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Themen: Kuba
60 Jahre Kubanische Revolution

Die wahre Ordnung stützt sich auf Freiheit

Aus der Rede von Fidel Castro Ruz am 1. Januar 1959
|    Ausgabe vom 4. Januar 2019
Berittene Bauern und Freiheitskämpfer, 1959 (Foto: Alberto Korda)
Berittene Bauern und Freiheitskämpfer, 1959 (Foto: Alberto Korda)

Bürger von Santiago, kubanische Landsleute:
Es wird kein Blut mehr fließen. Ich hoffe, dass keine Gruppe Widerstand leistet; abgesehen davon, dass es ein vergeblicher Widerstand wäre, der binnen kurzer Zeit niedergeschlagen würde, denn es wäre ein Widerstand gegen das Gesetz und gegen die Republik sowie gegen die Gefühle der kubanischen Nation. Der revolutionäre Aufruhr ist gewachsen, (…) Man muss nicht mehr mit dem Gewehr auf die Straße gehen, muss niemandem Angst einjagen. Die wahre Ordnung stützt sich auf die Freiheit, auf den Respekt und die Gerechtigkeit, nicht auf die Gewalt. Von nun an wird das Volk völlig frei sein, und das Volk weiß sich entsprechend zu verhalten, wie es das heute bewiesen hat. Der Frieden, den unser Heimatland braucht, ist erreicht worden. (…)

Fidel Castro und Camilo Cienfuegos, einer der führenden Revolutionäre. Einzug in Havanna, 8. Januar 1959

Fidel Castro und Camilo Cienfuegos, einer der führenden Revolutionäre. Einzug in Havanna, 8. Januar 1959

( Alberto Korda)

Die bewaffneten Einrichtungen der Republik werden in Zukunft aufgrund ihrer Befähigung, ihrer Erziehung und ihrer Identifikation mit der Sache des Volkes beispielhafte Institutionen sein. Die Gewehre werden von nun an nur im Dienste des Volkes stehen. Selbstverständlich wird das Volk alles von uns erwarten, und wird es erhalten. (…)
Ich habe die Gewissheit, dass sobald der Präsident der Republik das Amt und die Führung übernimmt, er die Wiederherstellung der Sicherheit und die absolute Pressefreiheit sowie sämtliche individuellen Rechte im Lande, alle gewerkschaftlichen sowie alle Rechte und Forderungen unserer Bauern und unseres Volkes im Allgemeinen dekretieren wird. Die Wirtschaft des Landes wird sich schnell erholen. Dieses Jahr werden wir es sein, die das Zuckerrohr schützen, damit es nicht verbrennt. Denn die Zuckersteuern werden in diesem Jahr nicht für den Erwerb von Mordwaffen, Bomben und Flugzeugen verwendet werden, um das Volk zu bombardieren. Es wird Zuckerrohr im ganzen Land geerntet, und es wird gute Löhne geben, denn ich weiß, dass das die Absicht des Präsidenten der Republik ist. (…)
Wir glauben nicht, dass alle Probleme mühelos gelöst werden. Wir wissen, dass der Weg voller Hindernisse ist, aber wir sind festen Glaubens, wir bieten großen Schwierigkeiten stets die Stirn. Die Bevölkerung kann sich einer Sache sicher sein, wir können uns einmal oder mehrmals irren. Das einzige, was man nie über uns sagen können wird, ist, dass wir stehlen, dass wir Verräter sind, dass wir unsaubere Geschäfte machen, dass wir Günstlinge fördern und Privilegien nutzen. Ich weiß, dass die Bevölkerung Fehler verzeiht, aber was sie nicht verzeiht, ist Unverfrorenheit, wie es sie bis jetzt gab. Wir werden uns niemals weder vom Ehrgeiz noch von Eitelkeit treiben lassen, weil, wie unser Apostel gesagt hat: „Der ganze Ruhm der Welt in ein Maiskorn passt“ und es keine größere Zufriedenheit und keine größeren Auszeichnung gibt, als die Pflicht zu erfüllen, wie wir es bis heute getan haben und immer tun werden. Und das sage ich nur nicht in meinem eigenen Namen. Ich spreche im Namen der Tausenden und Abertausenden von Kämpfern, die den Sieg des Volkes ermöglicht haben. Ich rede von tiefen Gefühlen, von Respekt und Ehrfurcht gegenüber unseren Gefallenen, die nicht vergessen werden. Die Gefallenen werden in uns die treuesten Gefährten finden. Diesmal wird man nicht sagen können, dass die Gefallenen verraten wurden wie bei anderen Gelegenheiten, denn die Toten werden uns weiterhin führen.

Milizionärin mit Kind, 1960

Milizionärin mit Kind, 1960

( Mario García Joya)

Ganz Lateinamerika wacht über den Verlauf und das Schicksal dieser Revolution; ganz Lateinamerika hat seinen Blick auf uns gerichtet und begleitet uns mit den besten Wünschen für den Sieg. Ganz Lateinamerika wird uns in schwierigen Momenten unterstützen. Die heutige Freude finden wir nicht nur in Kuba, sondern in ganz Lateinamerika. So wie wir uns gefreut haben, wenn in Lateinamerika ein Diktator gestürzt wurde, so freuen sie sich heute für die Kubaner. ( …)
Sollte sich unser Volk bedroht sehen, werden nicht nur die 30000 bzw. 40000 Angehörigen der bewaffneten Streitkräfte kämpfen, sondern auch die 300000, 400000 oder 500000 Kubaner, Männer und Frauen, die eine Waffe in der Hand halten können. Es wird die notwendigen Waffen geben, damit sich jeder bewaffnen kann, der kämpfen möchte, wenn die Stunde kommt, unsere Souveränität zu verteidigen. Es ist nachgewiesen, dass in Kuba nicht nur die Männer kämpfen, sondern auch die Frauen. Der beste Beweis dafür ist das Bataillon „Mariana Grajales“, das sich in zahlreichen Gefechten so hervor getan hat. Und die Frauen sind ebenso exzellente Soldaten wie die besten männlichen Soldaten. Ich wollte zeigen, dass Frauen gute Soldaten sein konnten. Ich wollte zeigen, dass Frauen ebenso gute Soldaten sein konnten, und dass viele Vorurteile in Bezug auf Frauen existierten, und dass die Frauen in unserem Land ebenfalls befreit werden müssen, denn die Frauen sind Opfer von Diskriminierung in der Arbeit und in vielen Aspekten des Lebens.
Niemand soll denken, dass ich demagogisch rede, niemand soll denken, dass ich dem Volk schmeicheln möchte; ich habe meinen Glauben an das Volk genügend unter Beweis gestellt. Denn als ich mit 82 Männern an den Stränden Kubas landete, und die Leute sagten, dass wir verrückt wären und fragten, warum wir glaubten, dass wir den Krieg gewinnen würden, habe ich geantwortet: „Weil wir das Volk an unserer Seite haben“.  (…) Heute haben wir den spürbaren Beweis dafür, dass jener Glaube begründet war. Heute freue ich mich, diesen tiefen Glauben an das Volk Kubas besessen und meinen Kampfgefährten nahe gebracht zu haben. Dieser Glaube ist mehr als Glaube, ist das volle Vertrauen in all unsere Männer. Und diesen Glauben, den wir in euch haben, ist der Glaube, den ihr auch in uns haben sollt.


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Leserbrief zu Artikel »Die wahre Ordnung stützt sich auf Freiheit«, UZ vom 4. Januar 2019





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