Zum Umgang mit dem Coronavirus

Pandemie-Poker

Welchen Marsch der Musikverein „Hoffnung Hünsborn 147“ den „Impfwilligen“ geblasen hat, ging nicht durch die Medien. Wohl aber, dass sich das Impfzentrum im sauerländischen Olpe überlegt hatte, Blasmusik, Brezeln und Bier (alkoholfrei) anzubieten, um die Impfbereitschaft zu erhöhen.

Fast die Hälfte der Menschen in diesem Land ist inzwischen geimpft, trotz etlicher Pannen im Frühjahr. Es gibt nur Lockdown und Impfen – andere Ideen, gegen das Virus vorzugehen, gibt es in den Herrschaftsetagen in diesem Land nicht. Und so wird der Druck auf die Menschen erhöht, damit die Wirtschaftskrise durch einen befürchteten kommenden Lockdown nicht weiter vertieft wird.

Die Rollen sind dabei gut verteilt. Noch-Kanzlerin Merkel lässt verlauten: „Es wird keine Impfpflicht geben.“ Gesundheitsministerdarsteller Jens Spahn meint, wer sich nicht impfen lasse, müsse sich nicht wundern, wenn er nicht mehr auf Partys dürfe. Gleichzeitig kündigt er Überlegungen an, Corona-Tests kostenpflichtig zu machen. Aus dem Ethikrat der Bundesregierung werden Stimmen laut, die eine Impfpflicht für Erzieherinnen und Lehrkräfte fordern.

Derweil hüpft der Inzidenzwert seit ein paar Tagen wieder nach oben. Mit ihm wurde auf fragwürdiger Basis ein Automatismus erheblicher Grundrechts­einschränkungen verbunden, jetzt wird nach neuen Werten gesucht. Da taucht dann der R-Wert aus dem letzten Sommer wieder auf und neue schöne Worte wie „Hospitalisierung“ werden einem breiten Publikum präsentiert.

Nochmal zum Herrn Spahn, dessen Horizont an der Gartenmauer seiner Villa endet: „Impfstoff, um jeden zu impfen, ist nun da.“ Die meisten Länder der Welt haben noch Mangel oder können sich schlicht die Vakzine nicht leisten. So kann das Virus dort immer wieder mutieren, gerade weil Deutschland sich weigert, den Patentschutz der Impfstoffe aufzuheben.

Nach wie vor lässt sich die Mehrheit der Bevölkerung einreden, dass dieses Schauspiel Demokratie wäre und dessen Skandalisierung in den Medien etwas mit Pressefreiheit zu tun hätte. Diese Blendgranaten dienen der Ablenkung. Eine demokratische Regierung würde im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung handeln und diese im Kampf gegen das Virus mobilisieren. Ihr wäre das Leben der Menschheit wichtiger als die Profite einer absoluten Minderheit. Sie würde friedlich mit allen Ländern zusammenarbeiten. Sie würde in der Krise vertrauen gewinnen.

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Über den Autor

Björn Blach, geboren 1976, ist als freier Mitarbeiter seit 2019 für die Rubrik Theorie und Geschichte zuständig. Er gehörte 1997 zu den Absolventen der ersten, zwei-wöchigen Grundlagenschulung der DKP nach der Konterrevolution. In der Bundesgeschäftsführung der SDAJ leitete er die Bildungsarbeit. 2015 wurde er zum Bezirksvorsitzenden der DKP in Baden-Württemberg gewählt.

Hauptberuflich arbeitet er als Sozialpädagoge in der stationären Jugendhilfe.

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"Pandemie-Poker", UZ vom 23. Juli 2021



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