Rekordwert für Deutschland: 41,8 Grad Celsius am 27. Juni 2026 in Sachsen-Anhalt. In vielen Teilen Europas und Deutschlands macht sich diesen Sommer extreme Hitze und Trockenheit breit.
Hitze und Trockenheit belasten nicht nur Menschen, Tiere und Landwirtschaft, sie sind zugleich Treibstoff für Feuer. Ob in Spanien, Frankreich oder Griechenland: Waldbrände haben im laufenden Jahr bereits mehrere hunderttausend Hektar vernichtet. Auch in Deutschland brennt es immer öfter – überwiegend auf ehemaligen Truppenübungsplätzen.
So auch Mitte Juli in Teilen des Müritz-Nationalparks, die einst militärisch genutzt wurden. Auslöser des Waldbrandes war wahrscheinlich die Selbstentzündung von Munition im Boden. Für die schnelle Ausbreitung des Feuers auf rund 400 Hektar sorgten anhaltende Trockenheit und starker Wind.
Löscharbeiten der Feuerwehr sind nur unter hohen Sicherheitsauflagen oder ausschließlich aus der Luft möglich. Der Explosionsgefahr wegen müssen Einsatzkräfte einen Mindestabstand von 500 Metern einhalten, was die Brandbekämpfung erheblich erschwert. Die Einsatzkräfte arbeiten mit sogenannten Riegelstellungen: Sie halten das Feuer an festgelegten Linien auf, statt in die Fläche vorzudringen.
Der Brand im Müritz-Nationalpark ist kein Einzelfall, sondern schon fast die Regel. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz im brandenburgischen Jüterbog brennt es aktuell auf einer Fläche von 150 Hektar – zum dritten Mal allein in diesem Jahr.
In der Gohrischheide an der sächsisch-brandenburgischen Grenze brannte es im Juni 2026 erneut, fast genau ein Jahr nach dem Großbrand 2025. Damals verbrannten mehr als drei Viertel des Naturschutzgebiets. Es war der größte Waldbrand in Sachsen seit Jahrzehnten. Als Ursache gilt auch dort die Selbstentzündung von Munition.
2019 brannte bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern ein ehemaliger Truppenübungsplatz auf über 900 Hektar: Über 3.000 Einsatzkräfte, mehr als 700 Evakuierte, der größte Waldbrand des Landes seit fast 100 Jahren.
Genaue Zahlen über mit Kampfmitteln belastete Flächen gibt es nicht. In Brandenburg, dem am stärksten betroffenen Bundesland, sind rund 575.000 Hektar kampfmittelverdächtig, etwa 20 Prozent der Landesfläche. 300.000 Hektar davon sind Wald, etwa ein Drittel der gesamten Waldfläche des Landes.
Die Statistik ist eindeutig: Seit 2002 traten die zehn größten Waldbrände Brandenburgs ausschließlich auf munitionsbelasteten Flächen auf, zusammen 3.301 Hektar. In Mecklenburg-Vorpommern gelten rund 60.000 Hektar Wald als munitionsbelastet, etwa 10 Prozent der Waldfläche des Bundeslandes.
Hitze und mechanische Belastung können alte Munition zur Explosion bringen. Wo das droht, gilt ein Mindestabstand von 500 Metern für die Feuerwehr, und für die Bevölkerung natürlich sowieso. Erschwerend kommt hinzu, was auf diesen Flächen wächst: Meist Kiefer-Monokulturen und offene Grasflächen, in denen sich Feuer bei Trockenheit und Wind binnen Stunden ausbreitet. Mit der Verwitterung der Munition steigt das Risiko von Selbstentzündungen weiter.
Für aktive Übungsplätze steht die Bundeswehr in der Pflicht. Dass sie Brände auch selbst auslöst, zeigte 2018 der Moorbrand im Emsland. Ausgelöst durch Raketenbeschuss, entzündeten sich 1.000 Hektar Moor, brannten bis zu 60 Zentimeter tief, und wurden zerstört. Der NABU schätzt, dass dabei etwa 500.000 Tonnen jahrtausendelang im Boden gespeichertes CO2 freigesetzt wurden. Geschätzte Kosten für Brandbekämpfung, Schadensbegleichung und Folgekosten: 80 bis 120 Millionen Euro. In Zeiten aktiver Kriegsvorbereitung ist weitere Umweltzerstörung programmiert.
Für die ehemaligen Militärflächen liegt die Räumungspflicht beim Bund, konkret bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die dazu Rahmenvereinbarungen mit den Ländern abschließt. In Brandenburg sind für das Kampfmittelräumprogramm 229 Millionen Euro vorgesehen zwischen 2020 und 2035, für Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 190 Millionen. Die Länder geben weiteres Geld hinzu. Aber: In Brandenburg wurden 2025 nach Angaben des Innenministeriums 897 Hektar Landesfläche, überwiegend kein Wald, von Munition geräumt. Bei 300.000 Hektar kampfmittelverdächtigen Waldes ist das fast nichts. Nicht anders in Mecklenburg-Vorpommern. Nach Angaben des Munitionsbergungsdienstes wurden dort 2024 gerade einmal 143 Hektar Wald geräumt – bei rund 10.000 Hektar besonders belasteter Flächen auf ehemaligen Bundesliegenschaften.
Fachleute benennen die notwendigen Aufgaben: Vorrangige Räumung entlang von Waldbrandschutzstreifen und Hauptwegen, klare Einteilung in Sperr- und Pufferzonen, gewartete Wege und Löschwasserentnahmestellen, den Umbau der Kiefernbestände. Nichts davon ist billig – die Beräumung eines einzigen Hektars kostet rund eine Million Euro, so eine Schätzung aus dem sächsischen Forstministerium nach dem Brand in der Gohrischheide 2025.









