„Fremde in der Stadt“ – die neue CD von Werner Lutz

Verteidigung der Sündenböcke

Von Eva Petermann

Die CD kann bestellt werden für 10 Euro + Porto bei Jump-Up oder unter einheiztext@t-online.de

bzw. Werner Lutz, Tel. 09131/404671, Nürnberger Str. 45, 91052 Erlangen

Nach der CD „Das Vorletzte“ hat der Erlanger Liedermacher Werner Lutz wieder eine CD herausgebracht: „Fremde in der Stadt“. Im Zentrum des im März 2017 erschienenen Albums, eingespielt mit den Begleitmusikern Mario Bock (Saxophon) und Rüdiger Miller (Keyboards), steht der Kampf gegen die Rechtsentwicklung.

Nicht wenige der Lieder sind entstanden als Beiträge für Auftritte von Werner Lutz (häufig zusammen mit Mario Bock) bei Aktionen gegen Nazis. Das Lied „Pegida“ gehört dazu, ebenso die – im Stil eines bayerischen Volksliedes interpretierte – Charakterisierung eines braven Kommunalpolitikers, der sich mit seinem Dorf gegen Geflüchtete stellt („Unser Landrat“).

Auch im Lied „Fremde in der Stadt“ greift Lutz die „Flüchtlingskrise“ auf: Hier bringen die Fremden Farbe in Städte und Straßen; sie haben überall bei uns ihren Platz. Der Musiker Werner Lutz hatte im Frühherbst 2014 – in der Zeit der ersten großen Einwanderungswelle, wo in vielen Städten bereits Zeltlager errichtet werden mussten – die Gelegenheit, in seiner Heimatstadt in Mittelfranken für einige Wochen ein Erstaufnahmelager zu verwalten.

Unter den zehn Liedern des Albums gibt es einiges in fränkischer Mundart zu hören. So im ersten Stück, dem „Flaschensammelblues“, einem Song über den „Flaschensammel-King“ eines Viertels, der das Flaschensammeln zur Chefsache macht. Bereits bei diesem ersten Lied kommt mit der Hammondorgel-Begleitung die Stärke des Keyboarders Rüdiger Miller, mit dem Lutz hier zum ersten Mal zusammengearbeitet hat, zum Ausdruck.

Zwei der Titel sind bereits auf früheren Alben erschienen. Das Lied „Der Sündenbock“ wurde mit einem aktualisierten Text versehen. Die „Republikaner“ („Reps“) mit Schönhuber an der Spitze, die Anfang der 1990er Jahre in vielen Parlamenten vertreten waren, gibt es nicht mehr. Zur AfD heute gibt es durchaus Parallelen. Gemeinsam haben beide Gruppierungen, dass für ihre Anhänger die Suche nach Sündenböcken typisch ist.

Der zweite Song, ebenfalls vor vielen Jahren schon einmal veröffentlicht, ist ein Lied zum Thema Euthanasie (in fränkischer Mundartverfremdung): „Herr Doktor, hams mein Bubn g‘sehn“. Die barbarische „medizinische“ Quälerei kranker und behinderter Kinder und deren systematische Ermordung in der NS-Diktatur gehört nach wie vor zu den kaum aufgearbeiteten Kapiteln deutscher Geschichte.

Den Schluss des Albums bildet ein nachdenkliches Lied zur Erinnerung an die Opfer und Widerstandskämpfer in faschistischen Diktaturen außerhalb Europas: „Argentinien 1976“.

Aber auch das von einigen bekannten Liedermachern (Wecker, Wader, Höhner) in letzter Zeit populär gewordene Volkslied-Revival ist an Werner Lutz nicht vorübergegangen: Sein Beitrag dazu ist eine textliche Neufassung des Liedes „Im Krug zum grünen Kranze“.

Eine hochaktuelle, musikalisch sensible CD, mit anspruchsvollen – mal nachdenklichen, mal ironischen, scheinbar lustigen – Texten, wie wir sie von diesem Künstler kennen. Entschieden bereichert wird das vielseitige Arrangement durch Mario Bock auf dem Saxophon und Rüdiger Miller (Keyboard, Piano, Synthesizer, Orgel).

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"Verteidigung der Sündenböcke", UZ vom 11. August 2017



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