Drei neue Folgen der NDR-Serie „Tatortreiniger“

Bestes deutsches Bildungsfernsehen

Von Friedhelm Vermeulen

Der Tatortreiniger

Drehbücher: Mizzi Meyer

Regie: Arne Feldhusen

Die nächsten Sendetermine:

– Do, 12.1. 20:15–20:45 Uhr, ARD One „Sind Sie sicher?“

– Do, 12.1., 20:45–21.15 Uhr, ARD One „Özgür“

– Do, 19.1., 20:15–20:45 Uhr, ARD One „Schluss mit Lustig“

– Do., 19.1., 20:45–21.15 Uhr, ARD One „Pfirsichmelba“

Heiko „Schotty“ Schotte ist Gebäude­reiniger, spezialisiert auf die Beseitigung menschlicher Überreste, die nach Gewaltverbrechen an Teppichen, Tapeten und in den Ritzen des Holzfußbodens kleben. Der „Tatortreiniger“, gespielt von Bjarne Mädel, ist eine Serie des NDR, und eher ein Theaterstück denn eine „Comedyserie“ und schon gar kein Krimi. Die Serie ist spannend, unterhaltsam und sehr gut gemacht.

Schotty trifft bei seiner Arbeit auf Angehörige, Freunde, Partner des Verstorbenen, in einem Fall auf den Täter. Immer entwickelt sich ein Dialog, der das Wort Bildungsfernsehen anschaulich macht: Extrem unterhaltsam wird eine halbe Stunde lang das Wesentliche zu einem Thema vermittelt. Es geht in den mittlerweile 27 Episoden um Sexualität, Ernährung, Religion, Rassismus, Behinderungen oder um die schöne neue Arbeitswelt.

Drei neue Folgen wurden Ende 2016 ausgestrahlt, darunter „Sind Sie sicher?“ und „Schluss mit Lustig“. Dabei trifft Schotty auf den Geschäftsführer einer Consultingfirma, in dessen Büro sich ein Mitarbeiter umgebracht hat. Handwerk trifft auf moderne Management-Methoden, in der es weder Routine gibt noch die Zeit, Reinigungsmittel einwirken zu lassen, wie es eine Fachkraft wie der Tatortreiniger gewohnt ist zu tun.

In „Schluss mit lustig“ muss sich Schotty der Kritik eines freiberuflichen Clowns stellen, der das Normal­arbeitsverhältnis des Tatortreinigers hinterfragt. Schotty, der seinen Beruf ausübt, um davon leben zu können, trifft auf „Stramazzo“, der sich mit seinen Clown-Auftritten selbst verwirklichen will, davon aber nicht leben kann.

Schottys Werte und Moralvorstellungen werden in den Dialogen immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Schotty ist als Figur angelegt, die nicht bereit ist, die eigenen Vorstellungen einfach aufzugeben. Er ist aber gleichzeitig daran interessiert, andere Vorstellungen zu verstehen. Dabei wird einerseits gezeigt, wie wenig der Alltagsverstand zum Begreifen der Lebensrealität von Menschen reicht, die von der angeblichen Norm abweichen. In „Schluss mit Lustig“ und „Sind Sie sicher?“ werden gleichzeitig „neue“ Wertevorstellungen hinterfragt und mit den „alten“ Werten abgeglichen. Dabei kommt Schotty ganz gut weg, auch wenn ihm am Ende Zweifel bleiben, ob er festangestellt bis an sein Lebensende Tatorte reinigen will.

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"Bestes deutsches Bildungsfernsehen", UZ vom 6. Januar 2017



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