Wer einmal lügt

Dass Israel seinen Krieg gegen die Palästinenserinnen und Palästinenser auch mit Propagandalügen führt ist nicht neu. Da werden aus Journalisten Terroristen gemacht, aus Hilfsorganisationen Hilfsterroristen, aus Schulen, Krankenhäusern und Wohnungen legitime Kriegsziele und aus in voller Absicht ermordeten Zivilisten Schutzschilde der Hamas. So weit, so bekannt.

Dabei gehen Israel und seine verschiedenen Propagandaabteilungen in Regierung und Militär mal mehr, mal weniger geschickt vor. Geradezu unfassbar dämlich hat sich nun der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im US-Fernsehen angestellt. Frei nach dem Motto „Was Trump kann, kann ich schon lange“ hatten seine Aussagen gegenüber dem Sender „Fox News“ nicht mal entfernt was mit der Wahrheit zu tun. Wie Trump über Kuba phantasierte, dort würden die USA bei einer Invasion mit offenen Armen empfangen werden, behauptete Netanjahu, „einige christliche Dörfer im Libanon haben tatsächlich darum gebeten, von Israel annektiert zu werden“.

Die Christen dort wollten sich so vor der Hisbollah schützen, so Netanjahu. Trotz einer Waffenruhe im Libanon greift Israels Armee regelmäßig Städte und Dörfer an, bombardiert Autos, in denen sich angeblich Terroristen befinden, hält den Süden des Landes besetzt – und die Bevölkerung in Angst und Schrecken.

Die christlich geprägten Gemeinden im Süden des Libanon wiesen Netanjahus Aussagen in einer gemeinsamen Erklärung scharf zurück. Diese Aussagen hätten keinen Bezug zur Realität. Die Gemeinden hätten während des Krieges stets zum libanesischen Staat gestanden, ihre Bewohner seien stolz auf ihre libanesische Identität und betrachten den Libanon als ihre wahre Heimat. In der Erklärung wurde jeder Versuch zurückgewiesen, diese Haltung falsch darzustellen oder erfahrenes Leid für politische Zwecke auszunutzen.

Noch deutlicher wurde der Bürgermeister von Rmeisch, das an der Grenze zu Israel liegt. Was Netanjahu behauptete, sei „völlig falsch“. Es sei „absolut undenkbar“, dass sich Ortschaften im Süden des Libanons um eine Annexion bemühen.
Netanjahu hat also wieder mal schamlos gelogen. Konsequenzen wird auch diese Lüge nicht haben. Wenn erwiesene Lügen, wie zum Beispiel über den Einsatz von deutschen Waffen im Krieg gegen die Palästinenser, zum Beispiel in deutschen Regierungskreisen für ein Umdenken sorgen würden, wäre die deutsche Beihilfe zum Völkermord schon lange beendet. Aber daran hat die Regierung Merz kein Inte­resse. Am Gegenteil schon.

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"Wer einmal lügt", UZ vom 10. Juli 2026



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