Unentschieden gewonnen. Ohne Witz

Ein höchst verwunderlicher Bundesliga-Spieltag
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 8. Februar 2019

Ich war am Freitag wegen anhaltender Husterei noch beim Lungen-Röntgen. Frage des Monats: Wie viele Vaterunser passen zwischen die Röntgenbilder und das Arztgespräch? Antwort: Keine, ich kann den Text nicht. Das Ergebnis war erstaunlicherweise bestens, trotzdem hieß es Samstag, den Ball flach halten. Im Pub war es dann bei weitem nicht so voll wie ich erwartet hätte, trotz Auswärtsspiel gegen einen guten Gegner. Aber Eisregen ist eben auch ein guter Gegner auf dem Weg zur Kneipe. Nicht für W., den irrsten Taxifahrer der Stadt: Er kam die 20 Kilometer von zu Hause mit dem Rad (!) und stand das ganze Spiel über klatschnass mit den einleitend gedonnerten Worten: „Ich bin die Südtribüne, ihr Mädchen, und auf der Süd steht man.“ Die schöne M. knurrte ob des Mädchens ein „Wie bitte?!“, die einzigen zwei Worte, die sie an diesem Tag überhaupt sprach. Puh. Man würde sie gerne in den Arm nehmen in solchen Phasen, auch gegen ihren Willen, aber ihren absolvierten Kurs in Krav Maga, einer Kampfform der israelischen Armee, hat man immer im Hinterkopf. Und im selbigen möchte man ungern eine Pommesgabel, oder was sie gerade in die Finger bekommt, stecken haben. Ohne Witz.
Das Spiel war Klasse, vor allem in Halbzeit eins. Frankfurt bewies, warum es als der neueste heiße Scheiß gehandelt wird. Technisch hervorragend, körperlich robust, kämpferisch an der Schmerzgrenze. Natürlich müssen Reus oder Paco in Hälfte eins bereits den Sack zu machen, aber auf der anderen Seite waren auch nur ein überragender Bürki und ein ganz erstaunlicher Weigl im Weg, um Frankfurt an mehreren Toren zu hindern. Ein gerechtes Unentschieden, wobei ein 4:4 mehr Spaß gemacht hätte.
Und sonst? Schalkes Trainer Tedesco (0:2) und Bayerns Trainer Kovac (1:3) lieferten sich nach ihren Spielen ein Fernduell in Sachen Mimimi. Bei beiden war der Schiedsrichter schuld am Verlust der Punkte. Extrem absurd und lustig. Schalke kann gegen sehr bieder spielende Gladbacher zu Hause (!) kein Tor schießen und Bayern gegen schnell spielende Gegner nicht kaschieren, dass das Gefüge zu alt und zu satt ist. Schiedsrichterentscheidungen waren in beiden Fällen eher zweitrangig. Unten konnte sich nur Augsburg etwas absetzen mit einem erstaunlichen 3:0 gegen Mainz. Oben ist Gladbach jetzt vor den Bayern, aber ich glaube nicht, dass die sich da halten können. Lustig natürlich trotzdem. Die geliebten Gelsenkirchener dümpeln zwischen Mainz und Freiburg im Niemandsland der Liga. Und nächste Woche geht‘s dann nach München zu den angezählten Bayern. Riecht ein wenig nach 6:0. Viel Spaß.
Und Dortmund und der Titel? Abwarten. Zumindest das Spiel in Frankfurt war eines Meisters würdig. Oder wie Herbert Prohaska es ausdrücken würde: „Heute haben wir uns gut aus der Atmosphäre gezogen.“ Ohne Witz.
Nachtrag: Ich habe ihn gesehen, den Super Bowl. 7636 Werbeblöcke (die wir Gott sei Dank vorspulen konnten), ein furchtbar langweiliges Spiel (okay, das war Pech) und eine geradezu grotesk schlechte Halbzeitshow. Aber mit der schönen M. und Gartenbro A. erträgt man so ziemlich alles. Selbst Pizza mit Analogkäse. Obwohl nein, das ging überhaupt nicht. Ohne …


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