Es gibt Konfliktbereiche mit hohem Eskalationspotential

An der Schwelle eines Atomkrieges?

Seit den späten 1980er Jahren ist die Wahrnehmung des jederzeit auslösbaren atomaren Overkills in den Hintergrund gerückt. Und in der Tat, die folgenden Kriege und Stellvertreterkriege in Irak, Afghanistan, Libyen und vielen anderen Staaten waren Kriege gegen militärisch allenfalls drittklassige Länder, die mithilfe der billionenschweren US-Kriegsmaschine in der Regel leicht niedergewalzt werden konnten.

In der Konfrontation mit Russland sieht die Lage natürlich anders aus. Immerhin hatte Wladimir Putin die Nu­klear­streitkräfte Russlands auf Alarmstufe 1 gesetzt. Dem ging allerdings voraus, dass Wladimir Selenski auf der Münchener „Sicherheitskonferenz“ im Januar geäußert hatte, die ukrainischen Machthaber fühlten sich nicht mehr an das „Budapester Memorandum“ von 1994 gebunden. Das sah die atomare Entwaffnung der Ukraine gegen russische Sicherheitsgarantien vor. Verschärfend kam hinzu, dass der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian Wladimir Putin gegenüber drohte, die NATO sei eine Atommacht. Danach sah sich Putin genötigt zu reagieren.

Aber Russland ist nicht nur atomar, sondern auch konventionell eine Supermacht. Die russischen Streitkräfte konnten es sich leisten, die mit mehr als 250.000 Aktiven und 900.000 Reservisten personell deutlich überlegenen ukrainischen Streitkräfte mit geringer Mannschaftsstärke, aber waffentechnologisch überlegenen Mitteln anzugreifen.

Angesichts dieser Lage hatte der NATO-Sondergipfel am 24. März 2022 in Brüssel auch weiterhin kein direktes militärisches Engagement der US-/NATO-Kräfte beschlossen. Dem Weißen Haus sind die Ukrainer relativ egal. Die Frage lautet hier: Wie ist dieser Konflikt optimal auszubeuten. Und das gelingt am besten durch die Dämonisierung Putins und Russlands und die Stilisierung der Selenski-Ukraine als unschuldiges Opfer. Der Krieg muss dafür möglichst lange und blutig am Laufen gehalten werden, damit die politisch-emotionale Basis für das „Frieren gegen Putin“, für die Stilllegung von Nord Stream 2, nicht bröckelt. Also weiterhin Waffenlieferungen, Entsendungen von Söldnern, die Platzierung von Selenski-Shows zur besten Sendezeit und so weiter.

Wie immer in solchen Situationen gibt es auch hier Kräfte, die ihren individuellen Vorteil suchen. Der starke Mann Polens, PiS-Chef Jarosław Kaczyn´ski, preschte am 15. März mit dem Vorschlag einer westlichen „Friedenstruppe“ vor. Diese sollte die Fähigkeit haben, „sich selbst zu verteidigen“ und „auf ukrainischem Territorium operieren“.

Die US-/NATO-Führer haben umgehend abgewunken. Die Gefahr einer militärischen Eskalation liegt klar auf der Hand. Wenn Warschau es auf eigene Rechnung probieren möchte – bitte. Die Frage ist: Was will Kaczyn´ski mit seiner „Friedenstruppe“? Es könnte eine Spekulation auf Teile der West­ukraine sein, die für Russland uninteressant erscheinen müssen. Hier war früher ein gewisser Teil polnisch und wäre man dort erst einmal mit einem „robusten Militäreinsatz“ präsent, hätte man bei einer ukrainischen Nachkriegsregelung ein Wörtchen mitzureden. Unterstellt werden darf, dass Kaczyn´ski nicht wegen armer ukrainischer Kinder in den Krieg ziehen will. Inwieweit seine Spekulation aufgeht, ist eine andere Frage. Die russische Seite hat schon seit Längerem klargemacht, dass sie den Einsatz von Truppenverbänden aus dem Ausland als feindliche Kombattanten einstuft und entsprechend dagegen vorgeht. Was das bei einem Einsatz der weitreichenden russischen Raketenwaffen bedeutet und wie dann ein Einsatz einer „Friedensmission“, die in der Lage sein soll, „sich selbst zu verteidigen“, aussehen müsste, sollte sich Kaczyn´ski lieber einmal von erfahrenen Militärs erläutern lassen. Liegen die polnischen Militärflughäfen und Nachschubwege erst einmal unter Feuer, ist es zu spät.

Ähnliches Eskalationspotential entsteht, sollten US- und NATO-Kräfte versuchen, die immer wieder einmal geforderte Flugverbotszone tatsächlich einzurichten. Russland hat ganze zwei Tage gebraucht, um die Lufthoheit in der Ukraine zu erringen. Die russischen Flugabwehr- und Fliegerkräfte sind den US-amerikanischen mindestens ebenbürtig. Sie aus ihrer Position werfen zu wollen, wäre ein ambitioniertes Unternehmen. Am Ende stünde ein massiver Schlagabtausch der stärksten Militärmächte mit hohem Prestigeeinsatz. Vor allem die USA können sich keine Niederlage leisten. Von hier ist es nur ein kleiner Schritt bis zur nuklearen Katastrophe.

Als sei das alles nicht schon schlimm genug, gibt es im Hintergrund jene 36 Bio-Laboratorien, von denen man bislang weiß. Nun weiß man auch, dass sich Präsidentensohn Hunter Biden und sein Investmentfonds „Rosemont Seneca Technology Partners“ um die Finanzierung dieser vom Pentagon betriebenen Bio-Labs „verdient“ gemacht haben. Noch weiß man wenig über den genaueren Zweck dieser zahlreichen Labore und über die Rolle, welche die Bidens hierbei spielen. Aber auch hier liegt das Eskalationspotential längst auf der Hand: Der Einsatz von chemischen Kampfstoffen wurde, wie schon in Syrien, zur Roten Linie erklärt. Das Selenski-Regime muss nur noch die entsprechende „False Flag“-Operation starten, um die NATO in die Ukraine zu bringen.

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"An der Schwelle eines Atomkrieges?", UZ vom 1. April 2022



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