Zur europäischen Friedenskonferenz in London

Gegenseitige Stärkung

Knapp 3.000 Friedensaktivisten aus ganz Europa pilgerten am vergangenen Wochenende nach London. Die britische „Stop the War Coalition“ hatte für den 20. Juni zu einer internationalen Antikriegskonferenz eingeladen. Die breite Unterstützung durch die Gewerkschaften verlieh der Konferenz eine besondere Kraft und machte sie zu einer eindrucksvollen Antwort der europäischen Arbeiterbewegung auf die gegenwärtige Politik der Kriegsvorbereitung und des Sozialabbaus.

Der Zeitpunkt hätte nicht passender sein können. In vielen europäischen Ländern wird über die Einführung der Wehrpflicht diskutiert und Regierungen versuchen, die Bevölkerung mit unerbittlichen Kürzungspaketen an der Finanzierung der Jahrhundertaufrüstung zu beteiligen.

Wie die Vorgängerkonferenz im Oktober 2025 in Paris begann auch das Londoner Treffen mit einer Vorkonferenz am Freitagnachmittag mit etwa 200 Teilnehmern. Inhaltlich standen die wachsenden Kriegsvorbereitungen im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, dass die Mobilmachung der Gesellschaft, die Werbung für den Kriegsdienst an Schulen oder die Vorbereitung des Gesundheitswesens auf den Kriegsfall nirgendwo so stark vorangetrieben werden wie in Deutschland. Es war daher wichtig, eine gemeinsame Handlungsperspektive zu entwickeln, um die Antikriegsbewegung europaweit aufzubauen. Verabredet wurden ein europaweiter Aktionstag am 10. Oktober zur Beendigung des Völkermordes in Gaza sowie ein Aktionswochenende am 21. und 22. November mit dezentralen Aktionen gegen Militarisierung und Wehrpflicht.

Höhepunkt des Wochenendes war allerdings das internationale Antikriegsmeeting am Samstagnachmittag. Knapp dreitausend Menschen strömten in die Central Hall Westminster, direkt am Parliament Square. Bereits die Wahl des Ortes war ein politisches Signal: Die Antikriegsbewegung hat keinen Grund sich zu verstecken, sondern sucht selbstbewusst die Auseinandersetzung. Die Liste der Rednerinnen und Redner war lang und hochkarätig, darunter Abgeordnete wie Jeremy Corbyn (Your Party) und Jérôme Legavre (La France insoumise), außerdem bekannte Köpfe der Palästina-Solidarität wie Andrew Feinstein und Mustafa Barghouti. Vor allem aber gab es eine starke gewerkschaftliche Präsenz: Fran Heathcote, die Generalsekretärin der britischen Public and Commercial Services Union (PCS), Giorgos Gogos, der Vorsitzende der Hafenarbeitergewerkschaft in Piräus, und viele weitere.

Letztlich war es vor allem diese gewerkschaftliche Präsenz, die die Stärke der Konferenz ausmachte. Mehr als hundert Gewerkschaften und Dachverbände – darunter die britische UNISON und die französische CGT – hatten ihre Mitglieder zur Teilnahme aufgerufen. Aus gutem Grund: Es zeichnet sich immer stärker ab, dass diejenigen, die das Völkerrecht nicht respektieren, auch Arbeits- und Gewerkschaftsrechte nicht respektieren. Auch in Deutschland weigert sich die Bundesregierung, den Angriff auf den Iran als Völkerrechtsbruch einzustufen und bereitet gleichzeitig die Abschaffung des Achtstundentages und die Anhebung des Renteneintrittsalter vor. Es zeigt sich: Der von Donald Trump herbeigeführte Zustand der Recht- und Regellosigkeit bleibt nicht auf die internationalen Beziehungen beschränkt, sondern sickert tief in die Gesellschaft ein.

Daher ist es wichtiger denn je, eine breite Antikriegsbewegung mit starken Wurzeln in der Arbeiterbewegung aufzubauen. Die Londoner Konferenz hat dazu einen Beitrag geleistet. Im Hinblick auf die Teilnehmerzahl blieb sie etwas hinter der Pariser Konferenz zurück, aber die starke gewerkschaftliche Mobilisierung war ein qualitativer Schritt nach vorn.

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"Gegenseitige Stärkung", UZ vom 26. Juni 2026



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