Ringerkaderschmiede Luckenwalde am Ende

Nach über 100 Jahren

Von Klaus Huhn

Zugegeben, ich bin ein Ossi! Und deshalb war für mich eines der sensationellsten Ereignisse der letzten Woche die Mitteilung, dass Luckenwalde die Ringeroberliga verlässt, obwohl es weder gesperrt noch disqualifiziert worden war. Der Präsident des brandenburgischen Ringerverbandes hatte noch im Juli letzten Jahres der „Märkischen Allgemeinen“ ein Interview gegeben, dessen Schlagzeile lautete: „Die Geschichte des 1. Luckenwalder Sportclubs (1. LSC) ist eine ostdeutsche Erfolgsstory im wiedervereinigten Deutschland“, meint RVB-Verbandspräsident Danny Eichelbaum.

Einige Zitate aus der Unterhaltung: (6. 7. 2015) „MAZ: Neben Frankfurt/Oder ist in Luckenwalde aus einer DDR-Ringerkaderschmiede ein Club entstanden, der in den zurückliegenden 25 Jahren auch im vereinten Deutschland Akzente gesetzt hat. Worin besteht aus Ihrer Sicht als Verbandspräsident das Erfolgsgeheimnis des 1. LSC?

Eichelbaum: Das Ringen in Luckenwalde hat eine sehr lange Tradition, die schon vor der Gründung der DDR begründet wurde.“

Diese im Grunde völlig überflüssige „Nebenbemerkung“ über die DDR ließe sich höchstens damit erklären, dass der Präsident Mitglied der CDU ist.

Er fuhr fort: „Bereits 1897 gab es einen Ringerverein in Luckenwalde. Für viele junge Sportler sind die Welt-und Europameister, sowie die Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen aus der Ringerhochburg Luckenwalde, wie z. B. Klaus Pohl, Roland Gehrke, Harald Büttner, Dieter Brüchert und Heiko Balz große Vorbilder, denen sie nacheifern. Diese Tradition des Ringens spürt und lebt man auch heute in Luckenwalde. Es gibt hier kaum eine Familie, die nicht mit dem Ringen verbunden ist. Luckenwalde ist ohne den Ringkampfsport undenkbar. Die Luckenwalder Ringer sind national und international ein Aushängeschild und Werbeträger für unsere Region. Die Sportler sind stolz, in und für Luckenwalde ringen zu können. Als einziger Verein hat es der 1. Luckenwalder SC geschafft, ununterbrochen seit 1990 im deutschen Oberhaus des Ringens, in der 1. Bundesliga mit zu ringen. Höhepunkt war hierbei im Jahr 2006 der Gewinn der deutschen Mannschaftsmeisterschaft. (…) Die Geschichte des 1. Luckenwalder SC ist eine ostdeutsche Erfolgsstory im wiedervereinigten Deutschland. Ich freue mich deshalb auf die Jubiläumsfeier am 12. Juli 2015 in Luckenwalde.“

Nochmal der Präsident: „Der Ringkampfsport in Brandenburg und in Luckenwalde hat eine gute Perspektive, wenn es uns auch in den nächsten Jahren gelingt, junge Menschen für unsere Sportart zu gewinnen und die Bundesleistungsstützpunkte in Luckenwalde und Frankfurt/Oder zu erhalten. Voraussetzung hierfür ist, dass unsere Ringer nationale und internationale Erfolge erzielen. Unser Ziel ist es, dass 1–2 Ringer aus Brandenburg an den Olympischen Spielen nächstes Jahr in Brasilien teilnehmen.“

Am 3. 2. 2016 lautete die schockierende „MAZ“-Schlagzeile: „Ende einer Ära in Luckenwalde – Ringer ziehen sich aus der 1. Bundesliga zurück“ und dann: „Es kommt einem Hammerschlag gleich: Der 1. Luckenwalder SC (LSC), der als einziger Ostverein in der 1. Ringer-Bundesliga übrig geblieben ist, wirft das Handtuch. ‚Wir kriegen keine Mannschaft mehr zusammen‘, klagt LSC-Trainer Johnny Levermann. Am Dienstagabend auf der Vorstandssitzung des LSC fiel die Klappe. Brandenburgs Ringerhochburg und die RWG Mömbris-Königshofen, die sich ebenfalls zurückzog, hatten als einzige Teams dem Oberhaus seit der Wende angehört.“

Und nun wurde sogar mitgeteilt, „zu DDR-Zeiten war die SG Dynamo Luckenwalde mit 21 Titeln Rekordmeister.“ Und auch, dass andere Vereine, die durch den Kollaps in Luckenwalde „freiwerdenden“ deutschen Ringer über Nacht engagiert hatten. Bleibt die Hoffnung, dass wenigstens die früheren Kinder-und Jugendsportschulen erhalten bleiben, in denen man sich einst in der DDR um die Talente kümmerte.

Ich sagte schon: Ich bin ein Ossi, aber dass Luckenwalde die höchste Liga verlässt, wäre in der DDR nicht möglich gewesen …

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"Nach über 100 Jahren", UZ vom 12. Februar 2016



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