Protest gegen Werksschließung

Kundgebung vor Caro-Kaffee-Fabrik in Ludwigsburg
Von Christa Hourani
|    Ausgabe vom 7. Dezember 2018
Kundgebung vor dem Caro-Werk am 29. November (Foto: Christa Hourani)
Kundgebung vor dem Caro-Werk am 29. November (Foto: Christa Hourani)

Kolleginnen und Kollegen von der Caro-Kaffee-Fabrik in Ludwigsburg bei Stuttgart kämpfen gegen die Werksschließung und die Verlagerung der Produktion nach Portugal. Im Juni hatte der Nestlé-Vorstand ganz unerwartet die Schließung bekannt gegeben. Nach mehreren Namensänderungen und Fusionen gehört die Fabrik seit 1971 zum Nestlé-Konzern, der in 191 Ländern weltweit agiert. Über 2 000 Marken und Produkte laufen unter dem Label, von globalen Ikonen wie Nescafé oder Maggi bis hin zum Health Science Bereich. Nestlé Deutschland beschäftigt rund 10 500 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. Nestlé ist mit 413 Fabriken der größte Nahrungsproduzent weltweit, zwölf dieser Fabriken sind in Deutschland. Mit rund 100 Beschäftigten ist das Ludwigsburger Werk eines der kleineren Nestlé-Werke.
Schon seit 150 Jahren wird auf dem riesigen Areal (21000 Quadratmeter – ein Filetstück auch für Immobilienspekulanten) direkt am Bahnhof Röstkaffee produziert. Der Aufstieg der Stadt Ludwigsburg ist untrennbar mit der traditionsreichen Kaffeefabrik verbunden. Seit einigen Jahrzehnten wird dort überwiegend Caro-Kaffee, ein löslicher Ersatzkaffee aus Getreide, hergestellt. Nun soll das Werk demnächst geschlossen werden und die Produktion teilweise nach Portugal verlagert werden.

( Christa Hourani)

Am 29. November versammelten sich erneut die Kolleginnen und Kollegen von mehreren betroffenen Standorten vor dem Werkstor in Ludwigsburg zusammen mit etlichen Unterstützern, und protestierten gegen die Pläne des Nestlé-Vorstands. Mit ihrer Aktion wollten sie ihrer Verhandlungskommission, die im Anschluss tagte, den Rücken stärken. Ihre Forderungen und Anklagen heißen: „Kein Jobkahlschlag bei Nestlé!“ „Mensch vor Marge“, „Arbeitsplätze in Biessenhofen, Lüdinghausen, Ludwigsburg, Singen und Weiding erhalten!“ „Zi­trone – nicht mit uns!“ Viele trugen T-Shirts mit der Aufschrift: „Geiern auf noch mehr Profit“ und „Zitronen für die Beschäftigten – 18,5 Prozent für die Shareholder: Nicht mit uns!“
In einer Unterschriftensammlung sagen die Beschäftigten nochmals klar, worum es ihnen geht: „Wir fordern den Nestlé-Konzern auf, seine gesellschaftliche und ökologische Verantwortung ernst zu nehmen und die Produktion in Ludwigsburg zu lassen!“ Über 17000 Unterschriften haben sie bereits dafür gesammelt.
Verschiedene Redner der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und des Betriebsrates verurteilten die Profitgier von Nestlé, die ihren „Hals nicht voll kriegen“ und ihren Profit von 16,5 auf 18,5 Prozent steigern wollen. Immer wieder betonten sie, dass die betroffenen Fabriken gut dastehen und schwarze Zahlen schreiben. Ein Betriebsrat berichtete, dass es erste Gespräche gab mit Gewerkschaftern anderer Großkonzerne der Lebensmittelbranche, eine gemeinsame Bewegung zu initiieren unter dem Motto „Mensch statt Marge“, um sich gemeinsam gegen die Angriffe zu wehren. Dies fand große Zustimmung.


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