Die Audi-Beschäftigten in Neckarsulm kämpfen gegen die Schließung des dortigen Werks. Am 29. Juli beteiligten sich 6.000 Kolleginnen und Kollegen an einer Betriebsratssprechstunde am Tor 6. Dicht an dicht standen sie mit ihren Transparenten. Ihre klare Botschaft an die Geschäftsführung lautete: „Audi Neckarsulm muss bleiben!“
Der Weg der Audi-Beschäftigten vom Werksgelände zu Tor 6 wurde zur Demonstration. Begrüßt wurden sie dabei von Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Metallbetrieben gekommen waren – unter anderem von Porsche Zuffenhausen und Mercedes Untertürkheim. Auch sie hatten eine klare Botschaft mitgebracht, die sie in Sprechchören und auf Transparenten deutlich machten: „Ohne Streik wird sich nichts verändern!“
Auch die Belegschaften bei Mercedes und Porsche sind von Arbeitsplatzabbau und Sparprogrammen bedroht. Die Werksschließung in Neckarsulm ist Teil eines Sparprogramms des VW-Konzerns, das neben dem Abbau von 100.000 Arbeitsplätzen weltweit auch die Schließung von vier deutschen Werken vorsieht.
Bei einem ersten Protest Anfang Juli waren nur Vertrauensleute und Azubis aufgerufen worden. 800 beteiligten sich und forderten eine klare Perspektive für das Werk. Bislang steht fest, dass die Modellpalette um bis zu 50 Prozent und die Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent reduziert werden sollen. Das verkündete der Konzernvorstand nach der letzten Aufsichtsratssitzung Anfang Juli.
Für das Neckarsulmer Werk wurde zwar eine Beschäftigungsgarantie bis 2034 vereinbart, doch in diesem Zeitraum werden eben auch die aktuell dort gefertigten Modelle A5 und A6 auslaufen. Was darauf folgen soll, ist völlig unklar. Auch für den A8, der bereits in diesem Jahr auslaufen soll, gibt es noch kein Nachfolgemodell. Deshalb sind bei vielen der rund 15.000 Beschäftigten Angst und Verunsicherung groß.

Ari Zartmann, Vertrauenskörperleiter der IG Metall bei Audi Neckarsulm, betonte die große, beeindruckende Geschlossenheit der Belegschaft: „Heute wurde sichtbar, was unseren Standort auszeichnet: Solidarität, Zusammenhalt und die Entschlossenheit, gemeinsam für die Zukunft einzustehen.“ Karola Frank, Vorsitzende des Vertrauenskörpers der IG Metall bei Audi in Ingolstadt, hob in ihrem Grußwort die Bedeutung von Zusammenhalt, Mitbestimmung und gegenseitiger Unterstützung in schwierigen Zeiten hervor.
Ein Sprecher der IG Metall bezeichnete die Veranstaltung als Auftakt einer ganzen Protestserie. Das Ganze sei ein Marathon und kein Sprint. Es wäre nicht der erste Marathon, an dem Audi-Beschäftigte in Neckarsulm teilnehmen. Bereits 1975 wurde hier ein langer und mutiger Kampf geführt, der die damals beschlossene Werksschließung verhinderte. Der Marsch auf Heilbronn vom 18. April 1975, eine halbspontane Aktion, gehört zu den Höhepunkten dieses Kampfes und hat sich tief ins kollektive Gedächtnis dieser Region eingebrannt.
Auch wenn die Kolleginnen und Kollegen, die damals den Kampf geführt haben, mittlerweile in Rente sind, wurden die Erfahrungen weitergegeben. Sie sind auch den jüngeren Kolleginnen und Kollegen bekannt. Klar ist auch, dass eine Werksschließung Auswirkungen auf die Stadt (25.000 Einwohner) sowie die gesamte Region haben wird, denn Audi ist das größte Unternehmen mit den meisten Arbeitsplätzen. Wenn Audi wackelt, spürt es die gesamte Region.
Am 4. September steht die nächste Aufsichtsratssitzung bei VW an. Wie es mit dem Werk weitergeht, könnte vielleicht schon bald entschieden werden.









