Twitter-Beschäftigte wehren sich

Kündigung per Mail

Die Gewerkschaft ver.di wirft dem Twitter-Konzern vor, Kündigungen über eine Briefkastenfirma verschickt zu haben. Dies sei wie in den USA nach der Übernahme von Twitter durch Elon Musk erfolgt. Die Twitter-Beschäftigten in Deutschland, die eine solche Kündigung erhalten hätten, hielten jedoch an ihren Kündigungsschutzklagen fest, so ver.di. Sie blieben auch bei ihrem Vorhaben, einen Betriebsrat gründen zu wollen.

Hikmat El-Hammouri, der bei ver.di die Twitter-Beschäftigten in Deutschland betreut, sagt: „Twitter kooperiert mit uns bisher überhaupt nicht.“ Am 30. November hatte in der ver.di-Zentrale in Berlin die Wahlversammlung zur Wahl eines Wahlvorstandes für die Betriebsratswahl stattgefunden. Ein Wahlvorstand sei zwar gewählt worden, nur hätte die Betriebsratswahl bisher nicht eingeleitet werden können, weil Twitter Germany die Frist zur Überreichung der Wählerliste habe verstreichen lassen. Der neu gewählte Wahlvorstand hatte Twitter daraufhin eine neue Frist gesetzt und angekündigt, andernfalls per einstweiliger Verfügung gerichtlich vorzugehen. ver.di unterstützt den Wahlvorstand dabei.

Mit einem Vermögen von 195 Milliarden US-Dollar ist Elon Musk der reichste Mensch der Welt. Ende Oktober 2022 kaufte er für 44 Milliarden US-Dollar die Social-Media-Plattform Twitter. Kaum war der Übernahmevertrag unterschrieben, feuerte Musk die gesamte Führungsriege in den USA. Eine Woche später, am 4. November, erhielten weltweit nahezu 50 Prozent der 7.500 Twitter-Beschäftigten per E-Mail ihre Kündigung. Die Twitter Germany GmbH in Deutschland hat rund 30 Beschäftigte. Sie erhielten ihre Kündigungen am 4. November per Mail.

Weltweit seien nur noch sehr, sehr wenige der Entwickler übriggeblieben, wird einer der Beschäftigten von ver.di zitiert. Seit den Kündigungen tauschten sich die Teams über Signal- oder WhatsApp-Gruppen aus. Auch in den USA sei eine Sammelklage gegen die Entlassungen eingereicht worden. Elon Musk hätte die Kündigungen mindestens 60 Tage vorher schriftlich ankündigen müssen.

Hikmat El-Hammouri, der für ver.di auch schon bei TikTok den ersten Betriebsrat mit den Beschäftigten installiert hat und jetzt die Twitter-Beschäftigten auf diesem Weg weiter begleiten wird, ist sicher: „Das macht Schule.“ Beschäftigte in Social-Media-Unternehmen und sogenannten Start-ups glaubten häufig, dass sie so etwas wie Mitbestimmung, Vertrauensleute oder Betriebsräte nicht bräuchten. Aber Beispiele wie Twitter zeigten, dass sie Gewerkschaften brauchen, damit Chefs wie Elon Musk mit ihnen nicht einfach tun und lassen können, was sie wollen.

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"Kündigung per Mail", UZ vom 16. Dezember 2022



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