Eine Ordnung muss eine sein

Ursula Vogt über die CSU als reaktionären Taktgeber
|    Ausgabe vom 11. November 2016

Am vergangenen Wochenende traf sich die CSU in München zu ihrem Parteitag. Sie begreift sich als „Taktgeber“ und inszeniert sich als der wahre Retter der Republik, der der CDU und ganz besonders der Bundeskanzlerin zeigt, wo der Bartel den Most holt. Dazu gehört auch, dass Angela Merkel – letztes Jahr auf dem Parteitag öffentlich von Seehofer abgewatscht – dieses Jahr gar nicht erst eingeladen wurde.
Ihrer Rolle als reaktionärem Taktgeber wird die CSU mit ihrem auf dem Parteitag verabschiedeten Grundsatzprogramm gerecht. Der Titel – „Die Ordnung“ – macht gruseln. Das Konzept der „Ordnungszelle Bayern“ hat politische Tradition und man darf getrost davon ausgehen, dass der Titel kein Zufall ist.
Nachdem Revolution und Räterepublik 1918/1919 blutig niedergeschlagen waren, verkündete der damalige bayerische Ministerpräsident Gustav von Kahr, dass zuerst in Bayern „Ruhe und Ordnung“ wieder hergestellt werden müssten. Die „Ordnungszelle Bayern“ sollte dann „gesundend“ auf das gesamte Deutsche Reich wirken. Dieses reaktionäre Sendungsbewusstsein formulierte Franz Josef Strauß 1970 gekonnt mit: „Wenn die Verflachung der Politik beginnt, kommt aus den bayerischen Bergen die Rettung“ – wobei der Bezug weniger geografisch zu verstehen ist denn als Hommage an die Beteiligung der bis heute (z. B. beim jährlichen Oktoberfesteinzugsauftrieb) gehätschelten bayrischen Gebirgsschützen in den Freicorps bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik.
Bayern, Deutschland, die Welt braucht „Ordnung“ – das sind doch veritable populistische Antworten.


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