Israel eskaliert

Am Montag zerstörte eine vermutlich israelische Rakete ein Gebäude der iranischen Botschaft in Damaskus. Bei dem Terrorangriff starben in der syrischen Hauptstadt nach iranischen Angaben mehrere Menschen, darunter ranghohe Militärs.

Immer wieder führt Israel völkerrechtswidrig Luftangriffe auf syrischem Gebiet gegen iranisches Militär durch. Erst am Freitag hatte ein Angriff in Aleppo im Norden Syriens mehr als 50 Menschen das Leben gekostet. Die meisten waren Soldaten der syrischen Armee.

Bislang hat der Iran auf derartige Provokationen zurückhaltend reagiert und vermieden, direkt in den Krieg verwickelt zu werden. Mit dem Angriff auf exterritoriales Botschaftsgelände bricht Israel allerdings alle diplomatischen Konventionen.

Ähnliches ereignete sich vor 25 Jahren im Krieg der NATO gegen Jugoslawien. In der Nacht auf den 8. Mai 1999 traf eine US-Bombe die chinesische Botschaft in Belgrad. Die USA versuchten den Terrorakt als Versehen darzustellen – die Nachricht an China und Russland war aber überdeutlich: Wer sich den Weltordnungsplänen der USA und der NATO in den Weg stellt, wird bestraft.

Gleiches möchte Israel jetzt dem Iran mitteilen: Wer sich den geopolitischen Plänen des Imperialismus und zusätzlich dem Völkermord an den Palästinensern in den Weg stellt, wird weggebombt.

Was vor 25 Jahren schon ein massiver Schlag gegen Frieden und Völkerverständigung war, ist heute brandgefährlich. Damals waren die USA auf dem Höhepunkt ihrer Macht – sie waren in allen Belangen unangreifbar.

Das Blatt hat sich gewendet. Der Imperialismus insgesamt ist in einer ökonomisch-politischen Krise. Israel ist mit seinem Vernichtungskrieg weitgehend isoliert, nur noch die USA und Deutschland halten ihm die Treue und liefern die nötigen Waffen. In der Region verfügen neben dem Iran die libanesische Hisbollah und die Ansar Allah im Jemen über Waffen, die Israel empfindlich treffen könnten.

Bei Redaktionsschluss der UZ war die unausweichliche iranische Reaktion noch nicht absehbar.

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Über den Autor

Björn Blach, geboren 1976, ist als freier Mitarbeiter seit 2019 für die Rubrik Theorie und Geschichte zuständig. Er gehörte 1997 zu den Absolventen der ersten, zwei-wöchigen Grundlagenschulung der DKP nach der Konterrevolution. In der Bundesgeschäftsführung der SDAJ leitete er die Bildungsarbeit. 2015 wurde er zum Bezirksvorsitzenden der DKP in Baden-Württemberg gewählt.

Hauptberuflich arbeitet er als Sozialpädagoge in der stationären Jugendhilfe.

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"Israel eskaliert", UZ vom 5. April 2024



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