Wie man die Pandemie nicht bekämpft

Corona-Chaos

Wenn Asiaten ähnlich schlechte Manieren im Umgang mit anderen Nationen und Kulturen hätten wie der Besser-Westen, dann würden sich derzeit 1,4 Milliarden Chinesen über uns lustig machen. Am 5. November meldeten die Behörden der Volksrepublik 36 Neuinfektionen, die höchste Zahl im November bisher. In Deutschland wurden am gleichen Tag 16.017 gemeldet.

Björn Blach

Als Eltern von drei Kindern, die verteilt sind auf Kita, Grundschule und weiterführende Schule, blieben meine Frau und ich bis zur letzten Woche von den Auswirkungen der Pandemie verschont. Dann kam die erste Meldung aus der Kita. Eine Erzieherin positiv getestet. Die Kita-Leitung versuchte das Gesundheitsamt zu erreichen, um die notwendigen Maßnahmen abzustimmen. Ein geplantes Vorgehen schien es nicht zu geben. So blieben die Beschäftigen, Eltern und Kinder im Ungewissen.

Im Laufe des Vormittags dann einen Bundeswehrsoldaten an der Strippe, der sich auch gleich entschuldigte. Er habe keine Ahnung, werde aber die Anfrage weiterleiten. Am Nachmittag dann Klarheit: Die Gruppe der Erzieherin muss für zwei Wochen in Quarantäne.

Am folgenden Tag die nächste Meldung und eine weitere Gruppe in Quarantäne. Am Freitag dann die dritte Gruppe in Quarantäne, eine weitere Gruppe wegen Personalmangel zu. Unsere Tochter kann, Stand heute, am Montag allerdings die Kita besuchen. Ihre Eltern sollen schließlich arbeiten gehen.

Übers Wochenende erreicht uns dann die E-Mail der Grundschule. Die Klassenlehrerin habe Kontakt zu einer infizierten Person gehabt. Sie habe sich testen lassen und warte derzeit auf das Ergebnis. Beschulung am Montag unklar. Die folgende Information vergrößert die Unklarheit: Die Lehrerin habe Krankheitssymptome und könne die Klasse am Montag und Dienstag nicht unterrichten. Vertreten werden kann wegen der Hygienevorschriften nicht, die Schule bemühe sich allerdings um Aufgaben für das Home-Schooling. Informationen vom Gesundheitsamt sind bislang nicht verfügbar. Zwei Szenarien sind derzeit möglich: Die Lehrerin wird positiv getestet, dann müsste unsere Tochter zwei Wochen in Quarantäne, der Rest der Familie kann weitermachen wie bisher. Oder die Lehrerin ist sogenannte Kontaktperson Eins, muss zwei Wochen in Quarantäne, die Schule findet als Home-Schooling statt, da nicht vertreten wird. Unsere Familie müsste sehen, wie sie die Betreuung organisiert.

Am gleichen Wochenende lassen die Ministerpräsidenten uns wissen, dass es bislang nicht gelungen sei, die Pandemie mit dem „Lockdown light“ einzudämmen. Es gebe nur einen „Seitwärtstrend“. Die Maßnahmen sollten bis zum 20. Dezember verlängert werden. Wenn es zu keiner deutlichen Besserung komme, sollen sie automatisch um zwei Wochen verlängert werden. Mir scheint es, dass mit dem „Lockdown light“ das Monopolkapital etwas gefunden hat, womit man sich für die Gesundheit, Bildung und Lebensbedingungen der Werktätigen nur dann interessieren muss, wenn es um deren bestmögliche Ausbeutung geht.

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Über den Autor

Björn Blach, geboren 1976, ist als freier Mitarbeiter seit 2019 für die Rubrik Theorie und Geschichte zuständig. Er gehörte 1997 zu den Absolventen der ersten, zwei-wöchigen Grundlagenschulung der DKP nach der Konterrevolution. In der Bundesgeschäftsführung der SDAJ leitete er die Bildungsarbeit. 2015 wurde er zum Bezirksvorsitzenden der DKP in Baden-Württemberg gewählt.

Hauptberuflich arbeitet er als Sozialpädagoge in der stationären Jugendhilfe.

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"Corona-Chaos", UZ vom 27. November 2020



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