Interview

Die Abrüstungskampagne in Betriebe und Gewerkschaften hineintragen!

Markus Bernhardt im Gespräch mit Jutta Markowski
|    Ausgabe vom 8. Juni 2018

Jutta Markowski hat bei zahlreichen gewerkschaftlichen Veranstaltungen, Delegiertenkonferenzen von ver.di und bei anderen Aktionen Unterschriften für die Kampagne „Abrüsten statt Aufrüsten“ gesammelt. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen.



UZ: Ihr habt bereits fleißig Unterschriften für die Kampagne „Abrüsten statt Aufrüsten“ der Friedensbewegung gesammelt. Insgesamt 30 000 Unterschriften wollen wir, wie auf dem Parteitag beschlossen, bis zum UZ-Pressefest gesammelt haben. Welche Erfahrungen habt ihr bisher gemacht?

 Jutta Markowski ist Mitglied der DKP Essen, ver.di-Vertrauensfrau und Betriebsrätin.

Jutta Markowski ist Mitglied der DKP Essen, ver.di-Vertrauensfrau und Betriebsrätin.

Jutta Markowski: Man trifft auf Gewerkschaftsversammlungen, beim 1. Mai, auf Antifa-Demos und sogar beim Ostermarsch viel zu wenige Leute, die den Aufruf schon kennen und unterschrieben haben. Das hat mich sehr gewundert.
Und leider war es so: Wenn wir nicht sammeln, sammelt keiner. Die den Aufruf schon kannten, haben ihn online unterschrieben. Auf der Straße wird er kaum beworben.

UZ: Wie ist es euch gelungen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen?

Jutta Markowski: Die Nato-Forderung, nachdem zwei Prozent des Bruttosozialproduktes in die Rüstung zu stecken seien, ist fast allen bekannt. Dafür hat Flinten-Uschi gesorgt. Und die meisten sind sofort bereit, sich dagegen auszusprechen. Es herrscht meiner Meinung nach im Moment noch eine breite Ablehnung gegen diese Pläne.
Wenn wir mehr Personal in Krankenhäusern und Altenheimen haben wollen, ist sehr schnell klar, dass dieser Kampf verbunden werden muss mit einer Senkung der Rüstungsausgaben. Sonst zahlen wir die Zeche zum Beispiel durch die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge selbst.
Du merkst aber auch, wie sich die Propaganda in die Köpfe schleicht: So wird von manchen zu bedenken gegeben, dass die Bundeswehr doch untaugliches und veraltetes Material habe.
Einige der älteren Kolleginnen und Kollegen haben aber auch sofort die Verbindung zum Krefelder Appell hergestellt. So eine Bewegung müsse es wieder geben!

UZ: Hast du weitere Tipps, wie erfolgreich gesammelt werden kann?

Jutta Markowski: Erstmal anfangen! Der Erfolg beflügelt. Und wenn ich mir seit letzter Woche wieder in Essen die Plakatwerbung der Bundeswehr anschauen muss, besänftigt jede Unterschrift meine ohnmächtige Wut ein bisschen. Warum eigentlich nicht mal direkt vor so einer Plakattafel einen Infostand aufbauen?

UZ: Gab es bei euren Aktionen auch negative Reaktionen?

Jutta Markowski: Ich hatte nicht eine einzige. Es gab aber auch einen Saure-Gurken-Infostand einer Wohngebietsgruppe, auf der nur eine Unterschrift gewonnen wurde. So Tage gibt es halt auch.


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