Am Wochenende wurden wieder einmal Tränen vergossen wegen der Opfer der beiden schweren Erdbeben in Venezuela. Im deutschen Fernsehen heuchelte man Mitleid mit den 23.000 Menschen, die seit einem Monat in Notunterkünften leben müssen, und schiebt die Schuld auf die venezolanische Regierung, die angeblich nichts zur Prävention gegen Erdbeben unternommen habe und nun zu wenig unternehme, um den Menschen zu helfen. Hier wird Schindluder getrieben mit dem Leid der Menschen, kein Wort wird darüber verloren, dass die schlechte Wirtschaftslage in Venezuela zu einem großen Teil den zahlreichen Sanktionen zu verdanken ist, die von den USA und der EU verhängt wurden, weil ihnen das dortige politische Regime nicht passt.
Während das südamerikanische Land von einer Naturkatastrophe heimgesucht wurde, die nach bisherigen Kenntnissen nicht vorhersehbar und erst recht nicht verhinderbar ist, leiden in diesen Tagen die Menschen in großen Teilen Frankreichs und Spaniens unter verheerenden Feuern. Deren Ursache ist keineswegs eine Naturkatastrophe und zudem vorhersehbar, denn sie treten Jahr für Jahr auf, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. In der Region um Bordeaux haben die Flammen in weniger als einer Woche bereits eine Fläche von rund 42.000 Hektar zerstört. Die erwartete neue Hitzeperiode wird die Flammen weiter anheizen, die schon jetzt so heftig sind, dass sie durch Feuerstürme ein eigenes Wetterphänomen hervorrufen. Allein bei Bordeaux müssen 220.000 Menschen in Notunterkünften ausharren – zehn Mal mehr als in Venezuela.
In den Berichten vermeidet man tunlichst, darauf hinzuweisen, dass die Regierungen der betroffenen Länder ebenso wie die EU so gut wie nichts unternehmen, um wenigstens einen Teil der Katastrophe zu verhindern – es wird gespart an Vorbeugung, an Katastrophenschutz, bei den Feuerwehren. Durch die Sanktionen gegen Russland behindert die EU nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Brandbekämpfung. Und das Geld, das im Gesundheitswesen, in der Daseinsvorsorge und eben auch in der Eindämmung der Waldbrände fehlt wird dafür genutzt, um an anderer Stelle unseres Kontinents den Krieg anzuheizen. Um davon abzulenken werden dann eben Krokodilstränen für die Erdbebenopfer in Venezuela vergossen. Ist ja auch einfacher, als endlich Vernunft anzunehmen und den Weg des Friedens und der Abrüstung einzuschlagen.








