oder körperlich und psychisch belastende Tätigkeiten leisten, ist dies sinnvoll. Wer 40 oder 45 Jahre im Stahlwerk, in einer Gießerei, in der Automobilindustrie oder im Maschinenbau gearbeitet hat, benötigt einen flexiblen und gesundheitsgerechten Übergang in den Ruhestand.
Das zeigt, dass die von der Bundesregierung bereits abgenickten Vorschläge der Rentenkommission – die ersatzlose Streichung der abschlagsfreien Rente für langjährig Versicherte, die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters, die Einführung einer kapitalgedeckten „Zockerrente“ auf Kosten der gesetzlichen Rente und eben die Abschaffung der Block-Altersteilzeit – das Potenzial haben, selbst die Agenda der berüchtigten Hartz-Kommission in den Schatten zu stellen. Da hilft nur entschlossener Widerstand.








