Kanada brennt – und die Regierung spart an der Feuerwehr

Pipelines wichtiger als Menschen

Dave McKee, People’s Voice, Kanada. Übersetzung und Bearbeitung: UZ

In ganz Ontario fordern zahlreiche Vertreter indigener Gemeinschaften, von Klima-, Gewerkschafts- und politischen Organisationen und Arbeiterorganisationen die Provinz- und Bundesregierung auf, Verantwortung für die anhaltenden Waldbrände zu übernehmen, die die Provinz derzeit heimsuchen und ganz Nordamerika in Rauch hüllen. Die Waldbrände zerstören weiterhin Gemeinden im Norden der Provinz Ontario und zwingen indigene Völker sowie Arbeiterinnen und Arbeiter zur Flucht. Im Rest der Provinz und darüber hinaus haben die dichten Rauchwolken zu katastrophalen gesundheitlichen Folgen für die Menschen geführt, die Hunderte Kilometer von den Bränden entfernt leben.

„Wie in ganz Kanada und auf der ganzen Welt nimmt auch in Ontario die Häufigkeit und Schwere von Waldbränden zu. Dies ist eine Folge der globalen Klimakrise“, sagt Jack Copple, ein Gewerkschafter und Mitglied der Kommunistischen Partei in Ontario. „Die Klimakrise selbst ist das Ergebnis jahrhundertelanger kapitalistischer Expansion und dazu gehören auch die skandalösen politischen Entscheidungen im Sinne der Profitmaximierung, die über Jahrzehnte hinweg von der Bundesregierung und den Provinzregierungen getroffen wurden – Entscheidungen, bei denen Klimagerechtigkeit fälschlicherweise den ‚Brot-und-Butter‘-Themen der Lebenshaltungskosten gegenübergestellt wurde.“ Dazu zähle laut Copple die Entscheidung, Milliarden an öffentlichen Geldern für den Kauf der Trans-Mountain-Pipeline auszugeben sowie die jüngsten Ankündigungen der Bundesregierung unter Mark Carney (Liberal Party) und der Provinzregierung unter Doug Ford (Progressive Conservative Party of Ontario), öffentliche Gelder für den Bau weiterer Pipelines zu verwenden, die von Alberta aus nach Osten und Westen führen.

Regierung und Konzerne verkaufen der Öffentlichkeit den Bau dieser Pipelines als Schritt in Richtung Energiesouveränität und -sicherheit und behaupten außerdem, dass sie die Wirtschaft ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen würden. Tatsächlich sind diese Pipelines aber einfach nur eine staatliche Subvention für die Öl- und Gasmonopole, die nicht ihre eigenen Gewinne in den Aufbau der Infrastruktur investieren wollen und die Kosten und Risiken stattdessen auf die arbeitende Bevölkerung abwälzen. Die Regierung in Ottawa behauptet, dass die geplanten Trassen der jeweiligen Pipelines – zur Südküste von British Columbia und zur Grenzstadt Sarnia in Ontario – so angelegt seien, um „kanadische Energieträger für den Weltmarkt zu erschließen“. In Wahrheit werden sie die kanadische Wirtschaft jedoch nur noch stärker in den US-Kapitalismus integrieren, indem sie Öl entlang der US-Küste nach Süden und über den St. Clair River zu den Interstate-Autobahnen in den USA pumpen. Die Monopolkonzerne und ihre Sprachrohre in der kanadischen Regierung trommeln seit Jahrzehnten dafür, die Integration der Energieinfrastruktur mit den USA voranzutreiben.

In Ontario bestand ein Element dieser Integration darin, von emissionsfreien Energiequellen abzugehen. Im Jahr 2018 lag der Anteil der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen in der Provinz bei 4 Prozent; seit Doug Ford 2018 dort an die Macht kam, ist er auf fast 20 Prozent gestiegen. „Würden Carney und Ford es mit der Energiesouveränität und der Umweltverantwortung ernst meinen, dann würden sie einen massiven Ausbau von Solar-, Wind-, Wasserkraft- und Geothermieanlagen in der ganzen Provinz in Angriff nehmen“, argumentiert Copple. „Stattdessen stecken sowohl die Bundesregierung als auch die Provinzregierung riesige Summen an öffentlichen Geldern in das gesteigerte Rüstungsbudget und den weltweiten Kriegskurs und kürzen gleichzeitig die gesellschaftlich nützlichen Ausgaben drastisch.“

Die Kommunistische Partei kämpft in ganz Kanada gegen die Politik der Regierung, 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für das Militär auszugeben – ein Ziel, das jährlich mindestens 150 Milliarden Dollar bedeutet. Diese Politik entzieht Klima- und Umweltinitiativen sowie den Rettungsdiensten sehenden Auges dringend benötigte öffentliche Mittel und verschärft die Klimakrise durch den emissionsintensiven Bau weiterer Militärstützpunkte und Infrastruktur noch weiter.

Doug Ford hat zudem seit 2018 den Brandschutz und die Feuerwehr in Ontario konsequent unterfinanziert und die entsprechenden Haushaltsposten trotz der Zunahme von Waldbränden gekürzt. Für das Jahr 2026 hat die Provinzregierung nur 150 Millionen kanadische Dollar (knapp 93 Millionen Euro) für die Brandbekämpfung im Notfall veranschlagt; 2025 war es noch fast das Doppelte dieses Betrags gewesen. Laut Feuerwehrverband von Ontario seien die Brandbekämpfungskräfte durch diese Haushaltslücken dazu gezwungen, manche Brände einfach brennen zu lassen, da sie weder über das nötige Personal noch über die Ausrüstung verfügen, um jeden Brand zu bekämpfen. Perverserweise werden im Rahmen von Fords „Ontario Corps“ riesige Teile des Katastrophenschutzes der Provinz an Unternehmen wie Uber privatisiert, die von der Krise profitieren werden.

Die ersten, die für die Folgen dieser Waldbrände bezahlen müssen, sind die indigenen Völker im Norden Ontarios, die von 42 Prozent aller Evakuierungen betroffen sind, obwohl sie nur etwa 5 Prozent der Gesamtbevölkerung Kanadas ausmachen. Wie Brandi Morin in ihrer engagierten Berichterstattung für den „Indigenous Insider“ feststellte, ist dies auch eine Folge staatlicher Politik: „Etwa 80 Prozent der mehrheitlich von Indigenen bewohnten Gemeinden liegen in brandgefährdeten nördlichen Regionen – weil die koloniale Reservatspolitik sie genau dorthin verbannt hat: auf Land, das niemand sonst wollte, auf Land, in dem es nun zufällig heißer ist und häufiger brennt als fast überall sonst im Land.“

Schätzungsweise 60 Prozent der Reservate liegen direkt an der Schnittstelle zwischen Wildnis und Stadtgebieten. Das sind genau die Zonen, die die Feuerwehrbehörden als risikoreichste einstufen – und als die mit der niedrigsten Priorität, wenn es um die Zuweisung von Löschflugzeugen und Einsatzteams geht. Die Angehörigen der First Nation sind in Ontario teilweise schon bis zu sieben Mal durch Brände vertrieben worden.

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"Pipelines wichtiger als Menschen", UZ vom 7. August 2026



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